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Initiative für mehr Transparenz bei Hilfs- und Umweltorganisationen

Weihnachtszeit ist auch Spendenzeit, die wichtigsten Wochen der Hilfs- und Umweltschutzorganisationen für ihre Refinanzierung. Vor allem der Trend der letzten Jahre anstelle von Kundenpräsenten lieber zu spenden, macht Unternehmen zu begehrten Empfängern von Mailings der Organisationen. Wenn es ums Geld geht, arbeiten diese inzwischen höchst professionell, lassen sich dabei aber ungerne in die Karten schauen.

Berlin (csr-news) > Weihnachtszeit ist auch Spendenzeit, die wichtigsten Wochen der Hilfs- und Umweltschutzorganisationen für ihre Refinanzierung. Vor allem der Trend der letzten Jahre anstelle von Kundenpräsenten lieber zu spenden, macht Unternehmen zu begehrten Empfängern von Mailings der Organisationen. Wenn es ums Geld geht, arbeiten diese inzwischen höchst professionell, lassen sich dabei aber ungerne in die Karten schauen.

Transparenz fordern und Transparenz herstellen sind zwei Dinge, die womöglich gar nichts miteinander zu tun haben. Während NGOs von Unternehmen gerne die maximale Offenheit fordern, halten sie von derlei Ideen nicht viel, wenn es um die eigenen Tätigkeiten geht. Rund 200 Millionen Euro haben die vier großen Umweltverbände Greenpeace, WWF, Nabu und BUND im vergangenen Jahr eingenommen, hat die Berliner TAZ errechnet und in ihrer Wochenendausgabe veröffentlicht. Zwar müssen die Organisationen Rechenschaftsberichte vorlegen, in zentralen Fragen bleiben diese allerdings oftmals im Unklaren. Der richtige Umgang mit Unternehmensspenden und die Herstellung der notwendigen Transparenz sind deshalb beliebte Themen in den Verbänden, aber auch darüber hinaus. Manche Organisationen nehmen grundsätzlich keine Spenden von Unternehmen an um ihre Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel zu setzen – Greenpeace ist ein Beispiel dafür. Andere, wie die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“, unterziehen die Unternehmen einer Überprüfung um ethische Konflikte zu vermeiden (csr-news berichtete). Um Unternehmensspenden werben, machen jedoch die meisten Organisationen. Deshalb müssen die Organisationen sich einem Mindestmaß an Transparenz verpflichten, fordert eine Initiative von Transparency Deutschland, in der zahlreiche Akteure aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft zehn Punkte definiert haben, die jede zivilgesellschaftliche Organisation der Öffentlichkeit zugänglich machen sollte.

Zehn Punkte für mehr Transparenz

  1. Name, Sitz, Anschrift und Gründungsjahr
  2. Vollständige Satzung sowie Angaben zu den Zielen unserer Organisation
  3. Angaben zur Steuerbegünstigung
  4. Name und Funktion wesentlicher Entscheidungsträger
  5. Tätigkeitsbericht
  6. Personalstruktur
  7. Angaben zur Mittelherkunft
  8. Angaben zur Mittelverwendung
  9. Gesellschaftsrechtliche Verbundenheit mit Dritten
  10. Namen von juristischen Personen, deren jährliche Zahlungen mehr als 10 % des Gesamtjahresbudgets ausmachen.

Getragen wird die Initiative Transparente Zivilgesellschaft von einem Trägerkreis bestehend aus: Transparency Deutschland e. V., dem Bundesverband deutscher Stiftungen, dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen DZI, dem Deutschen Fundraising Verband, dem Deutschen Kulturrat, dem Deutschen Naturschutzring, dem Deutschen Spendenrat, dem Maecenata Institut für Philanthropie und Zivilgesellschaft und dem Verband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen Venro. Bislang sind 357 zivilgesellschaftliche Organisationen dem Aufruf gefolgt und haben ihre Angaben veröffentlicht.

Neben der Initiative Transparente Zivilgesellschaft versuchen auch andere Initiativen mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Eine Arbeitsgruppe des Verbandes Venro hat die wichtigsten unter die Lupe genommen und bewertet.

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vergibt ein Spenden-Siegel an geprüfte Organisationen, gibt aber auch Auskünfte über Organisationen, die kein Siegel tragen bzw. von deren Unterstützung abgeraten wird. Im November wurde der aktuelle Spenden-Bulletin veröffentlicht, in dem auf 28 Seiten alle Organisationen, die mit einem Spenden-Siegel ausgezeichnet wurden, aufgeführt sind.

Ein Angebot für zivilgesellschaftliche Organisationen bietet das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) an. Neben einem Online-Transparenz-Check wird ein Leitfaden zur Verbesserung der Berichtserstattung zum Download angeboten.