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Erstmals internationales Abkommen zur Quecksilber-Eindämmung

Erstmals ist ein internationales Abkommen zur Eindämmung des Gebrauchs von Quecksilber in Sicht. Vertreter von etwa 140 Ländern nahmen am Samstag in Genf das Abkommen zur Einschränkung der Herstellung und des Einsatzes des umwelt- und gesundheitsschädlichen Metalls an. Vermutlich kann es in drei bis vier Jahren in Kraft treten.

Genf (afp) – Erstmals ist ein internationales Abkommen zur Eindämmung des Gebrauchs von Quecksilber in Sicht. Vertreter von etwa 140 Ländern nahmen am Samstag in Genf das Abkommen zur Einschränkung der Herstellung und des Einsatzes des umwelt- und gesundheitsschädlichen Metalls an, wie das Schweizer Außenministerium mitteilte. Vermutlich kann es in drei bis vier Jahren in Kraft treten.

Das Abkommen soll die Produktion von Quecksilber drosseln und dazu führen, dass die Verwendung des Metalls in Produkten und industriellen Prozessen allmählich gedrosselt wird. Nach Angaben des UN-Umweltprogramms (UNEP) soll die Herstellung bestimmter quecksilberhaltiger Produkte bis 2020 beendet werden.

Der Einigung in Genf war eine Woche zäher Verhandlungen vorausgegangen. Angestoßen wurde der Verhandlungsprozess bereits vor einem Jahrzehnt von der Schweiz und Norwegen. Der Leiter des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, sagte nach Abschluss der Gespräche in Genf, die schädlichen Wirkungen von Quecksilber seien bereits seit mehr als einem Jahrhundert bekannt. Nun hoffe er auf eine zügige Ratifizierung des Abkommens. Es solle „so schnell wie möglich“ in Kraft treten.

Unterzeichnet werden soll der Vertrag im Oktober aus symbolischen Gründen im japanischen Minamata. Die Einwohner der Stadt litten nach UNEP-Angaben jahrzehntelang unter den Folgen schwerer Verseuchung der Umwelt mit Quecksilber. Bevor das Abkommen in Kraft tritt, muss es von 50 Staaten ratifiziert sein. Das dürfte drei bis vier Jahre dauern.

Quecksilber wird in der Produktion von Thermometern, Schaltern und Glühlampen, aber auch in Zahnfüllungen und Gesichtscremes verwendet. Zudem werden große Mengen des gesundheitsschädlichen Metalls bei gewissen Arten der Goldgewinnung, der Kohleverbrennung und der Zementproduktion freigesetzt. Dies ist nach UNEP-Angaben vor allem in Entwicklungsländern ein Problem. Steiner sagte, gerade Arbeiter in kleinen Goldminen und deren Familien könnten von dem neuen Abkommen profitieren.

Eine schwere Vergiftung mit Quecksilber beschädigt das Immunsystem und kann zu psychischen Störungen, dem Verlust von Zähnen und Problemen bei der Verdauung, dem Herzen und der Atmung führen. Außerdem kann es die Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems schädigen und stellt eine ernste Gefahr für Föten und Kleinkinder dar.

Nach UNEP-Angaben hat sich der Quecksilber-Anteil in den oberen hundert Metern der Ozeane in den vergangenen hundert Jahren durch menschlich verursachte Emissionen verdoppelt. Viele Menschen nehmen das schädliche Metall beim Verzehr von Fisch auf.

Die in Genf verabschiedete Fassung des Abkommens enthält Ausnahmeregelungen für bestimmte Impfungen. Der UNEP-Chemie-Direktor Tim Kasten begründete dies damit, dass diese Impfstoffe sonst in unterentwickelten Staaten unerschwinglich würden. Auch wurde kein bindender Verzicht auf Quecksilber in Amalgam-Füllungen für von Karies befallene Zähne vereinbart. Das Abkommen fordert lediglich dazu auf, stattdessen künftig verstärkt andere Füllmaterialien zu verwenden.