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Bosch stellt Solargeschäft auf den Prüfstand

Stuttgart (afp) – Nach dem Rückzug von Siemens aus dem Solargeschäft stellt auch der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch die Fotovoltaik auf den Prüfstand. „Bis Ende des Jahres wird entschieden, wie es weitergeht“, sagte ein Bosch-Sprecher am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Dass Bosch sich wie Siemens komplett vom Solargeschäft verabschieden wird, gilt laut „Stuttgarter Zeitung“ (Freitagsausgabe) aber als unwahrscheinlich.

Die Geschäftsführung prüft dem Bericht zufolge derzeit drei Varianten. Eine davon sei die Suche nach einem industriellen Partner in Asien, der nach und nach Verantwortung und Kosten übernehmen könnte. Eine zweite Möglichkeit sei, dass Bosch sich von seinem Anspruch verabschiede, Komplettanbieter im Bereich Fotovoltaik zu sein. So könnten die Eigenfertigung heruntergefahren und Komponenten hinzugekauft werden. Derzeit würden alle Prozessschritte auf ihre Rentabilität überprüft.

Eine dritte Variante sei, der Solarsparte noch etwas mehr Zeit zu geben. Bei Bosch appellierte der Betriebsrat am Standort Arnstadt dem Bericht zufolge in einem Brief an die Geschäftsführung, die Entscheidung zeitlich aufzuschieben. Den Solarwerken fehlen derzeit die Aufträge. Sowohl im thüringischen Arnstadt als auch im brandenburgischen Prenzlau, wo Solarzellen und Module gefertigt werden, wurde Anfang Oktober Kurzarbeit eingeführt.

Die Betriebsräte der verschiedenen Standorte und die Geschäftsführung seien im Gespräch, bestätigte der Bosch-Sprecher. Die „Financial Times Deutschland“ hatte den Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach im Oktober mit den Worten zitiert: „Selbst ein langfristig orientiertes Unternehmen wie Bosch kann nicht auf Dauer ein Zukunftsgeschäft wie die Fotovoltaik subventionieren. Langfristig heißt nicht ewig.“

Siemens hatte in der vergangenen Woche angekündigt, sich unter anderem wegen des „starken Preisdrucks“ aus dem Solargeschäft zurückzuziehen. Die Erwartungen in diesen Geschäftsbereich hätten sich „nicht erfüllt“, es gebe deshalb bereits Gespräche mit Kaufinteressenten.

Die deutsche Solarbranche steht wegen der billigen Konkurrenz aus China erheblich unter Druck, mehrere Unternehmen wie Q-Cells, Sovello, First Solar und Solon mussten Insolvenz anmelden. Außerdem wird die staatliche Förderung von Solarstrom in Deutschland immer weiter zurückgefahren.

Die EU-Kommission leitete nach Beschwerden deutscher und anderer europäischer Solarhersteller über vermeintliches Preisdumping der Konkurrenz aus China eine Untersuchung ein. Das US-Handelsministerium verhängte im März Strafzölle auf chinesische Solarimporte.

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