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DIW: Trend zu immer größerer Ungleichheit scheint gestoppt

Berlin (afp) – Die gute Lage am Arbeitsmarkt hat die Ungleichheit der Einkommen in Deutschland einer Studie zufolge etwas schrumpfen lassen. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Donnerstag in Berlin mitteilte, waren die Einkommen im Jahr 2010 etwas weniger ungleich verteilt als noch fünf Jahre zuvor. Das Armutsrisiko sank demnach allerdings nur geringfügig.

„Der jahrelange Trend einer Erhöhung der Einkommensungleichheit scheint gestoppt“, erklärte der DIW-Experte Markus Grabka. Sein Kollege Jan Goebel führte dies vor allem auf die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt zurück.

Die jährlich verfügbaren Einkommen stiegen zwischen 2005 und 2010 in Westdeutschland um drei Prozent oder 600 Euro und in Ostdeutschland sogar um sieben Prozent oder 1100 Euro. Allerdings machten die Einkommen in Ostdeutschland im Schnitt weiterhin nur vier Fünftel des westdeutschen Einkommensniveaus aus. Das verfügbare Einkommen ist das Geld, das einem Haushalt nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben zur Verfügung steht.

Die jährlichen Markteinkommen, die sich aus dem Erwerbseinkommen und Einnahmen aus Kapital zusammensetzen, stiegen laut DIW in Westdeutschland von 2005 bis 2010 um knapp vier Prozent oder 1000 Euro. In den östlichen Bundesländern fiel der Anstieg mit 20 Prozent oder 2900 Euro sogar noch deutlicher aus.

Bei der Einkommensentwicklung von 2009 auf 2010 profitierten laut DIW besonders die unteren Einkommensgruppen. Während die mittleren und höheren verfügbaren Einkommen stagnierten, stiegen die verfügbaren Einkommen der weniger verdienenden 40 Prozent der Bevölkerung um überdurchschnittliche zwei Prozent. Der ärmere Teil der Bevölkerung habe von höheren Steigerungen der Tariflöhne profitiert, erklärte Grabka. Zugleich habe die Zahl der Menschen mit einem Erwerbseinkommen um 700.000 zugenommen, „während der reichere Teil der Bevölkerung Rückgänge bei den Einkommen aus Vermögen hinnehmen musste“.

Die Ungleichheit der Verteilung bei den verfügbaren Einkommen ging allerdings nur in den alten Bundesländern zurück. Hier ging der sogenannte Gini-Koeffizient, ein Standardmaß zur Messung von Einkommensungleichheit, um vier Prozent zurück. In Ostdeutschland stagnierte hingegen die Ungleichheit der verfügbaren Einkommen. Bei den Markteinkommen profitierten dagegen die ostdeutschen Länder stärker. Dort ging der Gini-Koeffizient um neun Prozent zurück, in Westdeutschland nur um drei Prozent.

Auf das Armutsrisiko wirken sich die Einkommenszuwächse und die rückläufige Ungleichheit allerdings nicht besonders aus. Nach einem historischen Höchststand der Armutsrisikoquote von 15 Prozent im Jahr 2009 infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise ging diese nur leicht auf 14 Prozent zurück.

Zudem beschränkte sich die leichte Verbesserung laut DIW auf Westdeutschland. „In Ostdeutschland lebt noch immer jede fünfte Person unterhalb der Armutsrisikoschwelle“, erklärte Grabka. Am stärksten betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene bis 24 Jahre, da sich der Start ins Berufsleben immer weiter hinauszögere. Außerdem müssten Berufseinsteiger immer öfter mit prekären Beschäftigungsverhältnissen wie Teilzeit oder Leiharbeit oder schlecht bezahlten Praktika vorlieb nehmen. Das Armutsrisiko steigt den Experten zufolge mit der Zahl der Kinder und sinkt mit einem Vollzeitjob.

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