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Streit um Betriebsratsgründung bei Vapiano

Berlin/Bochum (afp) – Im Streit um die Gründung eines Betriebsrats beim Gastronomie-Unternehmen Vapiano in Bochum ermittelt nun die Staatsanwaltschaft: Nachdem die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der Wahlvorstand Vapiano wegen massiver Behinderung von Betriebsratswahlen anzeigte, kündigte die Restaurantkette am Montag wiederum Strafanzeige von Mitarbeitern gegen die Initiatoren der Betriebsratsgründung wegen Nötigung an.

Nach Informationen von „Welt Online“ reichte die NGG bereits am Freitag bei der Staatsanwaltschaft Bochum Strafantrag gegen Vapiano ein. Demnach sollen drei Mitarbeiter, die einen Betriebsrat gründen wollten, nach deren Angaben dabei von der Unternehmensleitung stark behindert worden sein. Der Wahlvorstand des Vapiano-Betriebs Bochum habe am vergangenen Donnerstag wegen Behinderung der Betriebsratswahl Klage eingereicht.

Aus Gewerkschaftskreisen hieß es dem Bericht zufolge, Vapiano habe die drei Beschäftigten zunächst mit besseren Gehältern und Arbeitsbedingungen von ihrem Vorhaben abbringen wollen. Als diese ablehnten, soll es zu Einschüchterungsversuchen in der gesamten Bochumer Belegschaft gekommen sein. Am 31. Januar sei der Wahlvorstand, der eine spätere Betriebsratswahl organisiert, dennoch gewählt worden.

Vapiano beantragte dem Bericht zufolge wenige Tage später den Erlass einer einstweiligen Verfügung beim Arbeitsgericht Bochum, der die Vorstandswahl stoppen sollte, scheiterte jedoch damit. Einen Tag später habe Vapiano zwei Mitgliedern des Wahlvorstands fristlos gekündigt, darunter der Vorsitzenden.

„Auch dem verbliebenem Wahlvorstand macht Vapiano das Leben extrem schwer“, sagte ein Gewerkschafter „Welt Online“. So habe das Unternehmen dem Wahlvorstand einen Monat nach seiner Zusammenstellung weder Räumlichkeiten noch Sachmittel für seine Arbeit zur Verfügung gestellt.

Vapiano wies die Vorwürfe am Montag zurück. Mitarbeiter der Restaurantkette wollten mehrere Initiatoren der Betriebsratswahl nun wegen Nötigung anzeigen, erklärte Vapiano-Chef Gregor Gerlach. Begründung: Seine Mitarbeiter hätten sich „von den Initiatoren der Wahl unter Druck gesetzt gefühlt“. Es sei „Angst verbreitet“ worden. Vapiano befürworte die Arbeit von Betriebsräten; das Verfahren in Bochum sei aber „unfair, undemokratisch und nicht ordnungsgemäß abgelaufen“.

Laut Gerlach konnten mehr als 20 Beschäftigte in Bochum nicht an der Wahl teilnehmen, obwohl sie schriftlich dargelegt hätten, wie wichtig ihnen die Teilnahme sei. Gerlach zufolge hätten zwei in den Wahlvorstand beorderte Mitarbeiterinnen ihnen stattdessen gedroht und Druck ausgeübt. Den beiden sei deshalb gekündigt worden. Nun habe er „Sorge“, dass sich die Gewerkschaft NGG von den Entlassenen „einspannen lässt“, erklärte Gerlach.

Das Unternehmen betreibt in 26 Ländern mehr als 120 Restaurants, teils als Franchisegeber, teils in Eigenregie. In den von Vapiano in Eigenregie betriebenen Restaurants in Deutschland gibt es bisher keinen Betriebsrat.