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World Ocean Review 2: Die Zukunft der Fische und der Fischerei

Können wir in Zukunft noch mit gutem Gewissen Fische essen und wenn ja, welche? Aktuell gilt ein Viertel aller Speisefische als überfischt und weitere 30 Prozent als gefährdet. Mit dem „World Ocean Review 2“ wurde gestern eine der bislang umfangreichsten Analysen zur Zukunft der weltweiten Fischbestände und der internationalen Fischerei vorgelegt.

Hamburg (csr-news) > Können wir in Zukunft noch mit gutem Gewissen Fische essen und wenn ja, welche? Aktuell gilt ein Viertel aller Speisefische als überfischt und weitere 30 Prozent als gefährdet. Mit dem „World Ocean Review 2“ wurde gestern eine der bislang umfangreichsten Analysen zur Zukunft der weltweiten Fischbestände und der internationalen Fischerei vorgelegt.

Den Lebensraum Meer in seiner ganzen Komplexität aufzeigen ist ein Anliegen des Berichts. Herausgegeben wird er von der gemeinnützigen Organisation maribus. Die hat versucht zusammen mit Wissenschaftlern und Fischereiexperten unterstützt von Journalisten der Redaktion „Mare“ ein umfangreiches und aktuelles Bild über den Zustand der weltweiten Fischerei zu zeichnen. Ganz bewusst wurde dabei die wissenschaftliche Expertise allgemein verständlich übersetzt, zudem wird der knapp 150 Seiten umfassende Bericht kostenlos abgegeben. Im Zentrum des aktuellen Berichts WOR2 stehen Fische und deren Nutzung durch den Menschen. Fisch gilt seit jeher als eine der wichtigsten Lebensgrundlagen für den Menschen, als Lebensmittel und als Wirtschaftskraft. All das steht nun auf dem Prüfstand, denn die Fischbestände gehen weltweit zurück, ganze Meeresregionen gelten als überfischt, manche Arten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Der WOR 2 legt dar, wie die Situation der Fischbestände und der Fischerei tatsächlich ist, statt kurzfristig und medienwirksam Alarm zu schlagen. Fast 80 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte werden jährlich aus den Weltmeeren gefischt, eine Verfünffachung gegenüber dem Jahr 1950. Der Raubbau an der Ressource Fisch gefährdet dabei nicht nur die Nahrungsmittelversorgung einer global wachsenden Bevölkerung, sondern vor allem das sensible ökologische Gleichgewicht der Ozeane. Gerade in den Entwicklungsländern ist eine nachhaltige Fischerei, die die Bestände erhält, besonders wichtig, denn dort ist die Fischerei vor allem in den Küstengebieten Haupterwerbszweig und Fisch die wichtigste Quelle tierischen Proteins. In diesen Ländern wird die Fischerei noch als Handwerk mit kleinen Booten betrieben. Man schätzt die Zahl dieser sogenannten artisanalen Fischer weltweit auf rund 12 Millionen. Im Gegensatz dazu die moderne Industriefischerei mit großen Fabrikschiffen, auf denen der Fisch direkt verpackungsfertig weiterverarbeitet wird. In diesen industriellen Bereich arbeiten weltweit nur etwa 500.000 Menschen, die gegenüber den kleinen Fischern ein Vielfaches an Fisch verarbeiten können. Oftmals entscheidend ist aber auch die Betrachtung des Ökosystems Meer in seiner Gesamtheit. Es gibt weltweit rund 30.000 verschiedene Fischarten von denen rund 15.000 im Meer leben. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der verschiedenen Meereslebensräume. Die Fische und alle anderen Lebewesen im Meer sind in komplexen Nahrungsnetzen miteinander verbunden. Durch die Fischerei greift der Mensch in dieses Beziehungsgeflecht ein. Deshalb besteht eines der aktuell größten Probleme darin, dass einzelne Fischarten oft noch isoliert betrachtet werden, nicht aber in ihrer Wechselwirkung mit anderen Arten und in ihrer Bedeutung für das gesamte Ökosystem im Meer. „Das muss sich schnell und grundsätzlich ändern“, so Professor Martin Visbeck, Sprecher des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“. „Inzwischen gibt es international positive Beispiele für ein nachhaltiges Management der Ressource Fisch, auch unter ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten“. Deshalb soll WOR2 auch zu einem nachhaltig orientierten Fischeinkauf anregen.