Nachrichten

O2-Mutterkonzern erwägt Verkauf von Kundendaten an Werbeindustrie

Der hochverschuldete spanische Telekommunikationskonzern Telefónica, Mutterunternehmen von O2, prüft einen Verkauf der Bewegungsdaten von Handynutzern an die Werbeindustrie. Ob dies auch in Deutschland mit den Daten der O2-Kunden geschehen solle, sei aber noch unklar, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

München/Frankfurt (afp) – Der hochverschuldete spanische Telekommunikationskonzern Telefónica, Mutterunternehmen von O2, prüft einen Verkauf der Bewegungsdaten von Handynutzern an die Werbeindustrie. Ob dies auch in Deutschland mit den Daten der O2-Kunden geschehen solle, sei aber noch unklar, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland am Dienstag. O2 legte unterdessen den größten Börsenstart in Deutschland seit fünf Jahren hin.

Eine Schwestergesellschaft von Telefónica Deutschland erarbeite derzeit, wie sich allgemeine Nutzerdaten mit den Standortangaben verknüpfen ließen, sagte der Sprecher. Dieses Projekt befinde sich noch in der Planung. „Es ist noch kein Zeitpunkt geplant, ein solches Produkt in Deutschland einzuführen.“ Generell gelte immer, dass im Falle einer Umsetzung der Datenschutz „zu hundert Prozent“ eingehalten werde.

Der Hessische Rundfunk (HR) hatte berichtet, Händlern solle ein Datenpaket angeboten werden, das Angaben zu Alter und Geschlecht eines Handynutzers mit seinem Aufenthaltsort verknüpfe. Unternehmer könnten so herausfinden, wer ihre Geschäfte besuche, aus welcher Richtung die Besucher gekommen seien und wie lange sie sich dort aufhielten. O2 mit seinen derzeit mehr als 25 Millionen Kunden gehört seit 2005 zu Telefónica.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte dem HR, der Verkauf der Daten sei „nach dem derzeitigen Recht so nicht zulässig“. In jedem Fall sei die Einwilligung der Kunden in diese Pläne nötig, das aber könne er sich „kaum vorstellen“. Bewegungsdaten von Handynutzern seien „hochsensibel“ und müssten vertraulich bleiben, sagte Schaar.

Auch der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert zeigte sich alarmiert. Er sagte dem HR, er habe „große Bauchschmerzen“, dass Telekommunikationsunternehmen versuchen, hochsensible Standortdaten „in die Welt zu streuen“. Vermarktung und Werbung seien fragwürdige Zwecke, für die diese Daten nicht genutzt werden sollten.

Der O2-Mutterkonzern Telefónica sitzt auf einem riesigen Schuldenberg, der sich Ende Juni auf 58,3 Milliarden Euro belief. Am Dienstag brachte das Unternehmen 23,17 Prozent des O2-Kapitals an die Börse in Frankfurt am Main und nahm damit rund 1,5 Milliarden Euro ein.

Die O2-Aktie, die unter dem Namen Telefónica Deutschland Holding gehandelt wird, verzeichnete zum Börsenstart Kursgewinne. Bereits zu Handelsbeginn notierte sie bei 5,70 Euro. Noch vor der Mittagszeit kletterte der Wert auf 5,80 Euro. Der Erstausgabepreis hatte bei 5,60 Euro je Anteilsschein gelegen. Der Börsengang von O2 war der größte auf einem europäischen Aktienmarkt seit Jahresbeginn und der bedeutendste in Deutschland seit fünf Jahren.

Über den Autor

CSRjournalist

Achim Halfmann ist Geschäftsführer von CSR NEWS und lebt im Bergischen Land. Seine Themen liegen vorallem in den Bereichen Gesellschaft, Medien und Internationales.

Hinterlassen Sie einen Kommentar