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Mehr Praktika und bessere Beratung für Schulabgänger ohne Lehrstelle

Für Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz soll die Übergangsphase in die Berufswelt verbessert werden. Jugendliche sollen frühzeitig und gezielt angesprochen und die vielfältigen Beratungsangebote besser aufeinander abgestimmt werden, wie die Partner des Ausbildungspaktes und die Bundesagentur für Arbeit vereinbarten.

Berlin (afp) – Für Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz soll die Übergangsphase in die Berufswelt verbessert werden. Jugendliche sollen frühzeitig und gezielt angesprochen und die vielfältigen Beratungsangebote besser aufeinander abgestimmt werden, wie die Partner des Ausbildungspaktes und die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Montag in Berlin vereinbarten. Betriebliche Praktika sollen dabei eine größere Rolle spielen als bisher.

“Wir müssen uns um die große Gruppe derer kümmern, die keinen direkten Weg in die Ausbildung finden”, sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz, Ties Rabe. In der Vergangenheit seien viele Berufsschulangebote “eher in Richtung Warteschleife” gegangen. Nötig sei ein “Haltungs- und Mentalitätswechsel”. Die Berufswelt erscheine vielen Jugendlichen, die mit 16 oder 17 Jahren die Schule verließen, als “Buch mit sieben Siegeln”. Sie bräuchten einen “besseren Überblick, damit sie nicht nur zehn von 300 Ausbildungsberufen kennen”.

Auch Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), forderte eine grundlegende Reform des Übergangssystems, um Schulabgänger für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Es könne nicht sein, dass noch immer fast 300.000 Jugendliche “in einer kaum zu durchdringenden Anzahl von bis zu 350 Angeboten von Bund, Ländern und Kommunen” zur Berufsvorbereitung untergebracht seien, sagte Becker dem “Handelsblatt”. Junge, ausbildungswillige Menschen gingen in dem System regelrecht verloren.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) betonte, ein Schwerpunkt des Ausbildungspaktes sei die “Beratung, Begleitung, Qualifizierung derer, die sich schwer tun”. So könnten durch eine “Potenzialanalyse” schon in der siebten Klasse die Fähigkeiten eines Schülers ermittelt werden. Praktika noch in der Schulzeit sowie die Hilfe individueller Berater könnten die Chancen junger Menschen beim Übergang in die Berufswelt verbessern. “Nur mehr Schule motiviert die Jugendlichen nicht”, sagte Schavan. Sie sei zuversichtlich, dass durch den Ausbildungspakt auch die Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss sinken werde.

“Jugendliche sollen sich trauen, sie sind sicher nicht schlechter als wir früher”, forderte Otto Kentzler, Präsident vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). “Bei manchen platzt der Knoten etwas später”, erinnerte er. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verwies auf eigene Qualifizierungsmaßnahmen vieler Betriebe.

Laut dem Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, werden inzwischen viele Jugendliche eingestellt, “die vor einiger Zeit noch als unvermittelbar galten”. Von diesen zeigten einige eine “sehr gute Entwicklung”, was auch auf das Engagement der Betriebe zurückzuführen sei. Zweiter Schwerpunkt des Ausbildungspaktes ist laut Schavan, mehr leistungsstarke Schüler für eine berufliche Ausbildung zu gewinnen, da viele Unternehmen in den kommenden Jahren Nachfolger benötigten.

Insgesamt sei die Lage auf dem Ausbildungsmarkt für viele junge Menschen in diesem Jahr gut, bilanzierten die Mitglieder des Ausbildungspaktes. Wegen der stabilen konjunkturellen Lage und auch zur Sicherung des Fachkräftebedarfs hätten die Betriebe ihr Ausbildungsangebot erneut leicht erhöht. Für schwächere Jugendliche gestalte sich der direkte Einstieg in die Ausbildung aber immer noch schwierig.