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Nürnberg: Nachhaltigkeitstraditionen und neue Herausforderungen für KMU

Die Themen Energie, Beschäftigung, Gemeinwesen und Familienfreundlichkeit stehen im Mittelpunkt des Projektes „Nürnberger Unternehmen in sozialer Verantwortung“. „Wir wollen kleine und mittlere Unternehmen für die Thematik CSR sensibilisieren“, sagt Projektleiter Thorsten Bach vom Sozialreferat der Stadt Nürnberg. Der Begriff Corporate Social Responsibility sei dort unbekannt oder werde missverstanden.

Nürnberg (csr-news) – Die Themen Energie, Beschäftigung, Gemeinwesen und Familienfreundlichkeit stehen im Mittelpunkt des Projektes „Nürnberger Unternehmen in sozialer Verantwortung“. „Wir wollen kleine und mittlere Unternehmen für die Thematik CSR sensibilisieren“, sagt Projektleiter Thorsten Bach vom Sozialreferat der Stadt Nürnberg. Der Begriff Corporate Social Responsibility sei dort unbekannt oder werde missverstanden. Mit dem von Bundesregierung und Europäischem Sozialfond (ESF) geförderten dreijährigen Programm steht die Stadt Nürnberg in einer lokalen Tradition nachhaltigen Engagements.

Im Rahmen des Lokale-Agenda-21-Prozesses, eines Handlungsprogramms für die nachhaltige Entwicklung von Gemeinden und Kommunen, entstanden in Nürnberg 1997 Runde Tische zu Nachhaltigkeitsthemen: Bürger, Unternehmen, Politik und Verwaltung arbeiteten dort gemeinsam an der Zukunft der Region. Nürnberg fasste früh seine bedeutendsten Wirtschaftsbranchen in Clustern zusammen: Medizin- und Verkehrstechnik sowie Energie. So überrascht es nicht, dass dort Energieeffizienz als Nachhaltigkeitsthema hoch gewichtet wird und sich dazu inzwischen ein eingetragener Verein gegründet hat: die „Energieregion Nürnberg“.

Nachhaltigkeitsengagement mit Tradition

Seit 12 Jahren gibt es in der „Hauptstadt der Franken“ zudem das von der Stadt initiierte Bündnis Familie, in dem die Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt eine besondere Rolle spielt. Daraus ging ein Beratungsangebot für betrieblich unterstützte Kinderbetreuung hervor.

Und ebenso gewann das Corporate Volunteering, mit dem Unternehmen das gesellschaftliche Engagement ihrer Mitarbeiter fördern, bereits in den 90ger Jahren in Nürnberg an Bedeutung. Treiber waren hier große Unternehmen wie AEG, Siemens, Novartis und Leoni. Auch das gesellschaftliche Unternehmensengagement hat mit dem 2011 gegründeten „Unternehmen Ehrensache“ inzwischen eine feste Form gefunden.

Bedürftige Mini-Jobber

Drei der vier Bereiche des Projektes „Nürnberger Unternehmen in sozialer Verantwortung“ besitzen also eine lokale Tradition, die nun in die kleineren Unternehmen hineingetragen werden soll. Anders ist das bei der Beschäftigung. Über die CSR „wollen wir versuchen, eine Brücke zur Fachkräftethematik zu schaffen“, sagt Manfred Klier vom Nürnberger Sozialreferat. Der Hintergrund: Im Juni 2011 gab es in Nürnberg 3.600 Mini-Jobber, die auf den zusätzlichen Bezug von Sozialleistungen (Arbeitslosengeld II) angewiesen waren. Viele davon sind im Handel oder in Reinigungsunternehmen beschäftigt. Dies belastet den städtischen Haushalt und den Mini-Jobbern droht neben ihrer derzeitigen finanziellen Bedürftigkeit in der Zukunft die Altersarmut.

