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Greenpeace kritisiert giftige Garne der Modemarken

Egal ob Zara oder Armani: Internationale Modehäuser setzen bei der Herstellung von T-Shirts, Kleidern und Unterwäsche massenhaft giftige Chemikalien ein, die an den Produktionsstandorten, aber auch in Deutschland ins Trinkwasser gelangen, so eine Untersuchung der Umweltorganisation Greenpeace. Modelabel haben sich in der Initiative Zero Discharge of Hazardous Chemicals (ZDHC) zusammengeschlossen, um schädliche Textilien aus der Herstellungskette der Bekleidung zu verbannen.

Hamburg (afp / csr-news) – Egal ob Zara oder Armani: Internationale Modehäuser setzen bei der Herstellung von T-Shirts, Kleidern und Unterwäsche massenhaft giftige Chemikalien ein, die an den Produktionsstandorten, aber auch in Deutschland ins Trinkwasser gelangen, so eine am Dienstag veröffentlichte Untersuchung der Umweltorganisation Greenpeace. Sie forderte die Modefirmen auf, die gefährlichen Stoffe aus der Produktion zu verbannen. Mit der Kampagne „Detox“ macht Greenpeace bereits seit einem Jahr auf die Gefahr aufmerksam. Modelabel haben sich in der Initiative Zero Discharge of Hazardous Chemicals (ZDHC) zusammengeschlossen, um schädliche Textilien aus der Herstellungskette der Bekleidung zu verbannen.

In der Kleidung aller 20 untersuchten Modemarken fand Greenpeace im Labor Nonylphenolethoxylate (NPE). Die in der EU schon seit Jahren weitgehend verbotene Chemikalie wird zu giftigem Nonylphenol abgebaut, das sich im Gewebe anreichert und das Hormonsystem stören kann. Einige Kleidungsstücke mit Aufdrucken enthielten laut Greenpeace auch fortpflanzungsschädigende Phtalate in hoher Konzentration; gefunden wurden auch krebserregende Amine, wie sie bei der Verwendung bestimmter Farbstoffe entstehen.

Greenpeace untersuchte 141 Kleidungsstücke, gekauft in 29 Ländern, bei internationalen Modemarken wie Armani, Benetton, C&A, Calvin Klein, Diesel, Esprit, Gap, H&M, Tommy Hilfiger, Vero Moda und Zara. Hergestellt wurden die Textilien in 18 Ländern, vor allem auf der südlichen Erdhalbkugel.

“Modemarken missbrauchen weltweit Flüsse als private Abwasserkanäle und verschmutzen so das Trinkwasser von Millionen Menschen”, erklärte die Chemie-Expertin von Greenpeace, Christiane Huxdorff. “Von der Produktion bis zur Entsorgung schaden gefährliche Textilchemikalien Umwelt und Gesundheit.” Auch wenn Kleidungsstücke in China, Mexiko oder Pakistan produziert worden seien, “sind die eingesetzten Schadstoffe in unserem Blut nachweisbar”.

Greenpeace-Untersuchungen hatten bereits im vergangenen Jahr gezeigt, dass Textilchemikalien durch Fabrikabwässer im Herstellungsland und durch die Haushaltswäsche im Absatzland freigesetzt werden. Neun Modefirmen, darunter Puma, Nike, Adidas, H&M und C&A, haben sich in der Initiative Zero Discharge of Hazardous Chemicals (ZDHC) zusammengeschlossen, um die Umstellung auf eine giftfreie Produktion bis 2020 gemeinsam voranzubringen. Auf der Website www.roadmaptozero.com berichten sie über die Fortschritte dieser Initiative.

Auch in einer anderen Handelsinitiative spielt das Thema Chemikalieneinsatz eine Rolle: in der 2009 gegründeten „Sustainable Apparel Coalition“ (SAC) mit über 80 angeschlossenen Unternehmen, wissenschaftlichen Institutionen und einzelnen Umweltinitiativen.

Dem Beispiel der „Initiative Zero“ müssten alle Modehäuser folgen, forderte Greenpeace. “Wenn sie jetzt anfangen umzustellen, können sie das Ziel bis 2020 komplett erreichen”, sagte Greenpeace-Experte Manfred Santen der Nachrichtenagentur AFP. Die Ersatzstoffe für die giftigen Chemikalien seien längst auf dem Markt, die Umstellung bedeute auf das einzelne Kleidungsstück gerechnet eine Verteuerung “um ein paar Cent”. Mehrere Jahre Zeit bräuchten die internationalen Modehäuser aber, weil der Zuliefermarkt so unübersichtlich sei. Sie müssten “tausende Zulieferer dazu bringen umzustellen”.

An die Verbraucher appellierte Greenpeace, beim Kauf auf giftfreie Kleidung zu achten und auch die Modefirmen aufzufordern, Umwelt und Textilien zu entgiften. Zudem solle jeder überlegen, ob er ein bestimmtes Kleidungsstück wirklich brauche: 2011 kauften die deutsche Verbraucher der Umweltschutzorganisation zufolge knapp sechs Milliarden Kleidungsstücke, im Schnitt 70 Teile pro Kopf. Eine Million Tonnen Kleidung landen hierzulande jährlich auf dem Müll.

Fast Fashion – schnelllebiger Massenware, die nicht lange getragen und dann weggeworfen wird – trage dazu bei, dass Lieferanten zu knappen Lieferterminen gedrängt würden, erklärte Greenpeace. Dies fördere Lohnkürzungen und ökologisch unverantwortliche Herstellungspraktiken.

Als Reaktion auf den Greenpeace-Bericht kündigte C&A Mexiko an, ein speziell für den mexikanischen Markt produziertes T-Shirt aus dem Verkauf zu nehmen, bei dem die Labortests einen hohen NPE-Gehalt nachgewiesen hatten.

Der Greenpeace-Bericht >> zum Download (PDF) im Internet