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Teilzeit und Kinder bremsen Karrieren von Frauen aus

Berlin (afp) – Teilzeit und Babypausen sind für Frauen einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Karrierekiller. Ein längere Elternzeit oder ein Teilzeitjob machten es Frauen „schwerer oder sogar unmöglich“, sich im Rennen um Führungspositionen gegenüber Männern zu behaupten, teilte das IW am Montag in Köln mit. Um die Karriere- und Verdienstchancen für Frauen zu erhöhen, seien bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder nötig.

Die Führungskräfte in fast 80 Prozent der Unternehmen arbeiteten Vollzeit; Teilzeit lasse sich mit Führungsverantwortung schwer vereinbaren, heißt es in der IW-Studie. Auch familienbedingte Erwerbspausen bremsen demnach die Karriere von Frauen aus.

Deutschland sei es in den vergangenen Jahren zwar gelungen, das Beschäftigungspotenzial von Frauen besser zu nutzen, teilte das arbeitgebernahe Institut mit. So seien fast 72 Prozent aller Frauen im Jahr 2011 einer Arbeit nachgegangen; elf Jahre zuvor seien es erst 63 Prozent gewesen. In die Chef-Etagen schaffen es aber nur wenige: Nur etwa jeder dritte Führungsposten sei 2012 mit einer Frau besetzt gewesen, ergab die IW-Studie.

Ein Grund sei neben längeren Elternzeiten oder einem Teilzeitjob auch die Berufswahl von Frauen: In der Industrie würden Führungsposten fast immer mit Menschen besetzt, die über technische, naturwissenschaftliche oder mathematische Expertise verfügten. Frauen stellten in solchen Berufen aber nur zwölf Prozent aller neuen Auszubildenden. In Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sei seit langem nur etwa jeder dritte Studienanfänger weiblich.

In Dienstleistungssektoren dagegen sei der durchschnittliche Anteil von weiblichen Führungskräften im vergangenen Jahr fast doppelt so hoch gewesen wie im verarbeitenden Gewerbe, heben die Autoren der Studie hervor. In ostdeutschen Unternehmen ist der Anteil weiblicher Führungskräfte demnach mit gut 32 Prozent fast zehn Prozentpunkte höher als in westdeutschen Firmen.

Im Gehaltsvergleich mit ihren männlichen Kollegen müssen Frauen weiterhin Abstriche hinnehmen. Vor allem familienbedingte Auszeiten vergrößern laut IW die Verdienstunterschiede. Frauen, die für ihre Kinder mindestens drei Jahre zu Hause blieben, verdienten 2011 rund zwölf Prozent weniger. Bei einer Auszeit zwischen anderthalb und drei Jahren lag der Abstand demnach bei sechs Prozent; bei einer kürzeren Babypause bei weniger als zwei Prozent.

Unternehmen könnten nur begrenzt Einfluss auf die Berufswahl und auf die Frage der „innerfamiliären Lastenverteilung“ nehmen, heißt es in der Studie weiter. Daher sei die Politik gefordert. Sie müsse vor allem die Betreuungsangebote für Kinder ausweiten, anstatt über „Zwangsmaßnahmen“ wie die Frauenquote nachzudenken. Dies eröffne allen die gleichen Karriere- und Verdienstchancen.

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