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Fabrikbrand in Bangladesch: Proteste und die Suche nach den Verantwortlichen

Der bislang folgenschwerste Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch hat am Montag wütende Proteste von Arbeitern in der Hauptstadt Dhaka ausgelöst. Tausende Menschen gingen auf die Straße, um gegen die Arbeitsbedingungen in dem Sektor zu protestieren. Fraglich ist, ob die Arbeitsschutzmaßnahmen der Produktionsstätte jemals überprüft wurden.

Dhaka (afp/csr-news) – Der bislang folgenschwerste Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch hat am Montag wütende Proteste von Arbeitern in der Hauptstadt Dhaka ausgelöst. Tausende Menschen gingen auf die Straße, um gegen die Arbeitsbedingungen in dem Sektor zu protestieren. Fraglich ist, ob die Arbeitsschutzmaßnahmen der Produktionsstätte jemals überprüft wurden. Bei einem Feuer in einer weiteren Textilfabrik kamen am Montag die Angestellten mit dem Schrecken davon. Die Feuerwehr brachte den Brand rechtzeitig unter Kontrolle.

Die Demonstranten strömten auf die Straßen, blockierten eine Autobahn und marschierten durch das Industriegebiet Ashulia, wo sich das Unglück ereignete. Aus Sorge vor einer Eskalation der Proteste blieben viele Fabriken in Ashulia, die für westliche Konzerne wie Wal-Mart, H&M und Tesco produzieren, nach Polizeiangaben geschlossen. Angestellte anderer Fabriken verließen für die Demonstration ihre Arbeitsplätze.

Am Samstagabend waren bei dem Brand in dem Werk der Firma Tazreen Fashion nördlich von Dhaka 110 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als tausend Arbeiter wurden in den oberen Stockwerken der neunstöckigen Fabrik von den Flammen eingeschlossen. Die meisten der Opfer starben an Rauchvergiftung, einige kamen beim Sprung aus den Fenstern ums Leben. Im Zusammenhang mit dem Brand leitete die Polizei Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein. Auch die Regierung startete eine Untersuchung. Der Inspekteur für Fabriken in Bangladesch, Habibul Islam, sagte, die 2009 errichtete neunstöckige Tazreen-Fabrik habe nur eine Baugenehmigung für drei Etagen gehabt.

Für Bangladesch sind Textilien das wichtigste Exportprodukt und machen 40% der industriellen Produktion aus. Nach China ist Bangladesch weltweit der zweitgrößte Textilexporteur. 3,5 Millionen Menschen – hauptsächlich junge Frauen – arbeiten in den rund 5.000 Textilfabriken des Landes. Im Jahr 2011 ging Bekleidung im Wert von 2,8 Milliarden Euro von dort allein nach Deutschland.

Zwischen 2006 und 2010 kamen dem Verein Femnet zufolge mindestens 471 Menschen in Bangladesch bei Fabrikbränden ums Leben. Femnet fordert die dort tätigen Unternehmen auf, ein Brandschutzabkommen gemeinsam mit den Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen in Bangladesch zu unterzeichnen. Tchibo sowie PHV, Eigentümer der Marken Tommy Hilfiger und Calvin Klein, seien diesem Abkommen bereits beigetreten. Die Bedingungen in Textilfabriken des asiatischen Billiglohnlandes werden seit Längerem kritisiert. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten brachten Sicherheitsvereinbarungen zwischen westlichen Modeketten und der örtlichen Textilindustrie bisher keine deutlichen Verbesserungen

In dem ausgebrannten Werk der Tuba-Gruppe in Tazreen wurden Textilien für die Handelskette C&A sowie für Ikea und Carrefour produziert. Im vergangenen Jahr vergab auch KiK Aufträge nach dort. Wie ein Sprecher von C&A gegenüber CSR NEWS mitteilte, befand sich die Zusammenarbeit zwischen Tazreen Fashion und C&A Brasilien in einer frühen Phase. Der erste Auftrag – 220.000 Sweatshirts – sollte zwischen Dezember 2012 und Februar 2013 ausgeliefert werden geplant. Deshalb seien die üblichen und vorgeschriebenen Überprüfungen durch die unabhängige Auditierungsgesellschaft SOCAM noch nicht durchgeführt worden. Sie hätten aber noch in diesem Jahr erfolgen sollen, so der C&A-Sprecher. Ein Arbeitsschwerpunkt der kommenden Tage werde sein, „den Betroffenen schnell und in angemessener Weise unsere Unterstützung zukommen zu lassen“.

Nach Angaben des DW-Radios wirbt der Inhaber der Unglücksfabrik, die Tuba Group, damit, dass sie von der US-amerikanischen Worldwide Responsible Accredited Production (WRAP)-Standard, einem Standard für Arbeitssicherheit, akkreditiert sei. WRAP bestreite aber, die Fabrik in Tazreen zertifiziert zu haben.

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