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Japanische Regierungsberater von Atomindustrie bezahlt

Tokio (afp) – Mehrere Mitglieder eines Beratergremiums der japanischen Regierung, das neue Sicherheitsnormen für Atomanlagen festlegen soll, haben laut einem Agenturbericht in den vergangenen Jahren hohe Summen von der Atomindustrie bekommen. Vier von sechs Experten des Gremiums hätten in den vergangenen vier Jahren zwischen drei und 27 Millionen Yen (29.000 bis 260.000 Euro) eingestrichen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag unter Berufung auf die Atom-Regulierungsbehörde in Tokio. Die Behörde sieht nach eigenen Angaben aber keine Gefahr eines Interessenkonflikts der Fachleute.

Die Experten seien “gemäß der Verfahren ausgewählt worden und es dürfte kein Problem geben”, erklärte die Atom-Regulierungsbehörde laut Kyodo. Die Behörde forderte demnach die Fachleute auf, ihre Einkommen offenzulegen, habe aber keine Handhabung, Mitglieder des Gremiums ihres Amtes zu entheben.

Der Wissenschaftler Akira Yamaguchi, Professor an der Universität von Osaka, erhielt laut Kyodo mindestens 27,14 Millionen Yen an Forschungsstipendien und Spenden von Mitsubishi Heavy Industries und anderen Firmen. Akio Yamamoto von der Universität von Nagoya strich 10,1 Millionen Yen ein, unter anderem vom Konzern Japan Atomic Power. Yutaka Abe von der Universität Tsukuba bekam fünf Millionen Yen, vorwiegend von einem Labor von Tepco, dem Betreiber des havarierten Atomkraftwerkes Fukushima.

Tomoyuki Sugiyama, Wissenschaftler der japanischen Atomenergiebehörde, erhielt laut Kyodo drei Millionen Yen von Nuclear Fuel Industries, einem Hersteller von atomarem Brennstoff. Derzeit sind in Japan nur zwei von 50 Atomreaktoren am Netz. Die übrigen wurden nach dem Atomunfall in Fukushima infolge eines Erdbebens und Tsunamis am 11. März 2011 abgeschaltet.