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Werhahn Stiftung: „Know-How-Input, der unserer Gesellschaft hilft“

Die Werhahn Stiftung will die Entwicklungschancen benachteiligter junger Menschen nachhaltig verbessern. In Neuss stellte deren Kuratorium heute die von der Wilh. Werhahn KG gegründete Stiftung und deren Projekte erstmals der Öffentlichkeit vor. Die vor zwei Jahren gegründete Stiftung fördert Projekte vorwiegend an Unternehmensstandorten, und das in der ganzen Welt.

Neuss (csr-news) – Die Werhahn Stiftung will die Entwicklungschancen benachteiligter junger Menschen nachhaltig verbessern. In Neuss stellte deren Kuratorium heute die von der Wilh. Werhahn KG gegründete Stiftung und deren Projekte erstmals der Öffentlichkeit vor. Mit der Stiftung habe das Unternehmen die Möglichkeit geschaffen, „dass unsere Gesellschafter sich aktiv einbringen können, was sie in der Firma so nicht können“, sagte der Vorstandssprecher der Wilh. Werhahn KG, Anton Werhahn. Es bestehe eine „gute Verzahnung“ zwischen Unternehmen, dessen Gesellschaftern und der Stiftung.

Die vor zwei Jahren gegründete Stiftung fördert Projekte vorwiegend an Unternehmensstandorten, und das in der ganzen Welt. Eines kommt körperlich und geistig behinderten jungen Menschen in der südindischen Stadt Pondicherry zugute. Dort lässt Zwilling, ein Unternehmen der Werhahn Gruppe, fertigen. Viele Inder sähen in der Behinderung eine Strafe Gottes, berichtet die Pädagogin Helene Reuther, Gesellschafterin des Unternehmens und Sprecherin der Stiftung. Behinderte werden häufig versteckt und bleiben chancenlos. Gemeinsam mit der Zwilling Foundation hat die Werhahn Gruppe ein Berufsbildungswerk aufgebaut, in dem solche jungen Frauen und Männer im Nähen und in der Metallverarbeitung ausgebildet werden.

Behinderte Menschen nicht verstecken

Während der Ausbildung erhalten sie bereits eine Vergütung von 30 US Dollar im Monat und einen Essenzuschlag. Nach dem Training bietet ihnen eine Beschäftigung für Zwilling berufliche Perspektiven. Die Wertschöpfung aus diesen Tätigkeiten sei nicht mit der anderer Kollegen vergleichbar, die Arbeit sei aber sinnvoll und wichtig, so Reuther. Gefertigt werden Etuis und Decken für das Zwilling-Sortiment – Produkte, die speziell auf die Möglichkeiten dieser Mitarbeiter ausgerichtet sind. Der Monatsverdienst von 50 US Dollar liegt unter dem Lohnniveau der anderen Arbeiter. Er bietet den sonst chancenlosen jungen Menschen aber einen wichtigen Beitrag zur Existenzsicherung.

Dass behinderte Menschen nun inmitten eines Unternehmens sichtbar werden, kann zu einer Einstellungsänderung in der Belegschaft und in der Region beitragen. „Das ist eine ganz langfristige Sache“, sagte der Stiftungsvorsitzende Wilhelm Straaten. Die Werhahn Stiftung will andere Firmen für eine Beteiligung an diesem und an weiteren Projekten gewinnen. Und ihre Vertreter können sich auch vorstellen, dass Unternehmensmitarbeiter an den jeweiligen Standorten den Erfolg der Projekte als Paten fördern. Von den Stiftungsaktivitäten berichtet das Unternehmen seiner Belegschaft regelmäßig: In jedem der dreimal jährlich erscheinenden Mitarbeitermagazine finde sich ein Beitrag dazu, so Anton Werhahn.

Viel zu tun fürs Kuratorium

Gegründet wurde die Stiftung im Dezember 2010 mit einem Kapitalstock von 1.050.000 Euro. Aus der Rendite lassen sich die Verwaltungskosten decken, berichtete Straaten. Stiftungen müssen ihr Kapital sicher anlegen, das schränkt ihre Chancen auf einen hohen Zinsgewinn ein. Dass jährlich 200.000 Euro an Fördermitteln zur Verfügung stehen, wird durch eine langfristige Finanzierungszusage der Werhahn Gruppe möglich. Zudem engagieren sich die Gesellschafter des Unternehmens – persönlich und finanziell.

Die Werhahn Stiftung wird als nicht-rechtsfähige Stiftung in Trägerschaft des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft geführt. Das senkt den Verwaltungsaufwand und erhöht die Flexibilität etwa bei Satzungsänderungen. Dennoch bleibt einiges zu tun für die neun Kuratoriumsmitglieder, von denen sechs durch die Werhahn-Gesellschafter bestimmt werden: bei der Auswahl der Projekte und der Vorbereitung von Kuratoriumssitzungen und Presseterminen etwa. Denn einen hauptamtlichen Geschäftsführer hat die operativ und fördernd tätige Stiftung nicht.

Das gesellschaftliche Engagement der Unternehmen gewinnt an Bedeutung, weil die „staatliche Unterstützungsmaschinerie an Grenzen gestoßen“ ist, wie es der Leiter des Deutschen Stiftungszentrums (DSZ), Erich Steinsdörfer, heute in Neuss formulierte. Wilhelm Straaten ist dabei wichtig: „Es ist nicht der Sinn einer Stiftung, das zu ersetzen, was der Staat leisten sollte.“ Ihr Beitrag könne jedoch in einem „Know-How-Input aus Unternehmen, der unserer Gesellschaft hilft“, bestehen.

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