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Biodiversitätsschutz beginnt auf dem Firmengelände: Global Nature Fund bietet Check

Den Erhalt der natürlichen Artenvielfalt können auch kleine und mittlere Unternehmen fördern – etwa durch eine naturnahe Gestaltung ihres Firmengeländes. Auch eine Dachbegrünung oder das seltenere Mähen von Rasenflächen könnten einen positiven Beitrag zur Biodiversität leisten, sagte Stefan Hörmann, Senior-Programmmanager des Global Nature Fund. Die Umweltstiftung bietet mit anderen Partnern einen „KMU-Nachhaltigkeitscheck für gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ an.

Bonn (csr-news) – Den Erhalt der natürlichen Artenvielfalt können auch kleine und mittlere Unternehmen fördern – etwa durch eine naturnahe Gestaltung ihres Firmengeländes. Auch eine Dachbegrünung oder das seltenere Mähen von Rasenflächen könnten einen positiven Beitrag zur Biodiversität leisten, sagte Stefan Hörmann, Senior-Programmmanager des Global Nature Fund (GNF), gegenüber CSR NEWS. Die Umweltstiftung bietet mit anderen Partnern einen „KMU-Nachhaltigkeitscheck für gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ an, der Biodiversität ebenso wie die Themen Ressourcenschonung und Energieeffizienz berücksichtigt. Öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die Business & Biodiversity Campaign haben ein Bewusstsein für den Schutz des Naturkapitals geschaffen. Jetzt geht es laut Hörmann darum, konkrete Maßnahmen und Handlungsmöglichkeiten bekannt zu machen.

Der GNF-Experten sieht in der Gestaltung des Firmengeländes einen guten Ausgangspunkt für die Übernahme von Naturschutzverantwortung. Mittelständler erfahren dabei: „Hier kann man was machen, das habe ich im Griff“, so Hörmann. Andere Bereiche der unternehmerischen Verantwortung sind schwieriger zu erkunden und zu beeinflussen, etwa der Biodiversitätsschutz in der Lieferkette – insbesondere beim Bezug nachwachsender Rohstoffe.

Hot-Spot-Analysen und Zertifikate

Als Orientierungshilfe weist der Global Nature Fund dazu in sogenannten „Hot-Spot-Übersichten“ Risikoregionen aus. Wenn Rohstoffe aus solchen Gebieten bezogen werden, sollte Lieferanten darauf angesprochen werden, ob im Zuge des Abbaus etwa Moore trockengelegt wurden. Hörmann: „Rohstoffabbau geschieht häufig in artenreichen Gebieten.“ Zertifikate und Label könnten helfen, Transparenz in die Lieferketten zu bringen. Dabei setzt der Global Nature Fund nicht auf die Schaffung eines eigenen Biodiversitätslabels. „Wir wollen das Thema Biodiversität in allen bestehenden Standards stärker verankern“, sagt Hörmann – in Programmen wie dem Forest Stewardship Council (FSC) oder dem Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) etwa. Bei letzterem sieht der GNF-Experte Optimierungsbedarf beim Schutz der Artenvielfalt.

Vorbildlicher Unternehmensverband

Wie ein Unternehmensverband das Thema Biodiversität wirkungsvoll für seine überwiegend mittelständischen Mitglieder bewegen kann, zeigt der Industrieverbands Steine und Erden Baden-Württemberg (ISTE). Der Verband will durch die Festlegung von Biodiversitätszielen und einen Maßnahmenkatalog für seine Mitgliedsunternehmen die Naturvielfalt in Abbaugebieten von Steinen und Erden schützen. Ein vorausschauendes Umwelt-Management soll nicht nur die Beeinträchtigung der Biodiversität ausgleichen, sondern zu einem Zugewinn an biologischer Vielfalt führen. Den Erfolg soll ein umfangreiches Monitoring mit gemeinsamen Indikatoren und einer Datenbank dokumentieren.

No-Go-Areas beachten

Ein solches Monitoring hält Hörmann für besonders wichtig. Denn auch große Bergbaukonzerne wie beispielsweise Rio Tinto nehmen für sich in Anspruch, der Biodiversität nicht zu schaden. Dies müsse aber mit belastbaren Fakten hinterlegt werden. Und „Neutralität“ könne – anders als beim CO2-Ausstoß – keinesfalls immer durch Kompensation erreicht werden. Hörmann: „Wir können nicht Arten mit Arten aufrechnen.“ Es gebe No-Go-Areas, in denen ein wirtschaftlicher Eingriff ausgeschlossen werden müsse. Wenn es etwa um Sondergenehmigungen industrielle Projekte in den Nature-2000-Gebieten gehe, einem EU-weiten Netz von Schutzzonen, lägen Unternehmen und Naturschutzorganisationen quer.

Rewe puscht Bodensee-Region

Auf ein Beispiel für die biodiversitätsschonende landwirtschaftliche Nutzung wies die Geschäftsführerin der Bodensee Stiftung, Marion Hammerl, gegenüber CSR NEWS hin. Am Bodensee haben sich 150 Intensiv-Obstbauern einer Initiative angeschlossen, die mit einem zehn Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog zum Schutz der Artenvielfalt beitragen will. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass so viele mitmachen“, sagte Hammerl. Ausschlaggebend war dabei wohl, dass sich die Handelskette Rewe als größter Einkäufer vor Ort hinter die Initiative stellt. Zu den Maßnahmen gehören Blühstreifen zwischen den Plantagen, die Schonung hochstämmiger Bäume oder ein mit den Lebensgewohnheiten der Bienen abgestimmter Pestizideinsatz. Denn gerade die Vielfalt der blütenbesuchenden Insekten, auf die solche Obstplantagen angewiesen sind, soll geschont werden. Die Obstbauern verpflichten sich zur Umsetzung von mindestens fünf der zehn benannten Maßnahmen, dafür werden sie mit dem Qualitätszeichen Baden-Württemberg „Gesicherte Qualität mit Herkunftsangabe“ ausgezeichnet. Rewe übernimmt die bei der Bodensee Stiftung und für das Monitoring anfallenden Projektkosten und brandet die bei diesen Bauern erworbenen Äpfel mit dem Pro-Planet-Label und dem Hinweis auf die Schonung der Artenvielfalt.

Wert der Natur in Zahlen

Beziffert wird die wirtschaftliche Bedeutung der Biodiversität in einem Bericht der Organisation „The Economics of Ecosystems and Biodiversity (TEEB)“. Dort wird beispielsweise der Wert der Blütenbestäubung durch Insekten mit 190 Milliarden US Dollar pro Jahr angegeben.

Mittelständler aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die in Sachen Biodiversität Verantwortung übernehmen wollen, können sich noch für den „KMU-Nachhaltigkeitscheck“ bewerben. Dieses Projekt wird vom Global Nature Fund in Zusammenarbeit mit dem Institut für angewandtes Stoffstrommanagement der Fachhochschule Trier und adelphi research durchgeführt und von der Bundesregierung mit Unterstützung des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert.

Der „KMU-Nachhaltigkeitscheck“ im Internet:
www.kmu-nachhaltigkeitscheck.de

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