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Tourismus: Getrübte CO2-Bilanz

Im Vorfeld der ITB in Berlin, dem Treffpunkt der Tourismusbranche, hat das Bankhaus Sarasin ein „Sustainability Spotlight“ zum Thema veröffentlicht und darin relevante Reiseanbieter unter die Lupe genommen. Als eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige ist die Tourismusbranche mittlerweile auch für rund 5% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich und die Branche wächst weiter.

Frankfurt (csr-news) > Im Vorfeld der ITB in Berlin, dem Treffpunkt der Tourismusbranche, hat das Bankhaus Sarasin ein „Sustainability Spotlight“ zum Thema veröffentlicht und darin relevante Reiseanbieter unter die Lupe genommen. Als eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige ist die Tourismusbranche mittlerweile auch für rund 5% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich und die Branche wächst weiter.

Erstmals wurden im letzten Jahr eine Milliarde grenzüberschreitende Reisen unternommen, dazu kommen nach Schätzungen noch etwa 4 Milliarden Binnenreisen. Ein Ende dieses Anstiegs ist nicht in Sicht, bis 2030 soll nach Angaben der UN-Welttourismusorganisation (UNWTO) die Anzahl der grenzüberschreitenden Reisen um jährlich rund drei Prozent zunehmen. Schon heute zählt der Tourismus zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweigen und generiert gut neun Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Neben den aussichtsreichen Perspektiven vor allem für Schwellen- und Entwicklungsländer bedeutet dieses Wachstum aber auch steigender Ressourcenverbrauch, eine Zunahme der Emission von Treibhausgasen aber auch unschöne Eingriffe in Landschaften und nicht zuletzt oftmals auch prekäre Arbeitsbedingungen. Die UN-Welttourismusorganisation (UNWTO) hat ermittelt, dass sich die durch den Tourismus verursachten CO2-Emissionen hauptsächlich auf Luftverkehr (39%), Autoverkehr (32%) sowie Unterkunft und Verpflegung (20%) verteilen. Somit sind rund 70% dem Personentransport zuzuschreiben. „Wäre der Tourismus ein Land, stünde er in der Rangliste der Hautemittenten von Treibhausgasen an fünfter Stelle“, heißt es in der Untersuchung. Diese Emissionen sind gleichzeitig eine der großen Gefahren des Tourismus, etwa durch überflutete Inseln oder schneearme Wintersportgebiete. Die direkten Auswirkungen sind unübersehbar.

Auswirkungen, wie sie auch von den Konsumenten wahrgenommen werden und immer öfter als Entscheidungskriterium für den Kauf einer Reise berücksichtigt werden. Gefragt sind vor allem umweltfreundliche Hotels die auch soziale Verantwortung zeigen. Auch wenn der Einfluss der Destination auf den ökologischen Fußabdruck deutlich niedriger als die An- und Abreise ist, haben führende Tourismusunternehmen damit begonnen, eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie in ihr Geschäftsmodell einzubauen. Zu den Vorreitern gehört der Schweizer Touristikkonzern Kuoni. Als erstes Touristikunternehmen hat Kuoni 2012 die vom UN-Menschenrechtsrat verabschiedeten Leitlinien zur Respektierung der Menschenrechte in seine Nachhaltigkeitsstrategie übernommen. Für jedes Glied der globalen Wertschöpfungskette hat Kuoni Umwelt- und Sozialstandards definiert und Ziele vereinbart. Zudem hat sich das Unternehmen als erster großer Reiseanbieter mit dem „TourCert“- Label zertifizieren lassen. Als zweiten großen Player mit Nachhaltigkeitsambitionen hat Sarasin die französische Hotelkette Accor benannt. Im Rahmen des unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsprogramm „Planet21“ wurden für alle Hotels der Gruppe Ökobilanzen erstellt. Trotz ehrgeiziger Expansionspläne will Accor diese im Einklang mit dem Nachhaltigkeitsmanagement realisieren. Dazu sind unter anderem Vorgaben für den schonenden Umgang mit Ressourcen festgeschrieben aber genauso die Einhaltung von sozialen Standards. Als drittes Unternehmen nennt Sarasin den britischen Tourismuskonzern Whitbread. Schon 2009 hat das Unternehmen die Geschäftsstrategie um ökologische und soziale Aspekte erweitert. Im vergangenen Jahr wurde ein ökologischer Fußabdruck erstellt, der belegte, dass 71 Prozent des emittierten CO2 aus der Lieferkette stammen. Im Dialog mit den Lieferanten verfolgt der Konzern nun die Reduktion diese Wertes.

Bei immer mehr Kunden fließen Nachhaltigkeitsentscheidungen in die Kaufentscheidung für eine Reise ein, Tourismusanbieter, die hier eine Vorreiterrolle übernehmen, können davon mit überdurchschnittlichem Wachstum und erhöhter Kundentreue profitieren, so das Fazit der Studie. Schon jetzt weisen Hotels mit ausgeprägten Umwelt- und Sozialstandards eine deutlich höhere Anzahl von Stammgästen auf.

Die Studie zu den verbreiteten Labels: Von den weltweit rund 100 Labels im Tourismusbereich tragen etwa 20 dazu bei, die ökologischen, sozialen und kulturellen Belastungen des Tourismus zu verringern und den wirtschaftlichen Nutzen für Land und Leute zu erhöhen. International die aussagekräftigsten Label sind: „The Green Key“, „Earth Check“, „Green Globe“ und „CSR Tourism“. Sie zeichnen weltweit rund 2.000 Tourismusanbieter aus, welche die Nachhaltigkeitsbereiche Umwelt, Soziales, Wirtschaft und Kultur umfassend berücksichtigen.

Das aktuelle Faktenpapier „Grüner Tourismus – Chancen für zukunftsorientierte Unternehmen“ sowie der im Januar 2012 erschienene, umfassende Nachhaltigkeits-Branchenreport „Auf sanfter Tour stehen in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung.