Nachrichten

Nordsee: Es darf voraussichtlich mehr Hering gefangen werden – Tipps von Umweltschützern

Deutschlands Fischer sind zufrieden mit den voraussichtlichen Fischfangquoten für Nordsee und Nordostatlantik im nächsten Jahr. “Es überwiegt das Positive”, urteilte der Deutsche Fischerei-Verband (DFV). Zuvor hatten sich in Brüssel die EU-Fischereiminister auf einen Großteil der Quoten für 2013 geeinigt. Von vielen der rund 80 Arten, die in Kühltheken angeboten werden, raten Umweltschützer ab.

Brüssel/Hamburg/Berlin (afp) – Deutschlands Fischer sind zufrieden mit den voraussichtlichen Fischfangquoten für Nordsee und Nordostatlantik im nächsten Jahr. “Es überwiegt das Positive”, urteilte der Deutsche Fischerei-Verband (DFV) am Donnerstag in Hamburg. Zuvor hatten sich in Brüssel die EU-Fischereiminister auf einen Großteil der Quoten für 2013 geeinigt. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium ist mit einer Erhöhung von für Deutschland wichtigen Quoten in der Nordsee zu rechnen. Dies steht allerdings noch unter dem Vorbehalt einer offiziellen Einigung mit Norwegen.

“Vor allem bei Hering, Scholle und Seelachs in der Nordsee haben sich die Bestände positiv entwickelt. Hier können die Quoten nach den Empfehlungen der Wissenschaft um 15 Prozent im Einklang mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung angehoben werden”, teilte das Haus von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) nach Abschluss der Verhandlungen mit.

“Das sind wichtige Fische für die deutsche Fischerei”, sagte ein Sprecher des Fischereiverbandes. Für den Verband sind die voraussichtlichen Anhebungen der Quoten die logische Folge davon, dass sich die Bestände in den letzten Jahren – bei gesenkten Quoten – erholen konnten. “Nachhaltigkeit zahlt sich aus”, sagte der Sprecher.

Allerdings sind die Quoten noch nicht formal beschlossen. Zuvor bedarf es einer Einigung mit Norwegen, das dieselben Bestände befischt. Formell wurden die Quoten für die genannten Fische daher sogar herabgesetzt, um die Norweger nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen. Das ist nach Darstellung von Fischern und aus Delegationskreisen aber vorläufig: “Man kann das aus formalen Gründen nicht ohne Norwegen machen”, sagte DFV-Generalsekretär Peter Breckling AFP. Aus EU-Kreisen verlautete ebenfalls, es handele sich “um eine formale Maßnahme”.

Bei Umweltschützern traf die Einigung der EU-Minister auf ein geteiltes Echo. Grundsätzlich zufrieden zeigte sich Greenpeace. Die EU-Quoten seien “heute viel dichter daran, was die Wissenschaft empfiehlt, als als früher”, sagte Greenpeace-Experte Thilo Maack. Allerdings gelte dies für bestimmte Bestände ausdrücklich nicht, fügte er an. Dort wird der Überfischung demnach nicht wirksam entgegengesteuert.

Der WWF kritisierte den “halbherzigen Kompromiss”. Die Fischereiminister “bekommen die Überfischung in der Nordsee nur schleichend in den Griff”, erklärte der WWF in Hamburg.

Wissenschaftliche Expertisen bilden die Grundlage für die Verhandlungen der Minister in Brüssel. Sie geben an, welche Fangmengen zulässig wären, damit die Bestände auf lange Sicht überleben. In der Vergangenheit wurden sie von den Staaten jedoch immer wieder weitgehend ignoriert. EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki, die die Orientierung an der Nachhaltigkeit vorantreibt, erklärte am Donnerstag, sie habe strengere Quoten angestrebt, sei aber insgesamt zufrieden.

Nach Aigners Worten ist die Situation beim Kabeljau in der Nordsee weiter ein Problem, weil sich der wichtige Fisch “trotz der extrem niedrigen Fangmengen in den vergangenen Jahre bisher kaum erholen konnte”. Die Anhebungen für Hering, Scholle und Seelachs stünden aber für die positive Entwicklung: “Mehr als die Hälfte der Fischbestände in Nordsee und Nordostatlantik werden schon heute nachhaltig bewirtschaftet”, erklärte Aigner.

Rotbarsch und Aal sind tabu: Was Umweltschützern für den Fischkauf raten

Im Kampf gegen die Überfischung der Meere spielt für Umweltschutzorganisationen der umweltbewusste Verbraucher eine wichtige Rolle – beispielsweise wenn es um den richtigen Fisch für den Schmaus an Silvester geht. Von vielen der rund 80 Arten, die in Kühltheken angeboten werden, raten die Umweltschützer inzwischen ab. Entweder weil die Bestände überfischt sind, oder weil der Fang andere schädliche Folgen für die Umwelt birgt. Verbraucher sollten dann auf andere Arten ausweichen.

Welchen Fisch kann ich bedenkenlos kaufen?

Ohne Gewissensbisse können Verbraucher laut Greenpeace nur noch zu Forelle oder Karpfen greifen. Bei allen anderen Arten muss auf das Fanggebiet geachtet werden, aus dem der Fisch stammt. Es sollte auf Konserven oder der Fischtheke angegeben sein. Zudem sind Meerestiere aus Öko-Aquakulturen in der Regel unproblematisch.

Bei welchen Arten sollten Verbraucher vorsichtig sein?

Bereits beim beliebten Hering heißt es inzwischen: genau hinschauen. Fänge aus dem Nordatlantik sollten nicht verzehrt werden. Dies gilt auch für Makrelen aus dem Nordostatlantik. Der beliebte Tilapia ist nur empfehlenswert, wenn er aus den USA stammt oder in geschlossen Teichanlagen gezüchtet wurde. Pangasius aus Vietnam darf ebenfalls guten Gewissens verzehrt werden. Dies gilt auch für Kabeljau aus dem Atlantik und Pazifik – für den aus der Ostsee, wo er Dorsch genannt wird, dagegen nicht.

Tabu sind laut Greenpeace zudem alle Thunfischarten außer Bonito und Weißer Thunfisch. Kaltwassergarnelen und Kaisergranat sollten nur aus dem Nordostatlantik stammen und tropische Schrimps aus Thailand oder Bangladesch.

Worauf sollten Verbraucher an der Fischtheke verzichten?

Ganz gemieden werden sollten etwa Aal, Rotbarsch, Seehecht oder die aus Dornhai gefertigten “Schillerlocken”. Tabu sind zudem Atlantischer Seelachs, Sprotten, Seezungen, aber auch Schwertfisch und Marlin.

Wo kann ich dann überhaupt noch Fisch kaufen?

Die Empfehlungen der Umweltorganisationen weichen teils voneinander ab. Bioläden sind deshalb meist eine gute Wahl, denn sie bieten nur Fisch an, dessen Kauf vertretbar ist. In Supermarktketten müssen Verbraucher genau hinsehen. Einen Hinweis auf nachhaltig gefangenen Fisch geben verschiedene Siegel. Etwa das MSC-Siegel: ein weißer Fisch auf blauem Grund mit dem Schriftzug “Marine Stewardship Council” oder das rotumrandete Zeichen “Friends of the Sea” mit einem symbolische Segelschiff auf blauem Grund. Für Zuchtfisch, also Fisch aus Aquakulturen, gelten Ökosiegel wie “Bioland” und “Naturland” als verlässlich.

Weitere Informationen zum Fischkauf im Internet: