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Qualitätsmanagement verbessert Produktivität und Arbeitsklima: eine moderne Textilfabrik in Dhaka

Die Textilbranche in Bangladesch ist in den letzten Jahren stark gewachsen. „Mancher Unternehmer hat heute zehn oder mehr Produktionsstätten“, sagt Fuad Abdullah, Inhaber und Direktor der Firma S.F. Denim Apparels. Den Kern seines Unternehmens bilden zwei Textilfabriken, so kann der Unternehmer den Überblick behalten. „Die besuche ich heute seltener als früher – wegen dem Verkehr in Dhaka.“ Schon Abdullahs Vater hat mit Textilien gehandelt. Die Familie lebte zeitweise in Rotterdam und Abdullah studierte in Boston. Sein 1990 gegründetes Unternehmen gilt heute als vorbildlich.

Dhaka (csr-news) – Die Textilbranche in Bangladesch ist in den letzten Jahren stark gewachsen. „Mancher Unternehmer hat heute zehn oder mehr Produktionsstätten“, sagt Fuad Abdullah, Inhaber und Direktor der Firma S.F. Denim Apparels. Den Kern seines Unternehmens bilden zwei Textilfabriken, so kann der Unternehmer den Überblick behalten. „Die besuche ich heute seltener als früher – wegen dem Verkehr in Dhaka.“ Schon Abdullahs Vater hat mit Textilien gehandelt. Die Familie lebte zeitweise in Rotterdam und Abdullah studierte in Boston. Sein 1990 gegründetes Unternehmen gilt heute als vorbildlich.

S.F. Denim ist auf Freizeitkleidung spezialisiert – vorwiegend für Kinder und Jugendliche. Die Produkte gehen überwiegend nach Europa – und dort für Marken wie C&A oder H&M insbesondere nach Deutschland. Die USA sind ein anderes wichtiges Abnehmerland und die Märkte in China, Indien und Mexiko gewinnen für S.F. Denim an Bedeutung. Stoffe und Zubehörteile werden dem Unternehmen zugeliefert, alle weiteren Verarbeitungsschritte leisten die 5.000 Mitarbeiter selbst. Eine der beiden Textilfabriken liegt im nördlichen Dhaka, die andere vor den Toren der Stadt. „Die Grundstückspreise in Dhaka steigen unaufhörlich“, sagt Abdullah. In einigen Jahren werden in der Stadt wohl Banken die Flächen der verarbeitenden Unternehmen einnehmen. Vor der Stadt sind die Grundstücke zwar deutlich günstiger, dafür müssen die Unternehmen ihre Arbeitnehmer mit Bussen herbeischaffen.

S.F. Denim hat am Stadtrand einen Flachbau errichtet, das in den Jahren 2006 bis 2009 in der Stadt errichtete Fabrikgebäude ragt acht Stockwerke in die Höhe, 2.300 Männer und Frauen sind hier tätig. Außer den Aufzügen führen zwei geräumige Treppenhäuser nach unten in einen offenen Hof. Der Warendurchlauf beginnt auf dem obersten Stockwerk: Warenannahme, Eingangskontrolle, Mustererstellung und –freigabe sind Abläufe, wie sie in Europa nicht anders ablaufen. Beim Zuschnitt sind wenige Arbeiter auf großer Fläche tätig. Der Unterschied wird auf den vier Stockwerken der Näherei deutlich: Frauen und auch einige Männer sitzen Reihe an Reihe vor ihren Maschinen, denn das Nähen ist Handarbeit. Die Räume sind hell und gute belüftet, die Durchgänge breit.

Eine Maschine ersetzt fünf paar fleißige Hände

Erste Geräte von Marken wie Brother oder Juki sind inzwischen voll- oder teilautomatisiert. So näht eine „Juki“ lasergesteuert Taschen und ersetzt damit fünf Paar fleißige Hände. „Wenn wir diese Maschine nicht hätten, bekämen wir manche Aufträge nicht“, sagt Abdullah. Denn die Maschine arbeitet exakter als der Mensch. Ansonsten rechne sich die Investition in eine Vollautomatisierung angesichts der Lohnkosten nicht. Und die Teilautomaten würden wohl Hilfskräfte, nicht aber die gut eingearbeiteten Fachkräfte ersetzen.

