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Stiftungen: Mit Impact Investments soziale Rendite erwirtschaften

In der jüngsten Studie des europäischen Dachverbands für nachhaltige Geldanlagen, EUROSIF, wurde erstmals auch das Impact Investment erfasst. Das steigende Interesse bescherte dem europäischen Markt ein Volumen von rund 8,75 Milliarden Euro. Dieser, in Deutschland noch neue Zweig der Geldanlage, ermöglicht Stiftungen mit ihrem Kapital direkten Einfluss auf gesellschaftliche Veränderung zu nehmen.

Brüssel (csr-news) > In der jüngsten Studie des europäischen Dachverbands für nachhaltige Geldanlagen, EUROSIF, wurde erstmals auch das Impact Investment erfasst. Das steigende Interesse bescherte dem europäischen Markt ein Volumen von rund 8,75 Milliarden Euro. Dieser, in Deutschland noch neue Zweig der Geldanlage, ermöglicht Stiftungen mit ihrem Kapital direkten Einfluss auf gesellschaftliche Veränderung zu nehmen.

In einer Vielzahl deutscher Stiftungen hat sich die Berücksichtigung von ESG-Kriterien bei der Geldanlage inzwischen durchgesetzt. Vor allem die institutionellen Investoren sind die Treiber im Markt der nachhaltigen Investments, wie die EUROSIF Studie belegt. Relativ neu ist der Ansatz, das Stiftungskapital direkt für „sinnvolle“ Investments zu verwenden und neben einer finanziellen auch eine soziale oder ökologische Rendite zu erwirtschaften. Der Finanzdienstleister JP Morgan erwartet für die nächsten zehn Jahre eine sprunghafte Ausweitung solcher Investments. Demnach könnte das weltweite Volumen auf über 400 Milliarden, bis einer Billionen Dollar anwachsen.

Für Stiftungen bedeutet dies, ihre Anlagestrategie an ihren inhaltlichen Zielen auszurichten und dafür nicht nur die jährlichen Zins- und Dividendenerträge zu verwenden. Dieser auch als Mission Investing bezeichnete Ansatz könnte den Wirkungsgrad der Stiftungsarbeit deutlich erhöhen. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat in einer jüngst vorgelegten Untersuchung eine Leistungssteigerung von 300 Prozent für den gesamten Stiftungssektor errechnet. Ausgehend von einem Gesamtvermögen deutscher Stiftungen von rund 100 Milliarden Euro könnten Stiftungen einen durchschnittlichen Ertrag von etwa drei Milliarden Euro für ihre Arbeit erwirtschaften. Würden dagegen nur 3 Prozent des Vermögens wirkungsorientiert angelegt, ständen den Stiftungen etwa 9 Milliarden Euro für ihre Zwecke zur Verfügung. Vor allem zeigt sich, diese Wirkungssteigerung kann auch von kleineren Stiftungen erreicht werden.  „In Zeiten einer negativen Realverzinsung müssen sich die Stiftungen neu orientieren. Wer Stiftungsvermögen, Erträge und Stiftungszweck als Einheit denkt, kann die Wirkung einer Stiftung um ein Vielfaches steigern. So kann eine Sozialstiftung für den Ausbau eines Pflegeheim ein Darlehen geben oder sich an der Gründung eines Sozialunternehmens beteiligen. Eine Bildungsstiftung könnte in Bildungsfonds investieren, aus denen Studenten verbilligte Studiendarlehen erhalten. Wir möchten mit der Studie zum notwendigen Paradigmenwechsel im deutschen Stiftungssektor beitragen„, sagt Dr. Hermann Falk, Stv. Generalsekretär im Bundesverband Deutscher Stiftungen. „Die Hebelwirkung liegt darin, dass die Stiftung ihr Kapital doppelt wirken lassen kann: Zum einen erzielt sie eine marktübliche Verzinsung und zum zweiten eine Gemeinwohlwirkung etwa in Form von zusätzlichen Pflegeplätzen oder Studiendarlehen“, ergänzt Melinda Weber, Autorin der Studie und Managing Partner der Impact in Motion GmbH.

In den USA hat sich Impact Investing inzwischen zum Trend entwickelt, mit eigens dafür entstehenden Standards, Ratings und inzwischen sogar einer eigenen Börse. Im Jahr2009 hat sich das Global Impact Investing Network (GIIN) gegründet, mit dem Ziel die Bedeutung und Effektivität von Impact Investings zu erhöhen. Der Markt professionalisiert sich und so hat auch der Global Compact kürzlich ein „Framework for Action“ für zweckgebundene Investitionen veröffentlicht. Deutsche Stiftungen, die sich dem Thema öffnen, müssen noch Pionierarbeit leisten, erst zögerlich beginnen einzelne Stiftungen mit ersten Investments.

Weitere Informationen und Links zum Thema.

EUROSIF-Studie 2012

Studie „Mission Investing im deutschen Stiftungssektor“ des Bundesverbands Deutscher Stiftungen

„From blueprint to scale“ Studie von Monitor Inclusive Markets

“Investing for Impact” Studie der Credit Suisse

“The Impact Investor”

“A framework for action: social enterprise & impact investing” des Global Compact

Social Stock Exchange

GIIN Global Impact Investing Network

Impact Assets 50  – Datenbank

GIIRS Global Impact Investing Rating System

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