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Bundesregierung und Wirtschaft kämpfen gegen Hunger

Berlin (afp/csr-news) – Die Bundesregierung verstärkt gemeinsam mit der Bill & Melinda Gates Stiftung und deutschen Wirtschaftsunternehmen den Kampf gegen den Hunger. Insgesamt würden 80 Millionen Euro für Kooperationsprojekte bereitgestellt, die für mehr Ernährungssicherung in Entwicklungsländern sorgen sollten, sagte Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) am Dienstag in Berlin bei einer Pressekonferenz mit Bill Gates und dem Chef von Bayer Crop Science, Liam Condon.

Ernährungssicherung sei eine Herkulesaufgabe, die nicht allein zu bewältigen sei, sagte Niebel. Gebraucht würden Partner wie die Gates-Stiftung, die Privatwirtschaft und die Zivilgesellschaft. Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) und die Gates-Stiftung geben jeweils 20 Millionen Euro; deutsche, europäische und internationale Wirtschaft stellten rund 40 Millionen Euro in Aussicht. In Kooperationsprojekten in Schwellen- und Entwicklungsländern sollen Aufbau und Produktivität der Landwirtschaft und des Ernährungssektors gefördert werden. Zudem soll das Bewusstsein für gesunde Ernährung erhöht werden.

Gates würdigte die Rolle Deutschlands in der Entwicklungspolitik. Er begrüßte die in der vergangenen Woche von Niebel beim Weltwirtschaftsforum in Davos bekräftigte Zusage, dass Deutschland dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria in den Jahren 2012 bis 2016 eine Milliarde Euro geben werde. Vor dem Bundestagsausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ermahnte Gates zugleich die europäischen Staaten, trotz Sparzwängen und der Eurokrise weiter ausreichende Mittel für die Entwicklungspolitik bereitzustellen.

Das BMZ und die 35 in der sogenannten German Food Partnership zusammengeschlossenen Unternehmen vereinbarten, gemeinsam die Produktion wichtiger Nahrungsmittel wie Reis und Kartoffeln zu fördern. Hierzu wurde unter anderem die sogenannte Asian German Better Rice Initiative ins Leben gerufen, die in Indonesien, Vietnam, Thailand und den Philippinen die Produktion von Reis fördern, aber auch die Qualität des Getreides sowie die Ausbildung der Reisbauern verbessern soll.

Auch der Nährwert der Nahrungsmittel soll verbessert werden, wie Niebel sagte. Dies geschehe etwa durch die Anreicherung mit Vitamin A. Für die Wirtschaft sagte Bayer-Vertreter Condon, diese unterstütze die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität durch Forschung und Entwicklung. Kleinbauern wird nicht nur Know-how vermittelt; ihnen werden auch Düngemittel, Saatgut und Pflanzenschutzlösungen zur Verfügung gestellt, wie Bayer erklärte.

Die Menschenrechtsorganisation FIAN kritisierte dagegen die „privilegierte Rolle“ der Wirtschaftsunternehmen bei der Ausgestaltung politischer Strategien und Regeln im Rahmen des „German Food Partnership“. Durch sein Treffen mit Wirtschaftsvertreter setze der Bundesentwicklungsminister „ein weiteres Zeichen für die Umstrukturierung des Entwicklungsministeriums hin zu einer Interessensvertretung der deutschen und internationalen Agrarindustrie“, heißt es in einer FIAN-Presseerklärung.