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Die Hilflosigkeit der Gemeinnützigen beim Thema CSR

Das war einer jener Tage, die mich auf den Boden der Wirklichkeit zurückbrachten. Nachdem das Thema Corporate Social Responsibility nun einige Jahre auch in Deutschland Zuhause ist, bin ich von grundlegenden Kenntnissen zumindest bei den größeren Organisationen ausgegangen. Heute habe ich gelernt: Das ist weit gefehlt. Ein Kommentar von Achim Halfmann.

Hückeswagen (csr-news) – Das war einer jener Tage, die mich auf den Boden der Wirklichkeit zurückbrachten. Nachdem das Thema Corporate Social Responsibility nun einige Jahre auch in Deutschland Zuhause ist, bin ich von grundlegenden Kenntnissen zumindest bei den größeren Organisationen ausgegangen. Heute habe ich gelernt: Das ist weit gefehlt.

Ein Kommentar von Achim Halfmann.

Nennen wir sie Hanna Henkel und ihren Arbeitgeber „Water Drillers“. Die gemeinnützige Organisation, deren Öffentlichkeitsarbeiterin mich heute anrief, will ich nicht zur Schau stellen. Sie leistet eine wichtige Arbeit und sehr viel Gutes für die Menschen in Afrika.

Damit die „Water Drillers“ in den Dürregebieten der Sahel-Zone Menschen den Zugang zu frischem Wasser ermöglichen können, brauchen sie Geld. Auch aus Deutschland, wo die international tätige Organisation seit über zehn Jahren mit einer Zweigstelle vertreten ist. Hanna Henkel wechselte aus der Wirtschaft dorthin und gestaltet seit einem Jahr Öffentlichkeitsarbeit für die NGO. Ihre Idee: Unternehmensgelder für die Menschen in Afrika einzuwerben. Ihr Kampfbegriff: Corporate Social Responsibility.

Die Website dazu ist bereits online: „Wer uns unterstützt, zeigt gesellschaftliche Verantwortung“, heißt es auf der Seite mit der Überschrift „CSR mit den Water Drillers“. Die erbetene Unterstützung sind Geldspenden. Von diesem Unternehmensengagement wird die breite Öffentlichkeit erfahren, verspricht die NGO, die mit ihren Prospekten und ihrer Website auf die spendenden Unternehmen aufmerksam machen will. Das soll dann CSR sein: Eine öffentlich sichtbare gute Tat des Unternehmens.

Am Telefon gerate ich mit Hanna Henkel in die Diskussion: Das ist doch Philanthropie, sage ich, auch gut – aber keine CSR. Denn bei letzterer geht es um Verantwortungsübernahme im Kerngeschäft. Das machen viele NGOs so, sagt Hanna Henkel, da seien die „Water Drillers“ nicht die einzigen. Ob die anderen damit denn Erfolg haben, will ich wissen. Das verraten sie nicht, sagt Hanna Henkel, im Werben um Spender stünden alle Gemeinnützigen schließlich in Konkurrenz und es gebe keinen Erfahrungsaustausch. Ich werde etwas bescheidener und frage, ob es denn auch eine Zeit- oder Kompetenzspende von Unternehmen sein dürfte. Hanna Henkel ist da aber konsequent: Nein, die „Water Drillers“ brauchen Geld. Ich schlage den Begriff „Sponsoring“ als Alternative zum Begriff „CSR“ vor. Aber Hanna Henkel findet, Sponsoring hört sich nicht so gut an.

Am Ende des Telefongesprächs bin ich ziemlich ratlos und bezweifle, dass mein Gegenüber die kritischen Einwände zu ihrem CSR-Verständnis teilt. Die „Water Drillers“ werden wohl weiter um „CSR-Spenden“ werben. Bisher hat allerdings noch kein Unternehmen angebissen. Vielleicht trägt das ja eines Tages zu einem Umdenken bei …