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Immer mehr Menschen arbeiten nachts oder am Wochenende

Berlin (afp) – Eine wachsende Zahl von Beschäftigten in Deutschland arbeitet am Wochenende, in der Nacht oder im Schichtbetrieb. Wie aus einer am Montag bekannt gewordenen Antwort der Bundesregierung auf eine Linken-Anfrage hervorgeht, arbeitete 2011 jeder Vierte ständig oder regelmäßig am Wochenende. Die Zahl der Wochenend-Arbeiter stieg damit seit 2004 um 2,2 Millionen auf zuletzt 8,9 Millionen.

Besonders beim Verkaufspersonal und in der Gesundheitsbranche ist Arbeit am Wochenende weit verbreitet, heißt es in der Regierungsantwort, die AFP vorlag. Beschäftigte beider Branchen leisten demnach auch häufig Schichtarbeit, ebenso Menschen mit sozialen Berufen sowie Maschinen- und Anlagenführer. Insgesamt stieg die Zahl der Beschäftigten mit Schichtdiensten von 4,8 Millionen im Jahr 2001 auf sechs Millionen 2011. Schichtarbeiter sind Studien zufolge höheren psychischen Belastungen ausgesetzt, für sie bestehen erhöhte gesundheitliche Risiken.

Bei der Nachtarbeit verzeichneten die Behörden laut Bundesregierung ebenfalls einen leichten Anstieg: Mit 3,3 Millionen erreichte die Zahl der Nachtarbeiter 2011 ihren bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2008. In den Jahren 2009 und 2010 war die Anzahl der Beschäftigten mit Nachtarbeit leicht gesunken.

Auch die Zahl der Beschäftigten mit überlangen Arbeitszeiten nahm zu: Arbeiteten 2001 noch 1,56 Millionen Beschäftigte 49 Wochenstunden oder mehr, waren es 2011 knapp 1,92 Millionen. „Gemessen an allen Beschäftigten sind überlange Arbeitszeiten aber nach wie vor eine Ausnahme“, betonte die Bundesregierung in ihrer Antwort. Überlange Arbeitszeiten sind demnach unter anderem in „Berufen in der Unternehmensleitung, -beratung und -prüfung“ verbreitet, aber auch bei Lehrern, kaufmännischen Angestellten und Ingenieuren.

Eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums nannte als Gründe für die Entwicklung unter anderen die Erweiterung des Dienstleistungssektors. Prinzipiell sei dies „sicher nicht ein Problem“. Problematisch werde es dann, wenn Missbrauch betrieben werde und Arbeitnehmerrechte nicht berücksichtigt würden.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte, eine „derartige Flexibilisierung“ bei den Arbeitszeiten trage zum Wohlstand bei. „Wir sind dankbar, dass an den Hotlines der Fluggesellschaften auch nach 18.00 Uhr noch jemand erreichbar ist. Das ist der Lauf der Welt“, sagte Döring in Berlin.

Dagegen warnte die Linken-Arbeitsmarktexpertin Jutta Krellmann, atypische Arbeitszeiten griffen „immer mehr um sich“. Die Bundesregierung müsse endlich handeln. „Neben der Einführung einer Anti-Stress-Verordnung ist es dringend notwendig, dass atypische Arbeitszeiten eingegrenzt werden. Arbeiten am Wochenende, am Abend, in der Nacht und in Schicht müssen auf ein unvermeidbares Ausmaß reduziert werden.“