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UN-Behörde: Treibhausgase erreichen 2011 neuen Rekord

Genf (afp) – Die wichtigsten, für die Erderwärmung verantwortlichen Treibhausgase haben laut einem UN-Bericht im vergangenen Jahr neue Rekordhöhen erreicht. Die jüngsten Auswertungen zeigten, dass die weltweite Konzentration an Kohlenstoffdioxid, Methan und Distickstoffmonoxid 2011 Rekordausschläge verzeichnet habe, erklärte die UN-Organisation für Meteorologie (WMO) am Dienstag in ihrem Jahresbericht zu Treibhausgasen.

„Selbst wenn wir von heute auf morgen jegliche Emissionen stoppen könnten, hätte die derzeitige Konzentration noch mehrere Jahrhunderte lang Auswirkungen“, erklärte WMO-Generaldirektor Michel Jarraud in Genf. Die Konzentration an Kohlenstoffdioxid (CO2) erreichte 2011 dem Bericht zufolge 390,9 ppm (parts per million, Teile von einer Million), damit war sie 2,0 ppm höher als 2010. Seit Beginn der vorindustriellen Zeit 1750 stiegen laut WMO rund 375 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid in die Erdatmosphäre.

CO2 wird zu 85 Prozent für die in den vergangenen zehn Jahren gemessene Erderwärmung verantwortlich gemacht. Es wird vor allem durch fossile Brennstoffe freigesetzt. Bislang hätten Ozeane und Wälder etwa die Hälfte des Kohlenstoffdioxids absorbiert, erklärte Jarraud. Doch warnte er, dies drohe sich in der Zukunft zu ändern.

Die Methan-Konzentration stieg dem UN-Bericht zufolge im vergangenen Jahr auf 1813 ppb (parts per billion, Teile von einer Milliarde), das entspricht 259 Prozent des vorindustriellen Wertes. Methan hat seine Ursprünge unter anderem in der Viehzucht, der Reiskultur und der Verbrennung von Biomasse.

Distickstoffmonoxid erreichte ein Rekordniveau von 324,2 ppb und stieg damit um 1,0 ppb im Vergleich zu 2010. Binnen 100 Jahren werde der Einfluss des Gases auf das Klima fast 300 Mal größer als der von CO2 sein, warnte die WMO. Distickstoffmonoxid spielt eine wichtige Rolle bei der Zerstörung der Ozonschicht, die die Erde vor gefährlichen UV-Strahlen der Sonne schützt.

Erst am Montag hatte die Weltbank vor einer Erderwärmung um vier Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits in den 2060er Jahren gewarnt. Eine Begrenzung der allgemein als unvermeidlich angesehenen Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius gilt unter Regierungen, Forschern, Umweltschützern und anderen Experten als entscheidend, um die Auswirkungen des Klimawandels in einem halbwegs kontrollierbaren Rahmen zu halten. Das Zwei-Grad-Ziel dient auch als Bezugspunkt für die internationalen Klimaverhandlungen. Die nächste UN-Klimakonferenz beginnt am Montag in Doha in Katar.

Bis zum 7. Dezember wird bei der Konferenz erneut um ein Klimaschutzabkommen gerungen werden. Dieses Jahr läuft das Kyoto-Protokoll von 1997 aus – das einzige globale Klimaabkommen, das verbindliche Vorgaben für die Emission von Treibhausgasen macht. Auf dem UN-Klimagipfel im südafrikanischen Durban war vor rund einem Jahr ein Fahrplan für ein Nachfolgeabkommen beschlossen worden. Demnach soll bis zum Jahr 2015 ein neuer Vertrag ausgehandelt werden, der ab dem Jahr 2020 wirksam werden soll.

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