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Bericht: Jeder vierte Lehrling bricht Ausbildung ab

Fast jede vierte Lehre in Deutschland wird abgebrochen. Im Jahr 2011 stieg die Abbrecherquote auf 24,4 Prozent, berichtete die „Welt“ unter Berufung auf eine Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) für den neuen Berufsbildungsbericht. Demnach wurden 2011 insgesamt 149.760 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst, ein Drittel davon noch in der Probezeit.

Berlin, 25. Januar (AFP) – Fast jede vierte Lehre in Deutschland wird abgebrochen. Im Jahr 2011 stieg die Abbrecherquote auf 24,4 Prozent, berichtete die „Welt“ am Freitag unter Berufung auf eine Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) für den neuen Berufsbildungsbericht. Demnach wurden 2011 insgesamt 149.760 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst, ein Drittel davon noch in der Probezeit.

Der Auswertung zufolge unterscheiden sich die Abbrecherquoten je nach Beruf erheblich. So beendet jeder zweite Kellner und Umzugshelfer seine Lehre nicht. Auch bei Köchen, Kosmetikerinnen, Gebäudereinigern und Friseuren liegt die Abbrecherquote über 40 Prozent. Am seltensten schmeißen angehende Verwaltungsfachangestellte ihre Lehre – bei ihnen beträgt die Abbrecherquote 3,7 Prozent. Unter zehn Prozent liegt die Quote auch bei Elektronikern und Bankkaufleuten.

Von den Bundesländern verzeichneten demnach Mecklenburg-Vorpommern und Berlin die höchsten Abbrecherquoten. Jeder dritte Ausbildungsvertrag wird dort vorzeitig aufgelöst. Ein Grund ist dem Institut zufolge die demografische Entwicklung, die in Ostdeutschland zu einem Lehrlingsmangel geführt habe. Dadurch könne bei Jugendlichen die Bereitschaft steigen, eine Lehre abzubrechen, um dann einen anderen Ausbildungsplatz anzunehmen. Am unteren Ende der Rangskala liegen Baden-Württemberg und Bayern mit Abbrecherquoten von knapp 20 Prozent.

Die Gründe für den Abbruch einer Lehre seien „vielfältig und mitunter komplex“, zitiert die „Welt“ aus der Analyse des BiBB. Mal gebe es gesundheitliche Gründe, mal werde der Betrieb geschlossen, mal ändere sich der Berufswunsch. „Manchmal passt die Chemie zwischen Ausbilder und Jugendlichen nicht oder die Entfernung zum Betrieb wird auf Dauer zum Problem“, schildert der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans-Heinrich Driftmann, weitere Gründe. Vielfach setzten die jungen Leute ihre Ausbildung aber bei einem anderen Betrieb oder in einem anderen Beruf fort.

DGB-Vizechefin Ingrid Sehrbrock kritisierte, auffällig sei, „dass die Quote der Abbrüche sich schon seit Jahren erheblich zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen unterscheidet“. Es gebe „Problembranchen“, deren Ausbildungsqualität „zu wünschen übrig“ lasse. Dies zeige auch der DGB-Ausbildungsreport, in dem Lehrlinge die Qualität ihrer Ausbildung bewerteten.

Danach bleibt die rote Laterne beim Hotel- und Gaststättengewerbe: Gründe für die schlechte Bewertung waren regelmäßige Überstunden ohne finanziellen oder Freizeitausgleich, ausbildungsfremde Tätigkeiten und eine schlechte oder gar keine Betreuung durch einen Ausbilder.

Die Betriebe in diesen „Problembranchen“ müssten dringend an Attraktivität und Ausbildungsqualität arbeiten, forderte die DGB-Vizechefin. Zudem plädierte sie für ausbildungsbegleitende Hilfen für die Betriebe, etwa durch Sozialpädagogen. „Bisher werden diese Hilfen erst eingesetzt, wenn schon schlechte Noten in den Berufsschulzeugnissen stehen“, erklärte sie. Das sei „deutlich zu spät“.

Driftmann plädierte vor allem für eine frühzeitige und gute Berufs-Orientierung. „Wer weiß, was er will und kann, der trifft auch leichter die Entscheidung für den richtigen Beruf“, erklärte er.