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Immer mehr Menschen gehen trotz Einbußen frühzeitig in Rente

Berlin (afp) – Immer mehr Menschen gehen frühzeitig in den Ruhestand und nehmen dafür finanzielle Einbußen bei ihrer Rente in Kauf. Knapp die Hälfte der Menschen, die im Jahr 2011 erstmals Rente bezogen, mussten Abschläge hinnehmen, wie aus einer am Donnerstag bekannt gewordenen Statistik der Deutschen Rentenversicherung hervorgeht. In den Jahren zuvor lag der Anteil zum Teil deutlich niedriger.

Im Jahr 2011 bekamen insgesamt knapp 700.000 Menschen erstmalig ihre Altersrente. Davon bezogen knapp 337.000 Menschen nicht die volle Rentenleistung, weil sie nicht bis zur Regelaltersgrenze von 65 Jahren gearbeitet hatten. Dies entspricht einem Anteil von 48,2 Prozent. Im Jahr 2010 hatte der Anteil bei 47,5 Prozent gelegen, im Jahr 2005 sogar nur bei 41,2 Prozent.

In manchen Berufsgruppen müssen noch deutlich mehr Neurentner Abschläge verkraften. In 23 von 39 von der Rentenversicherung aufgeführten Berufsgruppen lag die Quote im Jahr 2011 bei 60 Prozent oder mehr, in fünf Gruppen sogar bei mehr als 70 Prozent, wie der Abgeordnete Matthias Birkwald unter Berufung auf Zahlen der Rentenversicherung mitteilte. Der Linken-Politiker befürchtet eine Verschärfung der Lage durch die Einführung der Rente mit 67: „So sicher wie die Rente erst ab 67 nicht mehr Jobs für Ältere schafft, so sicher führt sie zu immer schmaleren Renten und zu mehr Altersarmut.“

Die Möglichkeiten, ohne Abschläge in den Ruhestand zu gehen, wurden in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestrichen. Das Renteneintrittsalter stieg aber zugleich an: Bei Männern lag es nach Angaben der Rentenversicherung im Jahr 2000 bei 62,2 Jahren und im Jahr 2011 bei 63,8 Jahren. Bei Frauen stieg es im gleichen Zeitraum von 62,3 Jahren auf 63,2 Jahre.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wandte sich angesichts der Zahlen zur Frührente gegen die Rente mit 67. Die Daten seien ein „deutlicher Beleg, dass die Arbeitsbelastungen viel zu hoch sind und die Rente mit 67 unerreichbar ist“, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Die hohen Abschläge zeigten zudem, „dass Frühverrentung kein Luxus ist, sondern harte Einschnitte bei der Rente bedeutet“. Solange die Beschäftigten kaum eine Chance hätten, bis 65 Jahre zu arbeiten, müsse die Rente mit 67 zumindest ausgesetzt werden.