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Regierungskommission empfiehlt Obergrenze für Managergehälter

Frankfurt/Main (afp) – Die Bezüge von Topmanagern börsennotierter deutscher Unternehmen sollen künftig gedeckelt werden. Die Regierungskommission für gute Unternehmensführung empfahl am Dienstag in Frankfurt am Main, dass die Aufsichtsräte der Konzerne künftig entsprechende Obergrenzen bei der Vergütung der Führungsspitzen festlegen. Die Kontrollgremien sollen demnach künftig zudem überwachen, dass sich die Bezüge von Topmanagement und Belegschaft nicht zu weit auseinander entwickeln.

Daneben empfahl die Kommission Konzernen auch, in ihren Geschäftsberichten die Entwicklung der Bezüge der Topmanager im Langzeitvergleich auszuweisen. Auch sollen die Konzerne die Daten künftig in einheitlichen Tabellen aufbereiten und so Aktionären den Vergleich zu anderen Unternehmen ermöglichen. Dies werde jedoch erst für 2014 empfohlen. Außerdem sollen börsennotierte Unternehmen künftig in ihren Geschäftsberichten auch die Altersbezüge ihrer Vorstände ausweisen.

Einen entsprechenden Vorstoß zur Deckelung der Vorstandsbezüge hatte die Regierungskommission bereits im Frühjahr vergangenen Jahres angekündigt. Damals hatten zahlreiche Unternehmen in ihren Geschäftsberichten extrem hohe Vorstandsgehälter für das Jahr 2011 veröffentlicht. VW-Chef Martin Winterkorn erhielt beispielsweise 16,6 Millionen Euro, Siemens-Chef Peter Löscher 8,7 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren stiegen die Gehälter von Topmanagern in börsennotierten Konzernen vielfach massiv.

Anlegerschützer begrüßten die Vorschläge der Kommission. Aktionäre könnten künftig „schnell und ohne großen Analyseaufwand“ die Vergütung erkennen, die Konzernvorstände im besten Fall erhielten, erklärte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Wir sind gespannt, wie viele Gesellschaften tatsächlich die Darstellung ihrer Vorstandsvergütungen entsprechend anpassen werden.“ Da es sich nur um „Anregungen“ handle, könnten Aktiengesellschaften „ohne Gründe“ darauf verzichten.

Die Konzerne sollten die nötigen Änderungen zudem sofort umsetzen, forderte Tüngler. In den nächsten Wochen stellen noch viele Unternehmen ihre Geschäftsberichte für 2012 vor. „Es gibt keinen Grund, die Aktionäre noch ein weiteres Jahr auf die von uns schon seit langem angemahnte Transparenz warten zu lassen.“ Die notwendigen Daten und Zahlen lägen in den Konzernen vor.

Der Kodex der Regierungskommission sieht Leitlinien für gute Unternehmensführung vor. Die Kommission wurde 2001 vom Bundesjustizministerium ins Leben gerufen und verabschiedete 2002 die erste Fassung ihres Regelwerks. Durch den Kodex sollen börsennotierte deutsche Unternehmen für nationale und internationale Investoren durchsichtiger werden.