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Fast jeder zweite Deutsche klagt über mehr Stress im Job

Starker Termin- und Leistungsdruck, monotone Arbeitsabläufe und Multitasking: Stress am Arbeitsplatz ist einer neuen Studie zufolge in Deutschland nach wie vor weit verbreitet. Wie aus dem am Dienstag veröffentlichten „Stressreport 2012“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hervorgeht, beklagen mit 43 Prozent aber weniger Arbeitnehmer als vor sechs Jahren, dass Stress und Arbeitsdruck für sie zugenommen haben.

Berlin (afp) – Starker Termin- und Leistungsdruck, monotone Arbeitsabläufe und Multitasking: Stress am Arbeitsplatz ist einer neuen Studie zufolge in Deutschland nach wie vor weit verbreitet. Wie aus dem am Dienstag veröffentlichten „Stressreport 2012“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hervorgeht, beklagen mit 43 Prozent aber weniger Arbeitnehmer als vor sechs Jahren, dass Stress und Arbeitsdruck für sie zugenommen haben.

Für die Studie wurden zwischen Oktober 2011 und März 2012 rund 20.000 Erwerbstätige in Deutschland befragt, unter anderem zu ihren Arbeitsbedingungen und gesundheitlichen Beschwerden. Während bei der vorangegangenen Erhebung von 2005/2006 jeder zweite Arbeitnehmer von einer Zunahme von Stress in den vergangenen zwei Jahren berichtete, sank ihr Anteil bei der jüngsten Erhebung auf 43 Prozent.

Viele Merkmale arbeitsbedingter psychischer Belastung befänden sich aber „nach wie vor auf hohem Niveau“, heißt es im Stressreport. Starker Termin- und Leistungsdruck sowie die Anforderung, sehr schnell arbeiten zu müssen, würden gar belastender empfunden als bei der vorangegangenen Erhebung. Aber auch die Pflicht, mehrere Arbeiten parallel betreuen zu müssen, Monotonie und unliebsame Störungen seien in der Arbeitswelt weiterhin verbreitet.

Knapp 60 Prozent der Befragten gaben an, verschiedene Aufgaben gleichzeitig betreuen zu müssen. Fast jeder Zweite wird demnach bei der Arbeit durch Störungen wie Telefonate und E-Mails unterbrochen. Jeder vierte Arbeitnehmer lässt der Studie zufolge seine Pause ausfallen – meist, weil diese nicht in den Arbeitsablauf passe oder es zu viel Arbeit gebe.

Häufig schadet Stress der Gesundheit: 17 Prozent der Befragten fühlten sich in den letzten zwölf Monaten während der Arbeit häufig körperlich und emotional erschöpft. Zudem haben die Beschwerden an sich – von Rücken- oder Nackenschmerzen, über Müdigkeit, Schlafstörungen bis hin zu Reizbarkeit und Nervosität – zugenommen.

Das Arbeitsklima ist jedoch nicht nur negativ geprägt: Mehr als vier Fünftel der Befragten berichteten von häufiger Unterstützung durch Kollegen. Mehr als drei Viertel gaben an, sich den Anforderungen gewachsen fühlen. Es mangelt der Studie zufolge jedoch vielfach an Gestaltungsspielraum für den Arbeitnehmer, beispielsweise bei der Arbeitseinteilung. Zudem gebe es „Verbesserungspotenzial“ bei der Unterstützung durch direkte Vorgesetzte.

Das Bundesamt für Arbeitsschutz fordert die Arbeitgeber auf, Organisationskulturen mit überlangen Arbeitszeiten, Zeitdruck und Multitasking kritisch zu hinterfragen. Möglichkeiten seien dabei unter anderem die Einführung störungsfreier Arbeitszeiten oder Kurse zum Zeit- und Stressmanagement. Bei Restrukturierungen müssten neben den Chancen für die Wettbewerbsfähigkeit auch die Risiken für die Beschäftigten beachtet werden.

Wenn es um den Schutz vor körperlichen Gefahren gehe, seien deutsche Unternehmen „spitze“, leider machten sich aber noch viel zu wenige Betriebe Gedanken, wie sie ihre Mitarbeiter vor Stress und Burnout schützen können“, erklärte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen. Dafür sei es nun „höchste Zeit“.

Eine geplante Unterzeichnung einer Erklärung des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und des Ministeriums zur psychischen Gesundheit bei der Arbeit kam nicht zustande. Der DGB und die IG Metall wiesen der Arbeitgeberseite dafür die Verantwortung zu. Der BDA erklärte dagegen, es gebe in vielen Punkten Einigung, allerdings sei eine von den Gewerkschaften geforderte Rechtsverordnung „weder sinnvoll noch notwendig“.

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