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Spanische Banken verzichten in Härtefällen auf Zwangsräumungen

Angesichts der schweren sozialen Folgen der Finanzkrise verzichten Spaniens Banken für zwei Jahre auf Zwangsräumungen bei säumigen Schuldnern. Wie der Verband der spanischen Banken am Montag mitteilte, werden die Zwangsräumungen „in Fällen äußerster Not“ ausgesetzt. Auch der Sparkassenverband setzte die Maßnahmen vorerst aus, nachdem Selbstmorde vor anstehenden Zwangsräumungen Proteste in Spanien ausgelöst hatten.

Madrid (afp) – Angesichts der schweren sozialen Folgen der Finanzkrise verzichten Spaniens Banken für zwei Jahre auf Zwangsräumungen bei säumigen Schuldnern. Wie der Verband der spanischen Banken am Montag mitteilte, werden die Zwangsräumungen „in Fällen äußerster Not“ ausgesetzt. Auch der Sparkassenverband setzte die Maßnahmen vorerst aus, nachdem Selbstmorde vor anstehenden Zwangsräumungen Proteste in Spanien ausgelöst hatten.

Alle Mitglieder des Bankenverbandes seien „aus humanitären Gründen und im Rahmen ihrer Politik der sozialen Verantwortung die Verpflichtung eingegangen, die Zwangsräumungen in den kommenden beiden Jahren in Fällen extremer Not auf Eis zu legen“, erklärte der Verband AEB. Auch der spanische Sparkassenverband CECA beschloss eine ähnliche Initiative. Bis eine neue Regelung gefunden worden sei, würden Räumungen der „Verletzlichsten“ ausgesetzt, erklärte der Verband.

Den Entscheidungen vorausgegangen waren zwei Selbstmorde vor geplanten Zwangsräumungen innerhalb von zwei Wochen. Am vergangenen Freitag war eine frühere sozialistische Politikerin aus dem Fenster ihrer Wohnung in der baskischen Ortschaft Barakaldo in den Tod gesprungen, als laut Polizei die Gerichtsvollzieher sie zur Räumung zwingen wollten. Zwei Wochen zuvor hatte sich ein Mann in der südlichen Stadt Granada vor einer Zwangsräumung erhängt.

Am Montag versammelten sich erneut dutzende Demonstranten vor der Zentrale der regierenden Konservativen in Madrid, um auf die Folgen von Zwangsräumungen aufmerksam zu machen. „Nein zum Immobilien-Terror“, „Stoppt die Zwangsräumungen“ stand auf ihren Plakaten. Die Regierung wollte der sozialistischen Opposition noch im Tagesverlauf Vorschläge zur Problematik unterbreiten, die zum Beispiel ein Moratorium beinhalten könnten.

Spanien ist von der internationalen Schuldenkrise und dem Platzen der Immobilienblase von 2008 schwer getroffen. Fast jeder vierte Spanier ist arbeitslos, bei den unter 25-Jährigen liegt die Quote sogar über 50 Prozent. Seit 2008 kam es zu 350.000 Zwangsräumungen bei überschuldeten Eigentümern.

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