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Chancen für junge Menschen und Fachkräfte für die Industrie: CISD Berufsbildungscenter Dhaka

Für die Entwicklung seiner Industrien braucht Dhaka Facharbeiter. Das Bildungssystem des Landes leidet aber unter strukturellen Schwächen. Nichtregierungsunternehmen und Unternehmen wenden sich deshalb dem Bildungssektor mit eigenen Initiativen zu. Ein Beispiel: das von Grameen Shikkha mit Unterstützung der europäischen Handelshauses C&A errichtete CISD Berufsbildungscenter 30 Kilometer nördlich von Dhaka.

Dhaka (csr-news) – Für die Entwicklung seiner Industrien braucht Dhaka Facharbeiter. Das Bildungssystem des Landes leidet aber unter strukturellen Schwächen. Nichtregierungsunternehmen und Unternehmen wenden sich deshalb dem Bildungssektor mit eigenen Initiativen zu. Ein Beispiel: das von Grameen Shikkha mit Unterstützung der europäischen Handelshauses C&A errichtete CISD Berufsbildungscenter 30 Kilometer nördlich von Dhaka.

Fünf Jahre dauert die schulische Grundausbildung in Bangladesch. Der Besuch der staatlichen Schulen ist kostenlos, bringt aber nicht weiter: In überfüllten Klassen und einem Unterricht im „Vorlesungsstil“ lernen die Kinder wenig. Deshalb boomt der Nachhilfeunterricht und wer es sich eben leisten kann, schickt seine Kinder am Nachmittag zu den Privatlehrern. Das sind manchmal auch die gleichen wie am Vormittag, die dann aber kleine Lerngruppen und eine bessere Didaktik anbieten. Kindern aus armen Familien ist dieser Weg versperrt, viele bleiben praktische Analphabeten.

Auf die fünfjährige Grundschule folgt eine fünfjährige weiterführende Schule und dann die zweijährige Vorbereitung auf die Hochschule oder der Einstieg in eine Berufsqualifizierung. Auch für letztere gibt es staatliche Einrichtungen, deren Anzahl und Qualität – so Experten – den Bedürfnissen einer sich rasch entwickelnden heimischen Industrie nicht standhält. „Es gibt nicht genug Lehrer, es gibt nicht genug Schulgebäude und der Unterricht ist nicht ausreichend praxisorientiert“, sagt Qazi Nazrul Huque, der stellvertretende Leiter von Grameen Shikkha.

Grameen Shikkha heißt die von Nobelpreisträger Muhammad Yunus gegründete Bildungsstiftung, die personell mit der besser bekannten Grameen Bank verbunden ist und ihren Sitz am Hauptquartier der Bank hat. Um Kindern den Weg in das Bildungssystem zu ebnen, richtete Grameen Shikkha in der Stadt verteilt 20 Slum-Schulen ein. Hier werden bis zu 30 Kinder pro Klasse nach dem Unterrichtsende der staatlichen Schulen weiter gefördert – zum Preis von 10 Taka pro Monat (10 Cent). Seit 2008 begegnet die Bildungsstiftung Armut und Arbeitslosigkeit zudem mit einem Berufsausbildungsprogramm. Zu den verschiedenen Grameen-Unternehmungen gehören unter der Firmenbezeichnung Grameen Shamogree Fabriken, die ebenfalls Facharbeiter benötigen.

Im Jahr 2008 startete Grameen Shikkha das Berufsausbildungscenter Savar im Norden Dhakas. In kleinen Gruppen und wechselnden Programmen am Vor- und am Nachmittag werden hier Kurse in industrieller Textilproduktion, Textilmaschinen-Mechanik, Elektroinstallation, Computerhard- und –software sowie der Reparatur von Mobiltelefonen und in der Nutzung erneuerbarer Energien angeboten. Jeder der 10 bis 15 Schüler erhält theoretischen und praktischen Unterricht und bei Bedarf individuelle Nachhilfe. Die Lehrer kommen aus der Praxis, pflegen Netzwerke zu den umliegenden Unternehmen und vermitteln ihre Schüler am Kursende dorthin. So erhält jeder Abgänger einen Job.

Anhand erster Erfahrungen hat Grameen Shikkha das Kursdesign weiterentwickelt: Zunächst dauerten die Kurse ein Jahr, was sich als zu lang erwies, es gab Abbrecher. Nun sind sie in einen viermonatigen und einen darauf aufbauenden dreimonatigen Block unterteilt. Zudem wurden die Kurse zuerst kostenfrei angeboten. Nach dem Motto „Was nichts kosten, ist auch nichts“ wird jetzt eine geringe Gebühr fällig, wobei besonders bedürftige Schüler ein Stipendium erhalten können.

Während sich das Berufsausbildungscenter Savar in einem landestypischen Flachbau befindet, hebt sich das im Januar eröffnete CISD Berufsbildungscenter deutlich von seiner Umgebung ab. Fünf Stockwerke ragt das moderne Gebäude in die Höhe, zwei Jahre dauerte der Bau. 16 Unterrichtsräume, einen Freizeitraum, eine Kantine, eine Bücherei, Büroflächen und Schlafräume für 100 Schüler wird das Center nach Abschluss der Innenausbauten beherbergen. Bis zu 1.200 Schüler pro Jahr sollen hier einmal ausgebildet werden. Die für den Bau notwenigen 55 Millionen Taka (530.000 Euro) standen durch die Unterstützung der C&A Foundation zur Verfügung. Für mindestens fünf Jahre wird die Stiftung zudem die Finanzierung des Berufsausbildungscenters sicherstellen.

Die Ausbildung von Textilmechanikern hat bereits begonnen, weitere Kurse im CISD Berufsbildungscenter sollen demnächst folgen. Ein Kurs wird sich der industriellen Elektroinstallation widmen. Die unzureichende Installation und die Überlastung der elektrischen Anlagen gelten als Hauptrisiken für Brände, die in Textilfabriken zuletzt hunderte von Toten forderten.

Wer mit den Lehren vor Ort und den Verantwortlichen der Grameen Stiftung über das Projekt redet, gewinnt den Eindruck: Hier handeln Menschen aus Überzeugung und mit dem Ziel, jungen Menschen in ihrem Land eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Grameen Shikkha >> im Internet