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Mit Haaren zum Wohlstand: Vietnamesische Region exportiert tonnenweise Echthaar

Früher wusste Do Van Thu kaum, wie er seine Familie ernähren sollte. Heute ist der Vietnamese mehrfacher Millionär und wohnt in einer luxuriösen Villa, etwa 40 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Hanoi. Reich geworden ist der 50-jährige Familienvater mit Haaren. Die Nachfrage nach Haar-Extensions explodierte im vergangenen Jahrzehnt, dazu kommt der Bedarf für Perücken und Haarteile.

Binh An (afp) – Früher wusste Do Van Thu kaum, wie er seine Familie ernähren sollte. Heute ist der Vietnamese mehrfacher Millionär und wohnt in einer luxuriösen Villa, etwa 40 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Hanoi. Reich geworden ist der 50-jährige Familienvater mit Haaren. Die Nachfrage nach Haar-Extensions explodierte im vergangenen Jahrzehnt, dazu kommt der Bedarf für Perücken und Haarteile.

Im Hof seines Hauses waschen und kämmen Frauen aus dem Dorf Binh An in der Provinz Bac Ninh haufenweise Haarsträhnen. “Wir waren sehr arm, weil wir kaum Land hatten”, sagt Thu. “Diese Arbeit hat unser Leben gerettet.” Rund 500 Familien können nach seinen Worten davon leben, das sind 80 Prozent der Bevölkerung seiner Region.

“Meine Familie exportiert jährlich zwischen 50 und 60 Tonnen Haar nach China”, sagt er zwischen Säcken sortierten Haars. “Wir kaufen es in allen Winkeln des Landes, sowie in Laos und Kambodscha. Insgesamt werden hunderttausende Tonnen jedes Jahr ins Ausland verkauft.”

Der Preis pro Kilogramm reicht von umgerechnet 34 bis 190 Euro, je nach Qualität. Am wertvollsten ist langes Haar, wie der 60-jährige Dorfbewohner Nguyen Van Tam betont: “Unser Haar ist zu 100 Prozent natürlich. Haar mit 70 oder 80 Zentimetern Länge ist teurer als Haar mit 50 oder 60 Zentimetern.” Tam packt lange Strähnen in ordentliche Bündel und verschnürt sie mit Gummibändern. Er zeigt eine silberne Strähne: “Das ist von einer alten Dame, das müssen wir schwarz färben.”

Die Nachfrage wächst so schnell, dass die Käufer oft wiederkommen, bevor das Haar nachgewachsen ist. Deshalb müssten sie in immer entlegeneren Gebieten auf Haarjagd gehen, berichtet Tam. “Manchmal reisen meine Kinder 200 bis 300 Kilometer am Tag, um ein paar Kilogramm Haare zu kaufen.”

1999 gründete Thu sein Unternehmen. Jeder Angestellte verdient nach seinen Worten umgerechnet 110 Euro im Monat, das Dreifache eines ortsüblichen Lohnes. In der ländlichen Region stehen inzwischen überall Steinhäuser. “Wegen der riesigen Gewinne haben viele Bauern diese Arbeit aufgenommen und ihr Leben hat sich deutlich verbessert”, sagt Binh Ans Ortsvorsteher Nguyen Van Kien.

Angesichts der steigenden Nachfrage nach Haar-Extensions und Perücken in Ländern wie Südkorea und Thailand denkt Thu über Expansion nach. Vietnam liegt günstig, um von diesem Trend zu profitieren, glaubt er. Eine Reihe von Konkurrenten hat er schon in der Gegend, aber das Geschäft brummt. “Es wird schwieriger, gutes Haar zu kaufen, aber wir können alles verkaufen, was wir bekommen.”

Doch je knapper das Angebot an üppigem Echthaar, umso skrupelloser werden die Methoden. In der Provinz Lang Son nahe der chinesischen Grenze attackierten nach staatlichen Medienberichten Haarjäger eine Schülerin und schnitten ihr gewaltsam die Haare ab. Anfang September machte die Geschichte der 15-jährigen Vo Nguyen Hoang Chi aus der zentralen Provinz Danang Schlagzeilen, die ihre Haare für umgerechnet 18 Euro verkauft hat, um ihre Schulgebühren zu begleichen. “Da meine Familie sehr arm ist, hatte ich keine andere Möglichkeit, als mein Haar zu opfern”, sagt sie. “Doch danach konnte ich nicht schlafen. Ich weinte, wenn ich mir mit den Händen über die kurzen Haare strich.”