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Tierschutzbund zertifiziert Fleisch für Supermärkte

Deutsche Verbraucher können bald “tierfreundlicher” erzeugtes Fleisch in einigen Supermärkten kaufen. Ab Januar solle Schweine- und Hühnerfleisch, das durch den Deutschen Tierschutzbund mit dem Siegel “Für Mehr Tierschutz” zertifiziert worden sei, bundesweit in mehreren Filialen liegen, wie die “Welt” berichtete. Der Tierschutzbund beginne nächste Woche, den ersten Mastbetrieben die Zertifizierung zu erteilen.

Berlin (afp) – Deutsche Verbraucher können bald “tierfreundlicher” erzeugtes Fleisch in einigen Supermärkten kaufen. Ab Januar solle Schweine- und Hühnerfleisch, das durch den Deutschen Tierschutzbund mit dem Siegel “Für Mehr Tierschutz” zertifiziert worden sei, bundesweit in mehreren Filialen liegen, wie die “Welt” am Dienstag berichtete. Der Tierschutzbund beginne nächste Woche, den ersten Mastbetrieben die Zertifizierung zu erteilen. Ihre Produkte sollen eine Zwischenstufe zwischen konventionell hergestelltem und Biofleisch darstellen und etwa zehn Prozent mehr kosten als konventionell hergestelltes Fleisch.

“Es geht uns als Tierschutzorganisation nicht darum, den Fleischkonsum und die Intensivtierhaltung zu unterstützen. Solange Fleisch gegessen wird, wollen wir die Produktion und den Konsum zugunsten tierfreundlicherer Alternativen umlenken”, sagte Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder der Zeitung. Dem Bericht zufolge planen derzeit zwei Supermarktketten, das als tierfreundlich gekennzeichnete Fleisch in einigen ihrer Filialen zu verkaufen.

Voraussetzungen für die Zertifizierung sind laut “Welt”, dass die Schweine in den Mastbetrieben ein Drittel mehr Platz bekommen als gesetzlich vorgeschrieben und sie Beschäftigungsmöglichkeiten in den Ställen haben. Zudem dürften die Ferkel von den Züchtern nicht betäubungslos kastriert und ihre Schwänze nicht kurz nach der Geburt gekürzt werden. Bei Masthühnern gehöre ebenfalls mehr Platz für das einzelne Tier zu den Voraussetzungen, außerdem müssten die Betriebe weniger schnell wachsende Hühnerrassen verwenden.

Ratgeber: Mit Siegel und Label zu sicherem Fleisch

Das Label des Deutschen Tierschutzbund “Für mehr Tierschutz” will ab Januar als Ergänzung zu anderen Siegeln Verbraucher und Erzeuger zum Tierschutz anregen. Es gibt aber auch allgemeine Anhaltspunkte, um wahrscheinlich artgerecht hergestelltes Fleisch zu erkennen.

Was ist Fleisch aus artgerechter Tierhaltung?

Im Gegensatz zur konventionellen Tierhaltung orientiert sich die artgerechte Haltung der Nutztiere an deren natürlichen Lebensumständen. Ihre artspezifischen Verhaltensweisen sollen die Tiere ausleben dürfen. Auch ein “würdiges” Töten eines Schlachttiers ist Bestandteil der artgerechten Haltung. Artgerecht gehaltene Tiere gelten als weniger stressanfällig und erkranken im Allgemeinen seltener. Die tiergerechte Haltung geht aber noch weiter: Es geht dabei auch darum, dass sich jedes einzelne Tier der Gruppe ganz individuell ausleben kann.

Was für ein Label vergibt der Deutsche Tierschutzbund?

Mastbetriebe, die die Lizenz der Tierschützer erhalten, müssen gewährleisten, dass die Tiere ihre artspezifischen Verhaltensweisen ausleben können. Dabei gibt es zwei Anforderungsstufen: eine Einstiegsstufe und eine Premiumstufe. In beiden Fällen gibt es verbindliche Anforderungen an Zucht, Haltung, Transport und Schlachtung. Der Tierschutzbund hat vor allem die konventionelle Landwirtschaft im Blick.

Ist teures Fleisch grundsätzlich aus artgerechter Haltung?

Nein. Fleisch aus artgerechter Haltung ist aber meist nicht zu Tiefstpreisen zu haben. Der Preis von Fleisch, dessen Qualität und Herkunft kaum nachvollziehbar ist, richtet sich vielmehr nach Verkaufsort und Marketingstrategie. Es kann genauso beim Discounter im Selbstbedienungsregal liegen wie in der Delikatessenabteilung im Kaufhaus.

Bin ich bei Biofleisch auf der sicheren Seite?

Bei Biofleisch kann der Verbraucher sehr sicher davon ausgehen, dass es aus artgerechter und sicherer Produktion stammt. Hier gibt es strenge Vorschriften und vor allem häufigere Kontrollen. Allerdings gibt es Unterschiede bei den Biozeichen – das allgemeine EU-Siegel ist weniger streng als spezielle Siegel von deutschen Bio-Anbauverbänden wie Demeter oder Bioland. Neuland erfüllt laut Deutschem Tierschutzbund die Anforderungen der Premiumstufe des Tierschutzlabels und liegt manchmal sogar darüber.

Gibt es Anhaltspunkte für die Qualität von konventionellem Fleisch?

Es gibt Gütesiegel, allerdings in einer kaum überschaubaren Fülle. Die Gütezeichen prüfen Merkmale wie Sicherheit, Regionalität oder artgerechte Tierhaltung – mit sehr unterschiedlichen Standards. Oft werden sie zudem nur regional oder von einer einzigen Supermarktkette verwendet. Für Verbraucher ist es schwer, die Siegel zu bewerten und von Werbebotschaften zu unterscheiden. Informationen über die Gütezeichen geben die Verbraucherzentralen.

Muss die Herkunft von Fleisch gekennzeichnet werden?

Meist nicht. Während Verbraucher bei Eiern über einen Code herausfinden können, aus welchem Stall sie kommen, muss die Herkunft der meisten Fleischsorten nirgends angegeben werden. Nur Rindfleisch muss seit dem BSE-Skandal gekennzeichnet werden. Auch bei Rind gilt dies aber nur für frisches Fleisch. Sobald das Fleisch verarbeitet wurde – etwa mariniert oder in Babynahrung verwendet – tappt der Verbraucher wieder im Dunkeln.

Ist der Fleischkauf beim Metzger sicherer als im Supermarkt?

In Deutschland gibt es immer noch über 25.000 Fleischereien. Darunter sind aber inzwischen viele, die ihr Fleisch vom Großhändler beziehen und nur verkaufen. Hier ist die Sicherheit nicht größer als im Supermarkt. Es gibt aber auch viele Metzger, die Tiere aus der Region beziehen, selbst schlachten und die Herkunft angeben. Hier können Verbraucher ohne Bedenken zugreifen.