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Handwerk sucht Azubis in EU-Krisenländern

Berlin (afp) – Angesichts tausender offener Lehrstellen in Deutschland setzt das Handwerk verstärkt auf Auszubildende aus europäischen Krisenländern. Mehr als jede zweite von 35 Handwerkskammern hat Initiativen gestartet, um ausländische Fachkräfte und Auszubildende anzuwerben, wie der Zentralverband des Handwerks (ZDH) am Montag erklärte. Nach Azubis gesucht wird laut Handwerkspräsident Otto Kentzler vor allem in Spanien und Portugal.

„Wir suchen nach Wegen, wie wir Jugendlichen aus Spanien und Portugal eine Ausbildung in Deutschland ermöglichen können“, sagte Kentzler der „Saarbrücker Zeitung“ vom Montag. In Portugal liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 35 Prozent, in Spanien sogar bei mehr als 54 Prozent. Auch in Polen und Tschechien würden einige Kammern für eine Ausbildung in Deutschland werben, sagte Kentzler. Die „Hürden“ lägen „vor allem in der Sprache und der Kultur“.

In Deutschland gibt es 53 Handwerkskammern. 35 von ihnen beteiligten sich kürzlich an einer Umfrage, deren Ergebnisse der ZDH am Montag veröffentlichte. Demnach sind 58 Prozent dieser Kammern mit Initiativen zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte und Auszubildender aktiv. Bundesweit sind bislang 14.000 Ausbildungsplätze unbesetzt – 10.000 davon in Westdeutschland, 4000 weitere im Osten.

Das Handwerk versucht auch, Migranten in die Betriebe zu integrieren. Der ZDH-Umfrage zufolge gehen 80 Prozent der befragten Kammern gezielt auf Menschen mit Migrationshintergrund zu, um sie für eine Ausbildung zu gewinnen. Mehr als jede zweite Kammer stelle ihnen Mentoren zur Seite oder biete Fördermaßnahmen an. Die Zahlen seien ein „eindrucksvoller Beleg“ für das Engagement des Handwerks im Bereich der Integration, sagte Kentzler der „Saarbrücker Zeitung“.

Die Ausbildung bleibe „das wichtigste Element zur Nachwuchssicherung“, sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke am Montag anlässlich der Herbstkonferenz der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammern in Kaiserslautern. Das Handwerk sei „Vorreiter in der Wirtschaft“, wenn es um die Integration von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund gehe.

Wie das Handwerk nach Azubis sucht die Bundesagentur für Arbeit in europäischen Krisenländern nach Fachkräften. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) als Unterbehörde der Bundesagentur hatte im Oktober erklärt, in Spanien bereits 87 neue Mitarbeiter – zumeist Ingenieure – für deutsche Unternehmen gewonnen zu haben. In Portugal und Griechenland werden demnach verstärkt Ärzte und Pflegekräfte gesucht.

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