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Desertec: USA und China interessiert

München (afp) – Das von europäischen und nordafrikanischen Ländern betriebene Wüstenstromprojekt Desertec weckt weltweit Interesse. Ein Sprecher der Planungsfirma Dii bestätigte am Montag, dass sowohl ein chinesisches Unternehmen als auch ein Unternehmen aus den USA Gesellschafter der Desertec Industrial Initiative (Dii) werden wollen. Siemens dagegen lässt seine Mitgliedschaft zum Jahresende auslaufen.

Dii-Sprecher Klaus Schmidtke zufolge führt die Desertec-Planungsfirma Gespräche über eine Beteiligung mit der State Grid Corporation of China (SGCC) und dem US-Solartechnikhersteller First Solar. Ob es zu einem Einstieg komme, stehe aber noch nicht fest. Die Entscheidung liege bei den Gesellschaftern, sagte Schmidtke. Anders als die SGCC ist First Solar bereits ein assoziierter Partner der Dii – hat also engere Verbindungen zu dem Unternehmensnetzwerk.

Nach Angaben der „Financial Times Deutschland“ ist der Vorstoß Chinas bei den Partnerunternehmen umstritten. Damit wachse die Wahrscheinlichkeit, dass künftige Großaufträge an Firmen außerhalb des Desertec-Gebietes in Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten gingen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Gesellschafterkreise.

Das Wüstenstrom-Projekt Desertec war Ende 2009 an den Start gegangen und gilt als das derzeit ehrgeizigste Infrastrukturprojekt der Welt mit notwendigen Investitionen in Höhe von rund 400 Milliarden Euro. Bis 2050 sollen in Nordafrika und im Nahen Osten große Solarkraftwerke und Windparks entstehen, um einen großen Teil des örtlichen und auch Teile des europäischen Stromverbrauchs zu decken.

Zu den Gesellschaftern der Planungsfirma, die im Vorfeld von möglichen Baumaßnahmen die Chancen für eine Realisierung auslotet, gehören zahlreiche Konzerne aus Deutschland, darunter auch die Münchner Rückversicherung, die Deutsche Bank, Eon und RWE. Siemens ist noch bis zum Jahresende Gesellschafter und lässt seine dreijährige Mitgliedschaft dann „regulär“ auslaufen, wie ein Unternehmenssprecher mitteilte.

Der Rückzug aus dem Desertec-Planungsstab steht demnach aber nicht im Zusammenhang mit der Trennung des Unternehmens von seiner Solarsparte. Siemens könne von Windparks über Stromautobahnen bis hin zur Steuerung solch komplexer Anlagen auch weiterhin ein Technologiepartner sein, erklärte der Sprecher.

Einen Bericht der „FTD“, wonach Siemens mit dem Ausstieg aus dem Solargeschäft weitere Belastungen von 250 Millionen Euro verbuchen müsse, wollte der Konzern vor der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag nicht kommentieren. Die „FTD“ berichtete unter Berufung auf Insiderschätzungen, dass die Solarsparte den Konzern seit 2009 rund 800 Millionen Euro gekostet habe. Siemens hatte seinen Ausstieg aus dem Solargeschäft vor zwei Wochen bekanntgegeben.