Thorsten Bach hat beobachtet: Die Bereitschaft der Mini-Jobber zur Weiterqualifizierung und zum Wechsel in eine Vollzeitbeschäftigung ist oft vorhanden, jedoch scheitert ein Wechsel häufig an den Arbeitgebern. Im Rahmen des ESF-Programms und mit Unterstützung des Nürnberger Jobcenters sollen die Unternehmen erfahren, wie sie durch Umwandlung der 400-Euro-Jobs in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze kompetente Mitarbeiter binden können.

Der Weg zum „Nürnberger Siegel“

Zur Auftaktveranstaltung von „Nürnberger Unternehmen in sozialer Verantwortung“ lud die Stadt 2.000 kleine und mittlere Unternehmen ein, 110 Teilnehmer – darunter 60 Unternehmer – waren dann im Oktober mit dabei. In Grundlagen-Workshops mit jeweils fünf oder sechs Unternehmen sollen ein strategischer Überblick zur CSR und Handlungspläne erarbeitet werden; der erste Workshop startet im Dezember. KMU engagieren sich zwar zu einzelnen Nachhaltigkeitsthemen, es fehlt aber eine Integration dieses Engagements in die Managementprozesse, sagt Anne-Kathrin Kirchhof von der Nürnberger Agentur Swell, die an dem Projekt mitarbeitet. Der Erfolg bei der Umsetzung hängt auch daran, dass sich „Entscheider mit entsprechendem Rückgrat“ finden, so Kirchhof weiter. Wer an den Beratungen teilnimmt und dort entwickelte Maßnahmen umsetzt, dessen Unternehmen winkt eine Auszeichnung mit dem „Nürnberger Siegel“.

„Nachhaltigkeit kann kein Mensch mehr hören“

Zu den Interessenten an dem Programm gehört Christian Jacobson, Geschäftsführer der Nürnberger Systemhandel Vertriebsgesellschaft für Food und Nonfood. Nachhaltigkeit bezeichnet er als einen „Begriff, den keiner mehr hören kann“. In seiner Firma setzt Jacobson dennoch auf deren konsequente Umsetzung: In einem Unternehmensbereich bietet er Hygienepapier an, das nach dem FSC-Standard zertifiziert ist. Zudem hat er ein zweites Standbein mit dem Vertrieb energieeffizienter LED-Leuchtmittel entwickelt. Beim Thema CSR hat Jacobson besonders seine Mitarbeiter im Blick: die Auszubildende mit Legasthenie, durch das Arbeitsamt vermittelte Praktikanten aus Randgruppen der Gesellschaft und den Mitarbeiter, dem er aufgrund seiner familiären Herausforderungen die Arbeit im Home-Office ermöglicht. Dass am Ende seiner Teilnahme an dem CSR-Programm der Stadt ein „Nürnberger Siegel“ steht, ist Jacobson wichtig.

„Ich will die Leute lachen sehen“

Auch Thomas Dillig, Inhaber des 2009 gegründeten internationalen Vertriebs für Umwelt- und Energiefirmen eco2business, ist die Mitarbeiterorientierung wichtig. „Ich will morgens gerne ins Büro gehen und die Leute lachen sehen“, sagt Dillig. Einer seiner Mitarbeiter erlitt eine hochgradige Behinderung. Mit Hilfe des Integrationsamtes konnte Dillig für ihn einen Heimarbeitsplatz einrichten und so seine Weiterbeschäftigung ermöglichen. Sein Wunsch ist es nun, die eigenen Erfahrungen bei der Unternehmensgründung und aus Auslandsaufenthalten in China und den USA mit anderen Gründern zu teilen und so der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Auf das Thema CSR ist Dillig in seinen Magazinen gestoßen und von den Workshops des Projektes „Nürnberger Unternehmen in sozialer Verantwortung“ erwartet er dazu viele weitere Informationen.

Das Nürnberger CSR-Projekt im Internet:
csr.nuernberg.de

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