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Für mehr Tierschutz an der Fleischtheke und im Kühlregel

Beim Kauf von Fleisch können sich Verbraucher in vielen Supermärkten für mehr Tierschutz stark machen: Seit Ende dieser Woche liegt in den Frischetheken einiger Edeka-Märkte in Baden-Württemberg Schweinefleisch mit dem Siegel des Deutschen Tierschutzbundes aus. In Berlin beginnt der Verkauf von Schweinefleisch, das auf Grundlage von Tierschutzstandards zertifiziert wurde, in Filialen der Kette Kaiser’s Tengelmann.

Von Ulrike Tschirner

Berlin (afp) – Selbst beim Kauf von Fleisch können sich Verbraucher bundesweit in vielen Supermärkten von nun an bewusst für mehr Tierschutz stark machen: Seit Ende dieser Woche liegt in den Frischetheken einiger Edeka-Märkte in Baden-Württemberg Schweinefleisch mit dem Siegel des Deutschen Tierschutzbundes aus. In Berlin und Umgebung beginnt ab Montag der Verkauf von Schweinefleisch, das auf Grundlage von Tierschutzstandards zertifiziert wurde, in rund hundert Filialen der Kette Kaiser’s Tengelmann.

Die neue Kennzeichnung solle „keinen Kaufanreiz“ bieten, sondern den Kunden helfen, tiergerecht erzeugte Produkte zu erkennen, erklärt der Tierschutzbund, dessen weiß-blaues Label mit der Aufschrift „Für mehr Tierschutz“ nach und nach in den deutschen Supermärkten Einzug halten soll. „Solange noch Fleisch gegessen wird, soll der Verbraucher sich transparent und klar für mehr Tierschutz entscheiden können.“ Zunächst soll das bei Produkten von Masthühnern und Mastschweinen möglich sein, langfristig aber bei allen Tieren aus der Landwirtschaft.

Der Tierschutzbund will mit seinem Label die Haltung von Tieren von der Zucht bis hin zur Schlachtung verbessern. „In der heutigen Tierproduktion werden die Tiere den Haltungssystemen angepasst und nicht umgekehrt. Mit dem Label soll dieser Fehlentwicklung sukzessive entgegengewirkt werden“, erklärt die Organisation auf ihrer Internetseite. Um in der konventionellen Landwirtschaft Unterstützer zu finden, bietet sie zwei Stufen, nach denen sich die Betriebe zertifizieren lassen können: eine Einstiegsstufe und eine Premiumstufe mit höheren Anforderungen.

Die beiden Kategorien schreiben vor, dass Mastschweine und Masthühner mehr Platz bekommen als gesetzlich vorgeschrieben – in der Premiumstufe noch einmal mehr als in der Einstiegsstufe. Außerdem müssen die Betriebe weniger schnell wachsende Hühnerrassen verwenden und ihnen Sitzstangen und Strohballen oder Steine als Gegenstände zum Picken bieten. Schweine dürfen nicht betäubungslos kastriert werden; auch das Kürzen der Schwänze ist verboten. Bei der Schlachtung muss eine sichere und tiefe Betäubung sichergestellt werden. Transporte dürfen höchstens vier Stunden dauern.

Im Herbst hatte der Tierschutzbund mit der Zertifizierung der ersten Höfe begonnen. Als ein Lieferant orientiert sich beispielsweise der Wiesenhof-Produzent Privathof-Geflügel an den Standards der Organisation. Zertifiziert werden können laut Tierschutzbund „ohne größere Probleme“ aber auch Bio-Betriebe. Sie orientierten sich bei der Tierhaltung bereits ungefähr an den Standards der Premiumstufe und erfüllten damit die Grundvoraussetzungen, „neben dem Bio-Siegel auch das neue Label tragen zu können“.

In den Handel kommt das tierfreundlicher hergestellte Fleisch zunächst einmal bei Edeka, Reichelt und Kaiser’s Tengelmann. Nachdem der Verkauf in den ersten Edeka-Filialen in Baden-Württemberg bereits angelaufen ist, soll es bis Ende dieser Woche in rund 40 Märkten im Südwesten in den Frischetheken angeboten werden. Ab Ende Januar ist es dann auch in allen 54 Reichelt-Märkten in der Region Minden-Hannover und in rund 20 Edeka-Märkten in Berlin und Brandenburg zu haben.

Kaiser’s Tengelmann erweitert nach dem für Montag geplanten Verkaufsstart in Berlin im Februar auch in den Regionen Nordrhein und München-Oberbayern sein Angebot um Fleisch mit dem Tierschutzlabel. Die Handelskette Coop, zu der die Sky-Märkte gehören, steht derzeit noch in Gesprächen mit dem Tierschutzbund.

Kommentar

  • Es ist gut, wenn Tierschutzstandards durch Lable verbessert werden. Bemerkenswert und in gewissser Weise befremdlich ist allerdings, daß der Tierschutzbund damit möglicherweise dem neulandprogramm schadet, daß die besten Tierschutz-Standards hat, und bei dem der Tierschutzbund neben dem BUND und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) die führende Rolle spielt. Ich befürchte, daß Neuland darunter leiden wird, daß Verbraucher zu Fleisch(produkten) des deutlich niedrigeren „Tierwohl“-Programms wechseln werden, was zu Lasten der bäuerlichen Betriebe gehen würde.

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