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Ökologie und Soziales sind nicht zu trennen: Fragen an memo-Gründer Jürgen Schmidt

Jürgen Schmidt ist Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der memo AG. Für seinen Einsatz für Nachhaltigkeit ist er bereits mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Im Gespräch mit CSR NEWS berichtet er dazu, wie Nachhaltigkeit in ein Unternehmen kommt.

Greußenheim (csr-news) – Jürgen Schmidt ist Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der memo AG, einem Versandhandel mit mehr als 10.000 ökologisch und sozial verträglichen Produkten im Sortiment. Für seinen Einsatz für Nachhaltigkeit ist er bereits mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt als „Trendsetter der Nachhaltigkeit“ 2011. Im Gespräch mit CSR NEWS berichtet er dazu, wie Nachhaltigkeit in ein Unternehmen kommt. Die Fragen stellte Achim Halfmann.

CSR NEWS: Herr Schmidt, was war der Auslöser für Sie, mit Ihrem Unternehmen ganz auf Nachhaltigkeit zu setzen?

Jürgen Schmidt: Bereits während meiner Schulzeit habe ich Schulartikel aus Umweltschutzpapier an meine Mitschüler verkauft. Später habe ich dann andere Schulen und Einzelhändler beliefert. Aus diesem ökologisch motivierten Handelsgewerbe heraus hat sich letztlich die memo AG entwickelt. Mit der Ausweitung des Sortimentes und einem weltweiten Einkauf wurde schnell klar, dass Ökologie und Soziales nicht zu trennen sind – und es versteht sich von selbst, dass die gleichen Prinzipien auch innerbetrieblich gelten müssen. Eine spürbare Auswirkung auf die Umwelt erzielen wir nur mit großen Stückzahlen, dafür müssen auch die ökonomischen Rahmendaten stimmen. So ist das ganzheitlich nachhaltige Konzept die logische Folge unserer Entwicklung.

Geht es bei der Entscheidung für eine nachhaltige Unternehmensführung um eine „Kosten-Nutzen-Abwägung“ oder ist eine solche Unternehmensführung eher „muss“?

Es geht manchmal eher um eine Abwägung zwischen kurzfristiger Ertragssteigerung und langfristigem Erfolg. Viele Investitionen in Ressourcenschonung und Energieeffizienz haben aber neben ökologischen und sozialen auch unmittelbare wirtschaftliche Vorteile. Bei vielen großen Unternehmen, insbesondere bei börsennotierten Konzernen fließt die Nachhaltigkeit – und damit die Zukunftsfähigkeit – des Geschäftsmodells mittlerweile auch in das Rating ein – damit ist sie sicherlich ein „Muss“.

Wo fängt ein Unternehmer an, der sein Geschäft nachhaltig ausrichten will?

Wir empfehlen, sich Unterstützung und Informationen in einem entsprechenden Netzwerk zu holen, beispielsweise einem nachhaltigen Unternehmensverband wie B.A.U.M. e.V. oder future e.V.. Hier stehen Experten mit Rat und Tat zur Seite, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um das Geschäftsmodell nachhaltig auszurichten.

Wie gewinnt eine Firma ihre Mitarbeiter dafür, das Thema Nachhaltigkeit im eigenen beruflichen Handeln ernst zu nehmen?

Wenn Nachhaltigkeit im Kerngeschäft des Unternehmens gelebt wird und die Geschäftsleitung als Vorbild vorangeht, ist es sehr viel leichter, die Mitarbeiter zu motivieren. Transparenz in der internen Kommunikation ist ein weiterer wichtiger Punkt: Ein integriertes Nachhaltigkeitsmanagement transportiert z.B. durch die internen Audits Informationen über den Stellenwert und die Vorteile nachhaltigen Handels in die Mitarbeiterschaft.

Sind Mittelständler nachhaltiger als Konzerne?

Viele Mittelständler arbeiten schon sehr nachhaltig, ohne dies als CSR nach außen zu kommunizieren. Ein Beispiel dafür ist die gelebte soziale Verantwortung vieler mittelständischer Unternehmer (und ihrer Vorfahren) gegenüber ihren Mitarbeitern und der Region. Auch bei Investitionsentscheidungen, die langfristig Energie und Ressourcen sparen, tun sich speziell die Familienbetriebe unter den Mittelständlern leichter als angestellte Konzern-Manager unter dem Erfolgsdruck der Quartalsberichterstattung. Andererseits haben Konzerne oft einen systematischeren Zugang zum Thema Nachhaltigkeit und verfügen über bessere Strukturen zur Erhebung von Daten und Verbesserungspotenzialen, sind aber meist träge in der Umsetzung.

Vielen Dank!

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