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Von der Leyen sieht Fortschritte im Kampf gegen Fachkräftemangel

Berlin (afp) – Trotz einer stärkeren Einbindung von Älteren und Frauen in den Arbeitsmarkt bleibt der Kampf gegen den Fachkräftemangel für Deutschland eine Herausforderung. „Wir müssen einen langen Atem haben“, sagte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwoch bei der Vorstellung eines Berichts zum Stand der Fachkräftesicherung. Potenziale sieht sie vor allem in der hohen Teilzeitquote und der Qualifizierung von Migranten.

Die Fachkräftesicherung sei für die deutsche Wirtschaft „die Herausforderung schlechthin“, betonte von der Leyen. Deutschland habe aber „besser und schneller“ Fortschritte gemacht als gedacht. So sei mit einer Erwerbsquote von 77 Prozent das EU-Ziel von 2020 bereits erreicht. Dies liege an der wachsenden Beteiligung von Älteren und Frauen, der sinkenden Arbeitslosigkeit und dem Anstieg qualifizierter Zuwanderung.

Von der Leyen bezeichnete die älteren Arbeitnehmer als „Gewinner am Arbeitsmarkt“. Während im Jahr 2000 lediglich jeder Dritte ab 55 Jahren einer Arbeit nachgegangen sei, liege der Anteil inzwischen fast bei zwei Dritteln. Als Gründe hierfür führte die Ministerin die Rente mit 67 und die Abschaffung des Vorruhestandes an. Bei der Beschäftigung Älterer sei Deutschland in Europa nun bereits Zweitbester hinter Schweden. „Das ist ein gutes Zeichen.“

Auch bei der Beschäftigung von Frauen habe Deutschland mit einer Erwerbsbeteiligung von 72 Prozent fast das EU-Ziel erreicht. Allerdings arbeite fast jede zweite Frau Teilzeit. Ihr Arbeitszeitvolumen sei damit „relativ gering“. „Wir müssen glattere Übergänge von der Teilzeit zurück in die Vollzeit schaffen“, mahnte von der Leyen.

Um bei der Beschäftigung von Frauen weitere Fortschritte zu erzielen, sei ein ausreichendes Betreuungsangebot für Kinder eine wichtige Voraussetzung, hieß es im Fortschrittbericht zur Fachkräftesicherung, der vom Kabinett am Mittwoch beschlossen wurde. Auch die Unternehmen könnten mit betrieblicher Kinderbetreuung und flexiblen Arbeitszeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen.

Weiteres Verbesserungspotenzial sah von der Leyen bei der beruflichen Ausbildung von Menschen mit Migrationshintergrund. Zuwanderer seien im Durchschnitt jünger und besser ausgebildet als die Gesamtbevölkerung, sagte die Ministerin. Es habe sich international herumgesprochen, dass Deutschland Fachkräfte brauche und gute Arbeitsbedingungen biete. Dies sei ein „gutes Zeichen“, sagte die CDU-Politikerin.

Der Vizechef der SPD-Bundestagsfraktion, Hubertus Heil, forderte, den Kampf gegen den Fachkräftemangel zur „Chefsache“ zur machen. Es müsse ein Deutscher Rat für Fachkräftesicherung geschaffen werden, angesiedelt beim Bundeskanzleramt, erklärte Heil. Die Bundesregierung habe durch Kürzungen bereits vielen Menschen die Chance auf Qualifizierung genommen und den Weg aus der Arbeitslosigkeit versperrt.

Auch die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, warf von der Leyen „Versäumnisse“ vor. So würden die Erwerbspotenziale von Frauen nicht ausgeschöpft; stattdessen seien die Minijobs ausgeweitet worden. Zudem komme die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen nicht in die Gänge. Die „bittere Konsequenz“ sei, dass der Fachkräftemangel in immer mehr Branchen und Regionen zu einem Problem werde. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte „massive Investitionen“ in Aus- und Weiterbildung.

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