Nachrichten

Outdoor-Unternehmen weiter im Blickpunkt

Erst vor wenigen Wochen geriet die Outdoor-Branche durch eine Greenpeace-Untersuchung in die Schlagzeilen. Umweltschädliche Chemikalien werden für die Produktion der wetterfesten Kleidung verwendet so der Vorwurf. Zusammen will die Branche an Alternativen arbeiten. Nun hat die „Kampagne für saubere Kleidung“ die Lieferkette der Outdoor-Produzenten untersucht.

Münster/Norden (csr-news) > Erst vor wenigen Wochen geriet die Outdoor-Branche durch eine Greenpeace-Untersuchung in die Schlagzeilen. Umweltschädliche Chemikalien werden für die Produktion der wetterfesten Kleidung verwendet so der Vorwurf. Zusammen will die Branche an Alternativen arbeiten. Nun hat die „Kampagne für saubere Kleidung“ die Lieferkette der Outdoor-Produzenten untersucht.

Insgesamt 25 Unternehmen, darunter namhafte Hersteller wie Vaude, Jack Wolfskin oder Fjällräven, wurden zu den Arbeitsbedingungen in ihrer globalen Zuliefererkette befragt. Im Zentrum der Befragung standen die Themen Transparenz, Verhaltenskodex, Kodexumsetzung sowie deren Überprüfung. Bei den 21 Unternehmen, die letztendlich Auskunft gaben, zeichnete sich gegenüber den Vorjahren eine positive Entwicklung ab. So haben die Bedeutung internationaler Arbeitsstandards und die Achtung der Menschenrechte sichtbar zugenommen. Vor allem haben sich einzelne Unternehmen hervorgetan und nicht nur ihre Bedingungen verbessert, sondern auch die Transparenz erhöht. Etwa ein Drittel der befragten Unternehmen hatte 2009 noch keinen Verhaltenskodex vorzuweisen und bei den meisten Unternehmen mangelte es schon auf dem Papier an einem Bezug auf die ILO-Kernarbeitsnormen und die Menschenrechte bei der Arbeit.  Inzwischen haben sich einige der Unternehmen zu weitreichenden Standards bei der Fertigung ihrer Produkte verpflichtet inklusive der Zahlung eines Mindestlohns. Dennoch bleibt genau dieser ein weiter bestehendes Problem. So kommt die Kampagne auch zu dem Fazit: Trotz einer positiven Entwicklung zeigen manche Unternehmen noch immer keine Bereitschaft, entsprechende Sozial- und Arbeitsstandards in der Lieferkette durchzusetzen. In ihrem Bericht hat Clean Clothes Campaign ausführliche Profile aller beteiligten Unternehmen veröffentlicht.

Auch an anderer Stelle hakt es. Wie die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ schon seit geraumer Zeit immer wieder thematisiert, werden die Daunenjacken zahlreicher Outdoor-Produzenten mit Daunen von Zucht- und Mastgänsen aus Stopfleberbetrieben gefüllt. In der Stopfmast leiden Millionen Gänse; mehrmals täglich werden sie mit Gewalt gestopft, bis die Leber völlig verfettet und bis auf das Zehnfache angeschwollen ist, teilt die Organisation anlässlich einer Protestkundgebung vor der North Face-Firmenzentrale, mit. Auch mit dem Schweizer Unternehmen Mammut sei man im Gespräch, konnte bislang aber noch keine Verbesserung feststellen.

Während dessen könnte eine Lösung für das Problem mit der Chemikalienbelastung von der Universität Leipzig kommen. Dort haben Forscher ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Kleidung wasserfest herstellen lässt, ohne dafür große Mengen Chemie einzusetzen. Wolfgang Zimmermann vom Leipziger Lehrstuhl für Mikrobiologie und Bioverfahrenstechnik sagt: „Man kann mit Hilfe von Enzymen Kunstfasern dieselben Eigenschaften verleihen wie mit den herkömmlichen chemischen Verfahren“. Für das Veredeln von Polyestergarnen würden bis zu einem Kilo Chemikalien pro Kilo Textil eingesetzt, sagte Zimmermann. Der Wasserverbrauch sei enorm, das Abwasser würde stark belastet. Insbesondere die perlfluorierten und polyfluorierten Chemikalien (PFC) sind nach Angaben von Greenpeace problematisch. Ihre Rückstände reichern sich in der Natur und gelangen in die Nahrungskette und ins Trinkwasser. Zwar machen die Hersteller darauf aufmerksam, dass ihre Kleidung nicht gesundheitsgefährdend ist, gleichwohl räumen sie die Probleme ein und wollen gemeinsam eine Lösung suchen. Dazu haben sie sich in einer Arbeitsgruppe „Outdoor“ im Bundesverband Deutscher Sportartikelindustrie zusammengeschlossen. Gleichzeitig verweisen die Hersteller auf ihre Produktion nach dem Bluesign-Standard. Dieser Umweltstandard regelt zwar eine umweltgerechte Herstellung der Textilien, räumt aber ausdrücklich die Verwendung von PFC ein und setzt stattdessen auf eine Art Risikokontrolle. Für Greenpeace greift der Verweis auf das Bluesign-Siegel zu kurz. „Bislang entscheidet Bluesign selber, welche Chemikalien für Anwohner und Konsumenten akzeptabel sind“. Möglicherweise kommen Veränderungen von anderer Seite. Das Umweltbundesamt ruft die Hersteller dazu auf, auf PFC zu verzichten und prüft derzeit diese Chemikalien auf die REACH-Liste besorgniserregender Stoffe zu setzen.