Die Regelarbeitszeit beträgt acht Stunden im Einschichtbetrieb; bis zu vier Überstunden pro Tag und bis zu 72 Wochenstunden sind gesetzlich zulässig. 14 Urlaubstage erhalten die Beschäftigten; hinzu kommen die gesetzlichen Feiertage. Die Arbeitskosten betragen etwa 15 Prozent der gesamten Produktionskosten. Die Hälfte macht in Abdullahs Kalkulation der Stoffeinkauf aus, hinzu kommen bis zu 25 Prozent für Zubehör wie Reißverschlüsse und Knöpfe. Auch Abdullah steht in harten Preisverhandlungen mit den Einkäufern, und manchmal entscheiden 10 Cent darüber, ob er einen Auftrag erhält oder nicht.

Die Beschäftigten sind allerdings nicht nur ein Kosten-, sondern auch ein wesentlicher Erfolgsfaktor seines Unternehmens. „Ich könnte mein Unternehmen hier nicht ab- und genauso anderswo wieder aufbauen“, sagt Abdullah. Es brauche Jahre, bis ein Unternehmen einen qualifizierten Mitarbeiterstamm aufgebaut habe und seine Produkte dadurch eine „gute Handschrift“ erhalten. Kein Einkäufer würde in einer neuen Fabrik gute Aufträge platzieren. Um seine Mitarbeiter im Unternehmen zu halten, sind nach Abdullahs Erfahrung eine pünktliche Gehaltszahlung, der respektvolle Umgang des Managements mit den Arbeitern und eine saubere und angenehme Arbeitsumgebung wichtig. Zudem schafft das Unternehmen langfristige Anreize wie einen Gehaltszuschlag pro Jahr der Betriebszugehörigkeit.

Neben der Produktion arbeiten Mitarbeiter hinter einer Glaswand am Qualitätsmanagement und der Verbesserung der Produktionsabläufe. Dazu geschieht bei S.F. Denim etwas, dass in den Fabriken Bangladeschs nicht üblich ist: Umfangreiche Parameter werden gemessen, beispielsweise die Produktionsgeschwindigkeit, der Ausschuss oder die Abfallmengen. Abdullah macht keinen Hehl daraus, dass er dies von den Einkäufern gelernt hat, allen voran von C&A. Die europäische Handelsmarke hat ihrem Lieferanten in Bangladesch gezeigt, wie mit gemischten Teams ein Qualitätsmanagement aufgebaut und die Produktivität des Unternehmens verbessert werden kann. Produktions- und HR-Manager denken heute mit Textilarbeitern gemeinsam darüber nach, wie der Materialverbrauch reduziert oder Fehlzeiten verkürzt werden können. Die dabei entstehende umfassenden Dokumentationen und Tabellen erinnern an Europa.

Das nach dem tragischen Brand in einer Textilfabrik im Norden Dhakas mit über 100 Toten vor vier Monaten der Brandschutz großgeschrieben wird, ist auch in Abdullahs Fabrik zu sehen. An jeder Säule hängen Feuerslöscher und auch in jedem Flur. „Wir haben gerade einige zusätzlich aufgehängt.“ Im Flur steht auch ein Fass mit Wasser, neben dem vier Eimer hängen. „Das brauchen wir wegen einer alten Verordnung.“ Ansonsten hat sich Abdullah eine Konstruktion einfallen lassen, mit denen er die Ausgangstüren zu den Fluren während der Arbeitszeiten stabil offenstellen lässt, sodass sie nicht mal eben geschlossen werden können. Die meiste Angst hat der Unternehmer aber vor einer Panik im Brandfall – und setzt deshalb auf regelmäßige Übungen mit seiner Belegschaft.

S.F. Denim ist ein wirtschaftlich erfolgreiches und modernes Unternehmen, dessen 15-köpfige Complianceabteilung für die Umsetzung der Arbeitsschutz- und Sozialbestimmungen in den Alltag sorgt. Eine Vereinheitlichung der Compliancebestimmungen der Einkäufer würde sich Abdullah schon wünschen. Manche kommen „mit einem eigenen Buch“. Er habe gehört, dass sich in diese Richtung in Europa etwas bewege.

Was würde die Textilindustrie in Bangladesch sonst voranbringen? Eine breiter aufgestellte Textilindustrie, sagt Abdullah, die Zahl der Hersteller von Knöpfen und Reizverschlüssen in Bangladesch wachse erfreulicherweise bereits. Und eine bessere Infrastruktur brauche die Industrie: Die überfüllten Straßen, wenige Eisenbahnlinien und häufige Stromausfälle sind hinderlich und treiben die Kosten nach oben. Und es zusätzliche Investition in die Berufsausbildung, denn Abdullah erlebt: „Wir haben Schwierigkeiten, gut ausgebildete Textilarbeiter und Maschinenführer zu finden.“