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Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern auf Arbeitsmarkt wird größer

Frankfurt/Main (afp) – Die Kluft zwischen den Gewinnern und Verlierern des Arbeitsmarktes wird nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) immer größer: gesuchte Fachkräfte auf der einen, Langzeitarbeitslose und Jugendliche ohne Schulabschluss auf der anderen Seite. Die BA will sich nach einem am Montag bekannt gewordenen Strategiepapier darauf einstellen und steht ihrem Chef Frank-Jürgen Weise zufolge vor einem tiefgreifenden Umbau.

Die Eckpunkte für die Neuausrichtung sind in einem Positionspapier mit dem Titel „BA 2020“ festgehalten. Darin nennt die BA unter anderem den demografischen Wandel und den flexibler und internationaler werdenden Arbeitsmarkt als Gründe für die Neuausrichtung. Ein Programm mit konkreten Schritten will die BA Mitte Januar vorstellen, sagte ein Sprecher der Arbeitsagentur der Nachrichtenagentur AFP.

Das vorherrschende Problem ist laut BA künftig nicht mehr eine hohe Arbeitslosenzahl. Es werde vielmehr darum gehen, Arbeitskräfte und nicht besetzte Stellen zusammenzubringen. Qualifizierten Fachkräften gehe es dann nicht mehr nur um die Sicherung ihres Arbeitsplatzes, sondern eher um Aufstiegschancen beim Arbeitsplatzwechsel. Diesen „marktnahen Kunden“ will die BA ihre Vermittlungsangebote künftig möglichst digital unterbreiten und mit Blick auf jüngere Kunden auch soziale Netzwerke besser nutzen.

Dem Papier zufolge wird sich die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern auf dem Arbeitsmarkt weiter öffnen. Damit gering qualifizierte Arbeitnehmer nicht immer mehr den Anschluss verlieren, will die BA ihnen künftig mit konkreten Fördermöglichkeiten und einem weiterentwickelten Beratungsangebot helfen. Zudem solle die Jobbörse für diese Kunden ausgebaut werden.

Ein weiterer Schwerpunkt soll die intensive Betreuung von Jugendlichen werden. Die BA plädiert dabei für eine „Betreuung aus einer Hand“: Berufsorientierung, Berufsberatung und die Vermittlung von Ausbildungsstellen für Jugendliche könnten künftig die Arbeitsagenturen bundesweit einheitlich übernehmen.

Wenn es nicht gelingt, die Potenziale dieser Berufsanfänger zu entwickeln, fehlen laut BA noch mehr qualifizierte Fachkräfte. Zugleich verringerten sich die Teilhabechancen dieser jungen Menschen deutlich. Das gelte besonders für rund 150.000 Jugendliche, die bundesweit pro Jahr ohne Schulabschluss in den Arbeitsmarkt entlassen werden.

Dem Positionspapier zufolge wird bis 2020 die Zahl der erwerbsfähigen Menschen in Deutschland um 3,6 Millionen zurückgehen. Deshalb sollten künftig auch die „Potenziale“ von Frauen, Älteren, Behinderten und Migranten für den Arbeitsmarkt stärker genutzt und die Beratungsangebote der BA daraufhin ausgerichtet werden.

BA-Chef Weise wies in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ darauf hin, dass die Behörde die Mitarbeiterzahl weiter reduzieren werde. „Durch moderne Informationstechnologie brauchen wir weniger klassische Verwaltungsarbeit“, sagte er. Neue Pläne zum Stellenabbau gebe es derzeit aber nicht. Noch setzt die Behörde ein Programm zum Abbau von 17.000 Arbeitsplätzen um. Weise zufolge wurden bislang 8000 Stellen gestrichen. Bis Ende 2015 soll die Zahl der Beschäftigten unter 90.000 liegen.

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