Nachrichten

Aids in Afrika: Nicht abwenden, sondern hinsehen und zuhören

Fast 17 Millionen Kinder haben einen oder beide Elternteile durch Aids verloren. 15 Millionen dieser Kinder leben in Sub-Sahara-Afrika, häufig auf der Straße, und sind Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt. „Die Krankheit hat eine höchst zerstörerische Auswirkung auf die junge Bevölkerung und führt zum Verlust ausgebildeter und befähigter Arbeitnehmer im besten Alter. Das hat ernsthafte Auswirkungen auf Wirtschaft und Entwicklung“, sagte der CEO von Novartis, Joseph Jimenez, in Basel auf einer Tagung der Novartis Stiftung.

Basel (csr-news) – Fast 17 Millionen Kinder haben einen oder beide Elternteile durch Aids verloren. 15 Millionen dieser Kinder leben in Sub-Sahara-Afrika, häufig auf der Straße, und sind Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt. „Die Krankheit hat eine höchst zerstörerische Auswirkung auf die junge Bevölkerung und führt zum Verlust ausgebildeter und befähigter Arbeitnehmer im besten Alter. Das hat ernsthafte Auswirkungen auf Wirtschaft und Entwicklung“, sagte der CEO von Novartis, Joseph Jimenez (Foto), am 4. Dezember in Basel auf einer Tagung der Novartis Stiftung.

HIV-Infektionen und Aids am Arbeitsplatz erhöhten die Kosten des Wirtschaftens durch krankheitsbedingte Abwesenheit sowie das Ausscheiden von Arbeitnehmern und die dadurch erforderliche Qualifizierung neuer Mitarbeiter. Zudem führe Aids zu einer verringerten Arbeitsmoral und Produktivität. Jimenez weiter: „Es ist aber nicht genug, nur für die eigenen Mitarbeiter zu sorgen. Wir wollen, dass von HIV/Aids betroffene Kinder in Würde aufwachsen“. Die Novartis Stiftung engagiert sich in Projekten für Aids-betroffene Kinder in Afrika.

Betroffene brauchen innovative Medikamente

Mehrere Konferenzsprecher wiesen auf die Verantwortung von Unternehmen, Aids-Betroffenen zu helfen. „In jeder Minute erleidet eine Frau eine HIV-Infektion“, sagte die stellvertretende UNAIDS-Direktorin Mariângela Simão. Die Betroffenen brauchten eine optimale Kombination der vorhandenen Behandlungsmaßnahme sowie zu unterschiedlichen Zeiten im Lebensverlauf unterschiedliche Behandlungen. Nur 28% der HIV-infizierten Kinder erhielten derzeit eine Medikation. Gegenüber CSR NEWS sagte Simão, der Zugang zu Medikamenten zu bezahlbaren Preisen sei ein wichtiger Aspekt unternehmerischer Verantwortung. Aufgrund der Entstehung von Resistenzen sei zudem die Entwicklung innovativer Produkte wichtig. Solche Medikamente würden armen Bevölkerungsgruppen weltweit aber erst fünf bis sieben Jahre nach deren Markteinführung in der westlichen Welt erreichen. Simão weiter: „Der Zugang sollte nicht vom Geburtsland, sondern von der Bedürftigkeit abhängen.“

Seelische Gesundheit von Kindern vernachlässigt

Die nigerianische Psychiatrie-Professorin Olayinka Omigbodun kritisierte gegenüber CSR NEWS, multinationale Unternehmen erzielten in Nigeria einen Umsatz von mehreren Milliarden US-Dollar, förderten das lokale Gesundheitssystem aber nicht. Die Mitarbeiter des Gesundheitswesens sollten verstärkt auf solche Unternehmen zugehen und sie über gesundheitliche Notlagen insbesondere von Kindern hinweisen. In ihrem Vortrag sagte die Psychiaterin, dass in vielen Ländern Sub-Sahara-Afrikas der psychischen Gesundheit von Kindern zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt werde. „Ein gesundes Kinder muss immer auch ein seelisch gesundes Kind sein“, so Omigbodun. Jedoch sei die Auffassung verbreitet, Kinder hätten keine seelischen Probleme. Dagegen stellte die Psychiaterin Untersuchungen, nach denen 23 Prozent der afrikanischen Kinder Suizidgedanken entwickelt und 12 Prozent bereits einen Suizidversuch unternommen haben.

Unternehmen können Jugendlichen helfen

Wie die Forscherin Lucie Cluver von der Universität Oxford sagte, erhöhe der Aids-bedingte Verlust der Eltern ebenso wie die Infektion von Kindern mit HIV das Risiko einer psychiatrischen Erkrankung dieser Kinder deutlich. Sie zeigten höhere Fehlzeiten in der Schule, kämen öfter hungrig zum Unterricht und wiesen häufiger Konzentrationsdefizite auf. Manche jungen Frauen suchten sich zudem einen sogenannten „Sugar Daddy“, der ihre Ausbildung finanziere, und setzten sich damit einem erhöhten Risiko sexuell übertragener Infektionen aus.

Gegenüber CSR NEWS sagte Cluver, Unternehmen hätten viele Möglichkeiten, auf die Situation betroffener Kinder und Jugendlicher Einfluss zu nehmen. Sie könnten Praktika und Ausbildungsplätze anbieten und den jungen Menschen damit Karrierechancen eröffnen. Bei ihren gesellschaftsbezogenen Aktivitäten achteten Unternehmen zudem stärker als NGOs auf deren Effektivität und Messbarkeit. Von den Universitäten forderten solche Unternehmen wissenschaftliche Informationen für einen effektiven Mitteleinsatz, akademische Institutionen benötigten ihrerseits eine finanzielle Unterstützung und die Expertise der Unternehmen.

REPSSI: effektive psychosoziale Hilfe in Afrika

Mit der Tagung „Eine Generation in Gefahr: psychosoziale Unterstützung für Kinder in Afrika“ stellte die Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung nach 17 Jahren erstmals ein Projekt anstelle von entwicklungspolitischen oder CSR-Themen in den Mittelpunkt, sagte deren Stiftungsratsvorsitzender, Prof. Klaus M. Leisinger. Niemand kenne die Zukunft und niemand könne alle Probleme lösen. Aber „was aber jeder von uns kann, ist sich nicht abzuwenden, hinzusehen und hinzuhören“, so Leisinger weiter.

Vorgestellt wurde die Regional Psychosocial Support Initiative for children affected by poverty, conflict, HIV and AIDS (REPSSI). Die 2002 gegründete und von der Novartis Stiftung geförderte Initiative kooperiert mit 158 Nichtregierungsorganisationen und bietet Kurse und Instrumente für die psychosoziale Unterstützung von verwaisten Kindern und Kindern aus anderen Konfliktsituationen in 13 Ländern Sub-Sahara-Afrikas an. In Kooperation mit 158 Nichtregierungsorganisationen hat REPSSI bisher fünf Millionen Kinder erreicht. Die Initiative befinde sich auf einer neuen strategischen Reise in Richtung Social Entrepreneurship, um auch finanziell nachhaltig arbeiten zu können, berichtete REPSSI-Geschäftsführerin Noreen Huni.

Die Videoaufzeichnung der Tagung auf der >> Website der Novartis Stiftung