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Großer Teil der Arbeitnehmer hat Angst vor Altersarmut

Berlin (afp) – Ein großer Teil der Arbeitnehmer in Deutschland hat laut einer Studie Angst vor Altersarmut. 38 Prozent glauben, die gesetzliche Rente reiche nicht für das Leben im Ruhestand aus, wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Mittwoch in Berlin unter Berufung auf seinen Index “Gute Arbeit” mitteilte. Selbst unter den Beschäftigten mit 2000 bis 3000 Euro Monatseinkommen glaubten 34 Prozent, die Rente werde nicht reichen.

43 Prozent der Deutschen gehen laut Studie davon aus, dass die gesetzliche Rente gerade so ausreicht. Besonders unter den jungen Arbeitnehmern zwischen 26 und 35 Jahren sei die Angst groß. Dort glaube mehr als jeder Zweite (51 Prozent), dass die gesetzliche Rente nicht reiche. Bei den 36- bis 45-Jährigen seien es 44 Prozent. Bei den Arbeitnehmern über 56 Jahren teilten diese Befürchtung hingegen nur 23 Prozent.

Zwar befürchte ein Drittel der Arbeitnehmer mit über 2000 und bis 3000 Euro Einkommen, die gesetzliche Rente reiche im Alter nicht aus, teilte der DGB mit. Deutlich größer jedoch seien die Ängste bei denen, die noch weniger verdienten. Bei Arbeitnehmern mit über 1500 bis 2500 Euro Bruttoeinkommen glauben 45 Prozent, die Rente reiche nicht. In den Vergütungsstufen bis 800 Euro und über 800 Euro bis 1500 Euro seien es jeweils 54 Prozent.

Besonders große Furcht vor Altersarmut haben der DGB-Umfrage zufolge Beschäftigte im Handel. Dort reicht demnach nach Ansicht der Hälfte der Beschäftigten die gesetzliche Rente nicht. In der Gastronomie teilten diese Ansicht 48 Prozent, in den Bereichen Gesundheit und Soziales seien es 47 Prozent. Am sichersten fühlen sich den Angaben zufolge die Beschäftigten bei Behörden oder den Sozialversicherungsträgern. Dort glaubten nur 18 Prozent, sie hätten mit der gesetzlichen Rente nicht genug fürs Alter.

Nach Berufsgruppen betrachtet haben Reinigungs- und Entsorgungskräfte die größten Zweifel an der gesetzlichen Rente, wie der DGB mitteilte. Zwei Drittel glaubten, diese reiche im Alter nicht. Bei den Einzelhandelskaufleuten teilten 58 Prozent diese Einschätzung, bei den Beschäftigten in Lager und Versand seien es 52 Prozent. Der DGB ließ für die repräsentative Untersuchung knapp 4900 Beschäftigte befragen.

DGB-Bundesvorstandsmitglied Annelie Buntenbach erklärte, es sei ein “deutliches Alarmsignal”, dass zwei Fünftel der Beschäftigten davon ausgingen, dass ihr Altersgeld nicht reiche. Es gebe einen “Vertrauensverlust” in die gesetzliche Rente. Es sei “absehbar, dass künftig selbst Normalverdienende im Alter in Richtung Armut abrutschen”. Hauptgrund hierfür sei, dass das Rentenniveau bis 2030 auf 43 Prozent absinke.

Der Rentenexperte der Linkspartei, Matthias Birkwald, erklärte, die Studie zeige, dass die Angst der Menschen vor Altersarmut “sehr konkret” sei. Diese Furcht sei zudem “absolut begründet”. Die Politik müsse “diese Befürchtungen ernst nehmen und darauf reagieren, indem sie das System der Altersvorsorge gründlich reformiert”. Anlass zur Sorge böten “das sinkenden Rentenniveau, die floppende Riester-Rente und die unrentable Betriebsrente”. Die durch das sinkende Rentenniveau “mutwillig gerissene Altersvorsorgelücke” könne weder durch Riester-Rente noch durch Betriebsrente geschlossen werden.