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USA liefern sich nach Amoklauf neue Waffen-Debatte

Von Gregor Waschinski.

Washington (afp) – Mit dem Amoklauf an einer Grundschule in Newtown ist auch die Debatte um schärfere Waffengesetze in den USA wieder voll entbrannt. Schon kurz nach der Tragödie kamen vor dem Weißen Haus in Washington dutzende Menschen zusammen und entrollten Plakate, auf denen Parolen wie „Schützt unsere Kinder – verbietet Waffen jetzt“ standen. Präsident Barack Obama wagte sich bei dem heiklen Thema am Wochenende aber nur vorsichtig aus der Deckung. Immer wieder wurde nach Schießereien in den USA über ein restriktiveres Waffenrecht gestritten, passiert ist aber nie etwas.

Der Todesschütze Adam Lanza war mit mehreren Waffen in die Sandy-Hook-Grundschule gestürmt und tötete dort 20 kleine Kinder und sechs Erwachsene. Nach Angaben der Gerichtsmedizin feuerte der junge Mann auf alle Opfer mehrfach, vor allem mit einem halbautomatischen Sturmgewehr vom Typ Bushmaster .233. Auch zwei Handfeuerwaffen soll Lanza bei seinem mörderischen Streifzug dabei gehabt haben.

Ein mit den Tränen kämpfender Obama forderte in einer Ansprache zwar Konsequenzen aus dem Massaker. „Wir haben in den vergangenen Jahren zu viele dieser Tragödien durchgemacht“, sagte der Präsident wenige Stunden nach der Bluttat. In seiner wöchentlichen Radioansprache wiederholte er am Samstag seine Forderung nach „entscheidenden Maßnahmen“, um Amokläufe wie in Newtown künftig zu verhindern. Unklar blieb aber, was Obama, der am Sonntagabend an einer Gedenkfeier in der Kleinstadt im Bundesstaat Connecticut teilnehmen wollte, damit genau meinte.

Der Präsident müsse endlich ein Gesetz an den Kongress schicken, verlangte der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, ein entschiedener Befürworter schärferer Waffengesetze. „Wir müssen sofort handeln. Wir haben all diese Rhetorik schon gehört.“

Das Recht auf Waffenbesitz ist im zweiten Zusatzartikel zur US-Verfassung verbrieft. In den USA befinden sich Schätzungen zufolge bis zu 300 Millionen Pistolen und Gewehre in Privathaushalten. Jedes Jahr sterben mehr als 30.000 Menschen durch Schusswaffen. Etwa 60 Prozent davon sind Selbstmorde, 40 Prozent sind Tötungsdelikte.

Nach Schießereien mit vielen Toten entfaltete sich in den vergangenen Jahren gewöhnlich eine Debatte, die grob drei Phasen umfasste: Unmittelbar nach der Katastrophe zeigt sich die Nation betroffen, dann liefern sich Befürworter und Gegner von schärferen Waffengesetzen ein Wortgefecht. Schließlich ebbt die Diskussion wieder ab – ohne größere Änderungen am Waffenrecht. Als im Juli in einem Kino in Aurora im US-Bundesstaat Colorado ein Mann während der Premiere des neues „Batman“-Films zwölf Menschen umbrachte, führten die USA eine jener Debatten – bis sie im Nachrichtenstrom unterging.

Viele US-Bürger reagieren auf eine mögliche Verschärfung der Waffengesetze ähnlich allergisch, als solle ihnen das Recht auf freie Meinungsäußerung genommen werden. Auch nach dem Massaker von Aurora änderte sich an den Umfragewerten nicht viel. In einer Erhebung des Nachrichtensenders CNN aus dem August sprachen sich 50 Prozent gegen größere Einschränkungen des Waffenbesitzes aus. Dagegen forderten 48 Prozent eine stärkere Waffenkontrolle.

Die üblichen Verdächtigen der Waffen-Debatte brachten sich nach dem Massaker von Newtown bereits in Stellung. Die Nichtregierungsorganisation Brady Campaign, die sich für schärfere Waffengesetze einsetzt, erklärte, dass eine Reform „lange überfällig“ sei.
Die mächtige Waffenlobby der National Rifle Association (NRA), die Waffen im Haushalt zur kulturellen Eigenheit der USA überhöht und jede Reform als Angriff auf bürgerliche Freiheiten brandmarkt, gab zunächst keinen Kommentar ab. Dafür äußerte sich etwa auf dem erzkonservativen TV-Sender Fox News der frühere republikanische Präsidentschaftsbewerber Mike Huckabee. Mit strengeren Gesetzen lasse sich ein derartiges „Blutbad“ nicht verhindern, sagte er. Stattdessen brachte er als Rezept mehr Gott und Religion in den Schulen ins Gespräch.

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