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Tütensuppe statt Gemüseauflauf: Essen verkommt für viele Deutsche zur Nebensache

Zeitdruck, Geldmangel oder einfach Bequemlichkeit: Wenn es um gesundes Essen geht, sind die Menschen um Ausreden nicht verlegen. Statt Selbstgekochtes kommt dann Tiefkühlpizza auf den Tisch – und nebenbei läuft der Computer oder Fernseher. Bei jedem zweiten Bundesbürger verkommt Essen zur Nebensache, so das Fazit einer am Freitag veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse.

Von Andrea Hentschel

Leipzig (afp) – Zeitdruck, Geldmangel oder einfach Bequemlichkeit: Wenn es um gesundes Essen geht, sind die Menschen um Ausreden nicht verlegen. Statt Selbstgekochtes kommt dann Tiefkühlpizza auf den Tisch – und nebenbei läuft der Computer oder Fernseher. Bei jedem zweiten Bundesbürger verkommt Essen zur Nebensache, so das Fazit einer am Freitag veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Für die Studie wurden 1000 Bürger zu ihrem Ernährungsverhalten befragt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur jedem zweiten ist die Ernährung wirklich wichtig.

Immer häufiger kommen stattdessen schnelle Fertiggerichte auf den Tisch. Diesen Trend bestätigt auch die neue Studie. Im Schnitt greifen vier von zehn Verbrauchern mindestens ein- bis zwei Mal in der Woche zu Tütensuppe oder Tiefkühlpizza. Vor allem viele jüngere Leute sind offenbar zu bequem, sich selbst an den Herd zu stellen: Bei jedem sechsten unter 25 Jahren landet öfter als drei Mal pro Woche eine fertige Mahlzeit aus dem Supermarkt auf dem Teller.

Dabei weiß kaum ein Kunde, welche Zutaten in Fertiggerichten stecken, wie der jüngste Skandal um Pferdefleisch in Ravioli, Tiefkühllasagne oder Dosengulasch wieder einmal zeigte. Dennoch wird in vielen Familien oft nicht selbst gekocht. Täglich gekocht wird laut Studie nur in jedem zweiten Haushalt. In jeder dritten Familie wird immerhin drei- bis fünf Mal pro Woche ein Essen selbst zubereitet.

Die Alltagshektik, die Mobilität und die permanente Medienflut beeinflussen die Esskultur. Bei etwa einem Drittel der Befragten läuft beim Essen der Fernseher oder Computer. Gegessen werde „im Gehen und im Stehen“, parallel würden noch die E-Mails gecheckt, klagt TK-Chef Jens Baas. Vor allem jüngere Menschen essen oft mit der Gabel in der einen und dem Smartphone in der anderen Hand. Bei vier von zehn unter 25-Jährigen wird das Essen dadurch völlig nebensächlich, kritisieren die Autoren der Studie.

Die meisten essen nach dem Motto: Hauptsache, es schmeckt. 45 Prozent ist es am wichtigsten, dass ein Essen lecker ist. Deutlich weniger, nämlich 35 Prozent, legen Wert auf gesunde Kost. Obwohl bekannt ist, dass zu einer ausgewogenen Ernährung viel Obst und Gemüse und Fleisch nur in Maßen gehört, landet im Schnitt bei der Hälfte der Bevölkerung täglich Wurst und Fleisch auf dem Teller. Dass Frauen sich generell gesünder ernähren, ist bekannt. Dafür sind sie laut TK-Studie aber die „größeren Frustesser“. 40 Prozent der Frauen hauen bei schlechter Laune richtig rein, bei den Männern tun das nur halb so viele.

Als größte Hürde für eine gesündere Ernährung nennt die Hälfte der Befragten fehlende Zeit und Ruhe. In vielen Fällen ist es aber schlichtweg der „innere Schweinehund“, der die guten Vorsätze zunichtemacht, wie vier von zehn Befragten zugeben.

Von den Geringverdienern gibt zudem mehr als jeder dritte fehlendes Geld als Hindernis für eine gesunde Ernährung an. Gerade Menschen mit geringen Einkommen essen aber überdurchschnittlich oft in Fast-Food-Restaurants, was erheblich ins Geld geht, wie Baas erklärt. Auch Uta Gola vom Berliner Institut für Ernährung und Prävention betont: „Gesund zu essen, ist nicht allein Frage des Geldbeutels.“

Wer allerdings auch im Arbeitsalltag auf gesunde Ernährung achten will, hat tatsächlich ein Problem. Die guten Vorsätze scheitern oft nicht nur an der begrenzten Auswahl, sondern vor allem am Zeitdruck. Nur jeder Zweite kann in den Arbeitspausen in Ruhe essen. „Ein Drittel aller Berufstätigen beklagt, dass eine gesunde Ernährung bei der Arbeit schlichtweg nicht möglich ist“, erklärt Forsa-Chef Manfred Güllner. Viele Arbeitnehmer essen deshalb im Job nicht viel, dafür dann aber abends zuhause reichlich.

Die Folgen einer ungesunden Ernährung sind bekannt: 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen in Deutschland gelten als übergewichtig. Nicht wenige suchen ihr Heil in immer neuen Diäten.