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Deutschland rekrutiert Auszubildende in Südeuropa: „Willkommenskultur“ mit Leben füllen

Die Bundesagentur für Arbeit wirbt in diesem Jahr mit lokalen Partnern in Spanien und Italien dafür, dass ausbildungsplatzsuchende junge Menschen nach Deutschland kommen. Ein Sonderprogramm soll neben der sprachlichen auch ihre soziale Integration in Deutschland fördern.

Bonn (csr-news) – Die Bundesagentur für Arbeit wirbt in diesem Jahr mit lokalen Partnern in Spanien und Italien dafür, dass ausbildungsplatzsuchende junge Menschen nach Deutschland kommen. Ein Sonderprogramm soll neben der sprachlichen auch ihre soziale Integration in Deutschland fördern.

In Deutschland bleiben Ausbildungsstellen unbesetzt, weil motivierte Bewerber fehlen. In südeuropäischen Ländern bleiben ausbildungsplatzsuchende junge Menschen chancenlos, weil die Wirtschaft am Boden liegt. Beide Probleme will das Sonderprogramm zur „Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsplatzinteressierten Jugendlichen und arbeitslosen jungen Fachkräften aus Europa“ lösen und junge Leute dabei unterstützen, die innerhalb der EU geltende freie Wahl des Arbeitsortes zu nutzen. Nach einer Einstellungszusage können diese durch finanziell geförderte Praktika den Arbeits- oder Ausbildungsbetrieb in Deutschland kennenlernen. Mit bis zu 140 Millionen Euro will die Bundesregierung bis 2016 Sprachkurse in Deutschland und im Ausland, Reisekosten und eine sozial- und berufspädagogische Begleitung finanzieren.

Neben den Veranstaltungen wird eine mehrsprachige Website aufgebaut, die auf dieses Angebot hinweist: www.thejobofmylife.de. Die Internetadresse www.make-it-in-germany.com informiert allgemeiner über die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte in Deutschland.

Was passiert in der Freizeit?

Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesanstalt für Arbeit führt das Programm durch; interessierte Arbeitgeber können sich über ihr örtliches Arbeitsamt an die ZAV wenden. Dass für eine erfolgreiche Ausbildung europäischer Jugendlicher in Deutschland neben der sprachlichen Vorbereitung eine soziale Integration erforderlich ist, sagte eine ZAV-Sprecherin gegenüber CSR NEWS. Es gelte, „das Stichwort ‚Willkommenskultur‘ mit Leben zu füllen“. Für junge Menschen aus Spanien und Italien stelle sich die Frage, wie sie ihre Freizeit in Deutschland gestalten könnten. Arbeitgeber oder die sie begleitenden Kammern seien gefordert, dafür Programme zu entwickeln.

IHKs werben Auszubildende in Spanien und Ungarn

Der Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht in dem Sonderprogramm einen wichtigen Beitrag, um den Fachkräftebedarf der Unternehmen zu sichern. „Aus unserer Sicht sind die sprachliche Förderung, die fachliche Vorbereitung und die pädagogische Begleitung wesentliche Voraussetzungen, um eine Vermittlung junger Menschen aus dem Ausland sowie die erfolgreiche Durchführung der Ausbildung zu gewährleisten“, so DIHK-Mobilitätsexpertin Jacqueline März gegenüber CSR NEWS.

Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) engagieren sich bereits in Spanien in regionalen Projekten zur Anwerbung von Auszubildenden und Fachkräften. In einem Projekt der IHK Karlsruhe, der AHK Spanien, der baskischen Landesregierung und des Kolpinghauses bieten deutsche Ausbildungsbetriebe spanischen Jugendlichen mit einem 4-monatigen Praktikum die Chance auf einen anschließenden Ausbildungsplatz. In einem Programm der IHK Erfurt fanden mehrere ungarische Jugendliche Ausbildungsverträge in Thüringer Unternehmen.