Nachrichten

Waffenverkäufe gehen zurück

Erstmals seit 1994 mussten die 100 größten Rüstungskonzerne der Welt Rückgänge beim Verkauf ihrer Waffensysteme hinnehmen. Laut einer Untersuchung des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri sind dafür Sparprogramme und Kürzungen der Rüstungsetats verantwortlich. Die Konzerne reagieren und suchen nach neuen Geschäftsfeldern, wichtigster Wachstumsmarkt sind demnach Cyberwaffen.

Stockholm (csr-news) > Erstmals seit 1994 mussten die 100 größten Rüstungskonzerne der Welt Rückgänge beim Verkauf ihrer Waffensysteme hinnehmen. Laut einer Untersuchung des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri sind dafür Sparprogramme und Kürzungen der Rüstungsetats verantwortlich. Die Konzerne reagieren und suchen nach neuen Geschäftsfeldern, wichtigster Wachstumsmarkt sind demnach Cyberwaffen.

Trotzdem haben die 100 größten Rüstungskonzerne auch 2011 noch mehr als 300 Milliarden Euro mit Waffensystemen und militärischen Dienstleistungen verdient, fünf Prozent weniger als im Jahr zuvor und vor allem erstmals seit fast zwanzig Jahren ein Rückgang. Neben den Sparmaßnahmen sollen auch die Truppenabzüge aus dem Irak und Afghanistan für die rückläufige Nachfrage verantwortlich sein. Zu den größten Anbietern gehören nach wie vor amerikanische Hersteller, an erster Stelle das US-Unternehmen Lockheed Martin. Rund 60 Prozent des Marktes entfallen auf die amerikanischen Hersteller, immer noch 29 Prozent auf europäische Unternehmen, von denen EADS als größer europäischer Anbieter geführt wird. Allerdings sind die Zahlen nicht vollständig, denn China haben die Friedensforscher aufgrund fehlender Daten komplett ausgelassen. Auf Platz 26 nennet Sipri als größtes deutsches Unternehmen die Düsseldorfer Rheinmetall AG. Auf die scheint der allgemeine Trend jedoch nicht zuzutreffen, das Unternehmen meldete erst vor wenigen Tagen für den Unternehmensbereich „Defence“ einen Rekord, Aufträge für fast drei Milliarden Euro konnten im vergangenen Jahr akquiriert werden. Die Düsseldorfer produzieren nahezu die gesamte Palette militärischer Technik, von Waffensystem über Fahrzeuge, Simulatoren für die Ausbildung bis hin zu Drohnen. „Der Unternehmensbereich Defence ist auf die Entwicklung und Fertigung von Komponenten und Systemen zum Schutz von Menschen, Fahrzeugen, Flugzeugen, Schiffen und Objekten spezialisiert und schützt als Ausrüster von Bundeswehr und Nato-Staaten die Einsatzkräfte, die an Operationen zum Schutz von Demokratien und freiheitlichen Rechtsstaaten teilnehmen“, heißt es dazu im Vorwort des aktuellen CSR-Reports. Insgesamt sind im Sipri-Report noch drei weitere Anbieter aus Deutschland aufgeführt, Thyssen Krupp, Krauss Maffei Wegmann und Diehl, die allesamt in ihren Rüstungssparten zulegen konnten.

Für die nächsten Jahre sehen die Friedensforscher allerdings wieder einen Anstieg der Rüstungsgeschäfte unter anderem ausgelöst durch das Wachstumssegment Cyberwaffen. In diesem Segment sind die Umsätze schon in der Vergangenheit deutlich gestiegen. Für die Abwehr von Angriffen auf Computersysteme haben die Staaten weltweit rund 51 Prozent mehr ausgegeben. Laut Security Bulletin des Virenspezialisten Kaspersky haben Vorfälle mit Cyberwaffen im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Für Unternehmensgründer Eugen Kaspersky sollten Cyberwaffen, ähnlich wie biologische, chemische oder nukleare Waffen international geächtet werden.

Liste der TOP 100 Rüstungskonzerne