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Deutschland-Umfrage: Was ist gerecht?

Gerechtigkeit gehört im Wahljahr 2013 zu den großen Themen, die zwischen und in den Parteien diskutiert werden. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wollte wissen, wie die Bevölkerung darüber denkt. Wichtigstes Fazit: Vor allem faire Chancen und Teilhabe sind für die Deutschen Zeichen einer gerechten Gesellschaft. Die tatsächlich empfundene Gerechtigkeitslücke müsse nicht von der Wirtschaft, sondern von der Politik geschlossen werden.

Berlin (csr-news) > Gerechtigkeit gehört im Wahljahr 2013 zu den großen Themen, die zwischen und in den Parteien diskutiert werden. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wollte wissen, wie die Bevölkerung darüber denkt. Wichtigstes Fazit: Vor allem faire Chancen und Teilhabe sind für die Deutschen Zeichen einer gerechten Gesellschaft. Die tatsächlich empfundene Gerechtigkeitslücke müsse nicht von der Wirtschaft, sondern von der Politik geschlossen werden.

Doch die Politik kommt ihren Aufgaben in den Augen der Befragten nur unzureichend nach. Gut zwei Drittel sehen sie sogar als Verursacher einer steigenden Ungerechtigkeit. Rund 3000 Bürger hat das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) in den vergangenen Monaten befragt um ein Stimmungsbild vor der Wahl zu erstellen. Es zeigt sich, dass die Lebensverhältnisse schon seit geraumer Zeit als ungerecht empfunden werden und die soziale Ungerechtigkeit weiter auf dem Vormarsch ist. Dabei sehen sich die Deutschen hierzulande noch in einer vergleichsweise komfortablen Situation. Immerhin glauben 23 Prozent, dass die soziale Gerechtigkeit im internationalen Vergleich in Deutschland am größten ist, weit abgeschlagen werden die USA und China als Nationen empfunden in denen die Bürger gerechte Verhältnisse vorfinden. Der Adressat für eine Verbesserung der Verhältnisse ist schnell gefunden, die Politik soll es richten. Aber was ist zu tun, um soziale Gerechtigkeit herzustellen. „Nur für 21 Prozent der Befragten hat Verteilungsgerechtigkeit Vorrang, wohingegen fast dreimal so vielen – 57 Prozent – Chancengerechtigkeit am wichtigsten ist“, so Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des IfD Allensbach. Besonders viel versprechen sich die Bürger von einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, z. B. von besseren Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder und von Maßnahmen, mit denen Schüler im Bildungssystem besser auf das Berufsleben vorbereitet werden. Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des INSM: „Bildung ist vorsorgende Sozialpolitik: Deutschland leistet sich zu viele Schulabbrecher und Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung. Mehr Gerechtigkeit entsteht durch gleiche Bildungs- und Teilhabechancen. Hier muss die Politik ihren Ankündigungen endlich Taten folgen lassen, statt auf rückwärtsgewandte Steuerdiskussionen oder populistische Umverteilungsforderungen zu setzen“. Von der Einführung einer Frauenquote für Spitzenpositionen verspricht sich die Mehrheit keinen nennenswerten Beitrag zur Chancengerechtigkeit. Auf klare Ablehnung trifft das Betreuungsgeld: nur 21 Prozent halten es für geeignet, um mehr Gerechtigkeit herzustellen. Leistungsgerechtigkeit sehen die Befragten vor allem durch das sogenannte Abstandsgebot hergestellt. Mehr als 80 Prozent sind der Meinung: Wer arbeitet, solle deutlich mehr verdienen als derjenige, der nur von staatlicher Unterstützung lebt. Tatsächlich glaubt aber nur knapp ein Drittel, dass diese Gerechtigkeit am Arbeitsmarkt besteht und nur 43 Prozent trauen dem System der sozialen Marktwirtschaft zu, auch tatsächlich soziale Gerechtigkeit herstellen zu können. „Die Marktwirtschaft wird nicht wegen ihrer Freiheitsspielräume akzeptiert und unterstützt, sondern aufgrund der Hoffnung und Erfahrung, an den Erfolgen der Marktwirtschaft teilhaben zu können“, so Pellengahr.

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