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Protest gegen Schließung von französischem Akw Fessenheim

Fessenheim (afp) – Arbeiter des französischen Atomkraftwerks Fessenheim im Elsass haben am Freitag gegen die angekündigte Schließung des Meilers protestiert. Sie versperrten den Zugang zu der Anlage und verweigertem dem neuernannten Koordinator für die Stilllegung des Akw, Francis Rol-Tanguy, den Zutritt, wie Fernsehbilder zeigten. Rol-Tanguy präzisierte vor Journalisten die Pläne zur Stilllegung des Akw bis Ende 2016.

Rol-Tanguy sollte ursprünglich am Vormittag in dem direkt am Rhein und an der deutschen Grenze gelegene Akw die Belegschaft treffen und anschließend vor Ort eine Pressekonferenz geben. Doch vor dem Eingang des Meilers wurde “Monsieur Fessenheim”, wie der ehemalige hohe Beamte im Pariser Verkehrsministerium in französischen Medien genannt wird, von rund 200 aufgebrachten Beschäftigten empfangen. Sie bildeten eine Menschenkette und drängten den 59 Jahre alten Ingenieur auf die andere Straßenseite. Daraufhin wurde die Pressekonferenz in die 30 Kilometer entfernte Stadt Colmar verlegt.

Die Protestaktion sei am Morgen bei einer Betriebsversammlung beschlossen worden, sagte Gewerkschaftsprecher Jean-Luc Cardoso. Die Belegschaft wolle Rol-Tanguy zu verstehen gegeben, dass er in dem Akw unerwünscht sei. “Wir brauchen keinen Liquidator”.

Rol-Tanguy äußerte Verständnis für die Sorgen der Angestellten um ihre Arbeitsplätze. Er verstehe, dass Gewerkschaften und Beschäftigte gegen die Schließung der Anlage seien. Er werde nun “regelmäßig” ins Elsass kommen und dabei unter anderem mit Vertretern des Stromkonzerns EDF und der Region Elsass, mit Lokalpolitikern und Bürgerinitiativen zusammentreffen.

Staatschef François Hollande hat angekündigt, dass das besonders störanfällige Atomkraftwerk bis Ende 2016 geschlossen werden soll. Rol-Tanguy soll die Schließung – eine Premiere in Frankreich – vorbereiten und Möglichkeiten für eine Umstrukturierung des Standortes ausloten. Am Freitag kündigte er an, nach der Sommerpause 2013 werde ein Gesetz zur Stilllegung des Kraftwerks vorgelegt.

Das Atomkraftwerk beschäftigt derzeit an die 800 Angestellte des französischen Stromerzeugers EDF sowie rund 250 Leiharbeiter. Die angekündigte Schließung stößt bei den Gewerkschaften, aber auch bei Teilen der Bevölkerung in der kleinen Ortschaft auf Widerstand. Auch der Betreiber EDF wehrt sich gegen die Entscheidung und fordert im Falle einer Schließung Entschädigung.

Betroffen ist zudem der deutsche Energieversorger EnBW, der zu mehr als 45 Prozent dem Land Baden-Württemberg gehört. Dessen Vorgängerbetrieb, das Badenwerk, hatte sich zu 17,5 Prozent am Bau des Akw beteiligt und bezieht 17,5 Prozent des in Fessenheim produzierten Stroms.

Atomkraftgegner in Frankreich, Deutschland und der Schweiz fordern seit langem die Schließung des Akw, dessen beide Reaktoren 1977 und 1978 in Betrieb genommen wurden und damit die ältesten in Frankreich sind. Seit Jahren sorgt die Anlage im Elsass durch Pannen und Störfälle für Schlagzeilen.