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Korruptionsindex: Griechenland korruptester EU-Staat

Berlin (afp) – Griechenland ist nach einer Studie der am stärksten von Korruption durchsetzte Staat in der Europäischen Union (EU). Wie die Organisation Transparency International (TI) am Mittwoch erklärte, liegt das Krisenland unter 176 geprüften Staaten weltweit auf dem 94. Platz. Deutschland landete auf Rang 13, hätte aber bei einer Lösung des Streits um die Ahndung von Abgeordnetenbestechung besser abschneiden können.

Im diesjährigen Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International erhielt Griechenland nur 36 von 100 möglichen Punkten, wobei 100 für besonders niedrige Korruption im öffentlichen Sektor steht. Damit teilt es sich mit Ländern wie Kolumbien oder Indien den 94. Platz und ist das am schlechtesten bewertete EU-Land. Auch für Italien ist Korruption demnach ein deutliches Problem. Es kam mit 42 Punkten auf Platz 72 und war damit auf dem gleichen Stand wie Bosnien-Herzegowina.

“In den Ländern, wo die Krise am schärfsten ist, wie in Italien und Griechenland, ist Korruption im öffentlichen Sektor ein wichtiges Problem”, sagte der TI-Sprecher Cobus de Swardt. Die Platzierung Griechenlands, das gegenüber letztem Jahr 14 Punkte verlor, sei “gar nicht gut” und ein “Alarmsignal”. Für Transparency International sei der Kampf gegen die Korruption “ein Schlüssel, um Griechenland aus der Krise zu führen”.

In anderen Eurokrisenländern war Korruption ein geringeres Problem, wie die unter anderem auf Grundlage von Daten der Weltbank und des Weltwirtschaftsforums erstellte Studie ergab. Mit 65 Punkten belegt Spanien Platz 30, Portugal liegt mit 63 Punkten auf Rang 33. Frankreich als zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone erhielt 71 Punkte und fand sich damit auf Platz 22 wieder.

Deutschland bekam 79 Punkte und belegte Rang 13. Dies war ein Platz besser als im Vorjahr. TI zufolge liegt Deutschland damit bei vergleichbaren Ländern “weiter im Mittelfeld”. Eine bessere Bewertung hätten ausbleibende Reformen im Bereich des Straftatbestandes der Abgeordnetenbestechung und bei der Transparenz bei Nebeneinkünften verhindert. “Das Aussitzen wichtiger Reformen zur Korruptionsprävention durch die Mehrheit des Deutschen Bundestages muss ein Ende haben”, forderte die Vorsitzende von Transparency Deutschland, Edda Müller.

Den ersten Platz auf der Rangliste teilten sich mit jeweils 90 Punkten Dänemark, Finnland und Neuseeland, dicht gefolgt von Schweden, Singapur und der Schweiz. Zu der guten Bewertung trügen der gute Zugang zu Informationen und klare Regeln für öffentliche Amtsträger bei, hieß es in der Studie. Den letzten Platz belegten mit jeweils nur acht Punkten Afghanistan, Nordkorea und Somalia. Knapp darüber lagen der Sudan und Birma sowie der Irak, Venezuela und Haiti.

Auch nach dem Arabischen Frühling ist Korruption der Untersuchung zufolge in der Region weiter ein Problem. So erhielt Ägypten nur 32 Punkte und belegte damit den 118. Platz, Tunesien landete mit 41 Punkten auf Platz 75. Syrien, Jemen und Libyen schnitten mit 26, 23 und 21 Punkten ebenfalls schlecht ab.

Der Index insgesamt zeige, dass “Gesellschaften weiter einen hohen Preis für Korruption bezahlen”, sagte die TI-Vorsitzende Huguette Labelle. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) bezeichnete Korruption als “eines der größten Entwicklungshemmnisse”. Sein Ministerium habe sich verpflichtet, den Kampf gegen Korruption und Integrität als “essentielle Anliegen” deutscher Entwicklungshilfe zu fördern, erklärte Niebel.