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Zeitarbeit bringt eher auf lange Sicht feste Jobs

Gütersloh (afp) – Ein Zeitarbeitsjob nutzt Arbeitslosen einer Studie zufolge eher auf längere Sicht als Sprungbrett zu einem regulären Arbeitsplatz. Über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg betrachtet hätten unter früheren Leiharbeitern rund 44,6 Prozent einen Job außerhalb der Zeitarbeitsbranche gefunden, ergab eine am Montag veröffentlichte Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung. Nach einem Jahr liegt die Quote demnach bei 34,0 Prozent, nach sechs Monaten Zeitarbeit bei 22,6 Prozent.

Im Schnitt übernehmen Unternehmen nur rund sieben Prozent der Zeitarbeiter in eine feste Anstellung, wie die Bertelsmann-Stiftung berichtete. Damit bleibe der sogenannte Klebeeffekt deutlich hinter den “in der öffentlichen Debatte” geäußerten Erwartungen zurück, Firmen könnten 30 Prozent der Zeitarbeiter übernehmen.

In kleinen Firmen mit unter 50 Beschäftigen erfolge eine Übernahme mit elf Prozent deutlich häufiger als in größeren Betrieben, teilte die Stiftung mit. Besonders häufig sei eine Übernahme im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen, wo neun Prozent der Leiharbeiter übernommen würden. Zu den unternehmensnahen Dienstleistungen gehören etwa die Gebäudereinigung oder Sicherheitsdienste. Im Baugewerbe liege die Übernahmequote bei sieben Prozent.

Bei der Suche nach regulärer Arbeit aus der Arbeitslosigkeit heraus bringe Leiharbeit “kurzfristig keinen substanziellen Vorteil”, ergab die Bertelsmann-Studie. Leiharbeiter verharrten zunächst in der Zeitarbeitsbranche, während vergleichbare Arbeitslose “schneller wieder eine andere Beschäftigung auf dem regulären Arbeitsmarkt finden”. Zwar bringe Zeitarbeit Arbeitslosen allgemein bessere Beschäftigungschancen, jedoch “geschieht dies auch längerfristig vorrangig durch Tätigkeiten in der Zeitarbeitsbranche selbst” – und weniger stark durch reguläre Jobs.

Um den Sprungbrett-Effekt von Zeitarbeit zu verbessern, schlägt die Bertelsmann-Stiftung unter anderem schärfere Regelungen zur Entlohnung von Leiharbeitern vor. Sie solle “im Vergleich zu Stammbelegschaften schrittweise, aber rasch innerhalb von mehreren Beschäftigungsmonaten angehoben und die Entlohnungslücke geschlossen werden”. Zudem wären branchenweite Weiterbildungsangebote für Zeitarbeiter denkbar, während diese nicht an Unternehmen verliehen sind.

Die Untersuchung erstellte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.