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Zweieinhalb Millionen Minijobber wünschen sich mehr Arbeit

Mehr als zweieinhalb Millionen Minijobber in Deutschland würden gern mehr arbeiten. Im Jahr 2010 hätten 52 Prozent der rund fünf Millionen geringfügig Beschäftigten gern eine umfangreichere Tätigkeit angestrebt, teilte das Statistische Bundesamt mit. Etwa jeder Zweite von ihnen fand demnach keinen passenden Job, die andere Hälfte musste den Wunsch aufgrund ihrer persönlichen Situation zurückstellen.

Wiesbaden (afp) – Mehr als zweieinhalb Millionen Minijobber in Deutschland würden gern mehr arbeiten. Im Jahr 2010 hätten 52 Prozent der rund fünf Millionen geringfügig Beschäftigten gern eine umfangreichere Tätigkeit angestrebt, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Etwa jeder Zweite von ihnen fand demnach keinen passenden Job, die andere Hälfte musste den Wunsch aufgrund ihrer persönlichen Situation zurückstellen.

Vor allem unter den geringfügig Beschäftigten, die arbeitssuchend gemeldet waren, sei der Wunsch nach mehr Arbeit erwartungsgemäß hoch gewesen, erklärten die Statistiker unter Berufung auf eine Umfrage unter 6000 Betroffenen. 73 Prozent von ihnen hätten mehr arbeiten wollen, aber keine Beschäftigung gefunden. Unter den Hausfrauen und -männern lag der Anteil demnach bei 30 Prozent, bei Rentnern bei sechs Prozent; bei Schülern und Studenten bei 15 Prozent.

Wichtigster Grund bei Minijobbern für den Verzicht auf Mehrarbeit trotz des entsprechenden Wunschs seien bei Hausfrauen und Hausmännern familiäre Verpflichtungen und Kinderbetreuung gewesen, teilten die Statistiker mit. Bei Schülern und Studenten sei es die laufende Ausbildung gewesen und der Wunsch, Zeit für andere Dinge zu haben.

Größte Gruppe unter den geringfügig Beschäftigten waren Hausfrauen und Hausmänner mit 35 Prozent, teilte die Statistikbehörde mit. Weitere große Gruppen waren Ruheständler (22 Prozent) sowie Schüler und Studierende (20 Prozent). Arbeitslose machten elf Prozent aus. Bei Hausfrauen und Hausmännern lag der Frauenanteil bei 97 Prozent. Bei den übrigen Gruppen waren die Anteile von Frauen und Männern ausgeglichen.

Die Zahlen zeigten, dass immer mehr Bürger „in der Minijobfalle gefangen“ seien, kritisierte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt, Wolfgang Stadler. „Viele Menschen wünschen sich mehr Arbeit, damit sie davon leben können.“ Die Politik müsse deshalb die Schaffung von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen unterstützen und den Niedriglohnbereich stärker begrenzen.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, bezeichnete Minijobs als eine „Beschäftigungsbremse“. Die Umfrage zeige, dass Minijobs den Zugang zu sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen nicht verbesserten. Die Situation werde durch mangelnde Kinderbetreuungsangebote noch verschärft. Besonders Frauen könnten deshalb nicht Familie und Beruf in Einklang bringen „und versauern in Kleinstjobs ohne berufliche Perspektive“.