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Zeitarbeitsfirmen rechnen mit “drastischem” Geschäftsrückgang

Berlin (afp) – Die Unternehmen der Zeitarbeitsbranche fürchten laut Umfrage einen drastischen Rückgang ihrer Geschäfte. Grund seien die “deutlichen Kostensteigerungen” wegen der Zuschläge für viele ihrer Beschäftigten ab November, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) in Berlin. Viele Leiharbeiter in der Metall- und Chemiebranche bekommen seit 1. November mehr Geld.

Mehr als vier von zehn Zeitarbeitsfirmen gehen von einer schlechteren Entwicklung ihrer Geschäfte aus, teilte der DIHK mit. Dies sei im Branchenvergleich ein “ausgesprochen hoher Wert”, der sich dem historischen Tief aus Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise zum Jahresbeginn 2009 nähere. Jedes dritte Unternehmen gehe von einem Rückgang seiner Beschäftigtenzahl aus.

Zwar seien auch die Verlangsamung der Weltwirtschaft und die Unsicherheit bei der Bewältigung der Schuldenkrise Ursachen für die verschlechterte Erwartung der Unternehmen. Hauptsächlich aber sorgten die Kostensteigerungen für die Leiharbeiter in den beiden großen Branchen Metall und Chemie für die Zukunftssorgen. “Immerhin” sei durch die Lohnzuschläge auch ein Imagegewinn für die Zeitarbeitsbranche “denkbar”.

Die Zeitarbeitsunternehmen hatten mit den zuständigen Gewerkschaften eine stufenweise Lohnangleichung von Leiharbeitern ab dem 1. November vereinbart. Das Grundgehalt eines Leiharbeiter wird demnach nach sechs Wochen Einsatz in einem Betrieb um zehn oder 15 Prozent angehoben – in der letzten von fünf Stufen erreicht der Zuschlag nach neun Monaten 35 bis 50 Prozent. Die Tarifpartner hätten sich unter politischem Druck und vor dem Hintergrund einer möglichen gesetzlichen Regelung zur Lohnangleichung geeinigt, heißt es im DIHK-Bericht.

Der Chef der Chemiegewerkschaft BCE, Michael Vassiliades, forderte nun noch mehr: Die Bundesregierung müsse die Arbeitgeber mit einem neuen Gesetz zu einer stichhalten Begründung verpflichten, warum sie Leiharbeiter und keine Regelbeschäftigten einstellen, sagte er der “Neuen Osnabrücker Zeitung” vom Donnerstag. Der Gesetzgeber müsse “endlich dem Missbrauch der Leiharbeit einen Riegel vorschieben”. Rund 850.000 Leiharbeiter gibt es derzeit laut DIHK in Deutschland.